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Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten!

Felix Dörmann: Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten! - Kapitel 45
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleMachen Sie mich zu Ihrer Geliebten!
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
yearo.J.
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectidf6150f95
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XLIV

Während in der schmalen dunklen Rue Taitbout diese kurzen und heftigen Worte fielen, schlief drüben im vornehmen Hotel Ritz unter ihrer Seidendecke Lilith ihren tiefen, traumlosen Schlaf.

Es war eine so süße Zerbrochenheit, wie wenn ein heißer Föhn über sie hinweggerast wäre.

Noch taumelnd erhob sie sich gegen Mittag.

Nach dem Lunch legte sie sich wieder hin – aber diesmal schlief sie nicht.

Langsam kam das Denken wieder über sie, das seit gestern geschwiegen hatte.

Noch ein Nachmittag – noch ein Abend ... Morgen muß sie erwachen – und der Brand muß gelöscht sein.

Mußte!

Aber wie macht man das? Flucht ist einzige Hilfe. Anderes unmöglich.

Oder sollte sie wirklich, diesem Tarnowski zuliebe, Reichtum, Stellung, Zukunft, Sicherheit einfach wegwerfen als lästige Ketten – und sich hineinstürzen in das brausende Leben der Welt, nur auf sich und ihre Schönheit gestellt – Tarnowski als Geliebten ... eventuell Mann ...

Aber war er ein Mann, den man heiraten konnte? Sie war rasend verschossen – aber mit einer letzten Helligkeit und Klugheit fühlte sie doch die Gefahr, die über ihr lag ...

›Bestie bin ich selber. Es ist nur die Frage, wer die klügere und stärkere ist: ich – oder ...

Bei wem liegt die Gefahr, daß er am anderen zugrunde geht? Bei ihm oder bei mir? Allerdings, dieses Spiel mit der Gefahr ist herrlich. So alle Kräfte einsetzen! Kämpfen mit dem Leben – mit dem geliebten Mann – und alle beide unterkriegen und – triumphierend dastehen.

Aber stehe ich nicht triumphierend da? Ich – Fräulein Elisabeth Erdmenger, Lilith genannt, Gräfin Lobositz, Milliardärsgattin – Gattin, da liegt's! Ich hätte nicht seine Frau werden sollen, sondern seine Geliebte bleiben, so lange es mir paßt. Es war zu früh, ins bürgerliche Leben unterzukriechen.

Und dafür büße ich – das war meine unverzeihliche Dummheit.

Wenn eine Geliebte untreu wird, fertigt man sie ab und sagt ihr adieu. Wenn es die Gattin ist – verlangt man Treue ... und wenn sie geht, ist man nicht gekränkt, sondern empört. Und Empörung ist ein schlechter Zahler.

Also aushalten bei Lobositz! Abschließen mit dem Leben, ehe man es gelebt.

Und er ist heute schon alt und wird immer älter.

Mir graut, wenn ich daran denke, daß er mich noch einmal berühren soll nach dieser Nacht ...

Und das soll so weitergehen ... Ich soll Zärtlichkeiten dulden, die mir unerträglich geworden sind – und heucheln jahrein, jahraus ... Ich hasse ihn ja heute schon – wohin soll das führen?

Aber vielleicht kommt mir das alles nur heute so vor. Nach dieser Nacht ...

Wenn wir wieder erst fort sind – so wird es leichter für mich sein – oder noch schwerer, wenn die Sehnsucht und der Ekel mich rasend machen.

Was tun? Was tun? Wo ist der Weg aus dieser Hölle der Gefühle? Wo liegt der rettende Entschluß? Vielleicht doch hinübergehen und versuchen, ob es geht, noch eine Zeitlang auszuhalten, und dann ehrlich sagen: lieber Freund, ich kann nicht. Wir haben uns geirrt. Gib mich frei! Das wäre das Richtigste und auch das Anständigste. Aber schwer ist es – furchtbar schwer ...‹

Und übermüdet schlief sie wieder ein und erwachte erst zur Teestunde, als es Zeit war, zu Tarnowski zu fahren.

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