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Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten!

Felix Dörmann: Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten! - Kapitel 4
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleMachen Sie mich zu Ihrer Geliebten!
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
yearo.J.
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectidf6150f95
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III

Das junge Mädchen jagt mit glühenden Wangen zu der nächsten Untergrundstation. Der brasilianische Nabob, der Freund ihrer Mutter, hat sie empfangen, hat sich erinnert, kommt ins Haus – ungeduldig, erwartungsvoll, freundschaftlich gesinnt. Welche Möglichkeiten, welche Hoffnungen!

Wenn der Mann helfen wollte – das Leben könnte sich mit einem Schlag, mit einem einzigen jähen Ruck nach aufwärts wenden, zu Sphären voll Glanz und Licht, hoch empor über alles Enge und Beschränkte – hinauf – über die klebrige, armselige Philisterwelt, in die sie hineingeboren – aus der sie hinaus will um jeden Preis.

Wenn der Mann sich ihrer annehmen wollte – wofür hatte sie nur rasch Talent? Was konnte sie ihm vorschlagen, was an ihr auszubilden wär', und ... da stockt sie mit einem Male – eigentlich habe ich für gar nichts Talent – und überhaupt, ich spinne da goldene Träume! Was weiß ich von dem Manne? Plötzlich taucht er in Europa auf – Geschäfts- oder Vergnügungsreise! Sieht sich seine gewesene Braut als Kuriosität an und fährt wieder hinüber, wo er wahrscheinlich eine Frau hat und hochmütige, im Reichtum aufgewachsene Töchter. Was für Interesse hätte der Mann, sich meiner anzunehmen! Der hat seine Mätresse in Paris sitzen – oder am Mittelmeer ... Warum soll er auf die Idee verfallen, mir, gerade mir, die Mittel zu bieten, mich in die Welt der anderen aufzuschwingen! In die ersehnte, umschlichene, gehaßte und geliebte und beneidete Welt der Sorglosen, der Schlürfenden, der Verschwender und Genießer.

Ihr Hoffnungs- und Lebensrausch ist ebenso rasch, wie er sie überwältigt hat, wieder verflogen, die nüchterne Wirklichkeit hat sie wieder.

Lilith ist an der Rückfront des großen Warenhauses angekommen und schlüpft in die Türe für Angestellte und Lieferanten hinein.

Möglichst unbemerkt versucht sie sich an ihren Platz zu schleichen, da sie trotz aller Eile nun doch zu spät gekommen ist.

Ihr Abteilungsvorstand hat längst ihr Fehlen bemerkt und auf ihr Kommen gelauert. Mit unwilligem Grinsen empfängt er sie.

»Sieben Minuten zu spät, Fräulein Erdmenger. Ich muß Ihnen einen Punkt notieren. Es ist bereits der zweite. Beim dritten tritt ein Gehaltsabzug von fünf Mark ein. Halten Sie das vor Augen! – Es sind noch sieben Tage bis zum Ultimo.«

Schweigend nimmt Lilith ihre Arbeit auf und beugt sich über die aufgestapelte Post.

Ganz still und kleinlaut wirkt sie weiter in ihrem öden Bureau, in der dunklen Hofstube, in die kein Frühlingsglanz hineindringt, wo am frühen Nachmittag das kalte grelle Licht der großen Plafondlampen den Raum erhellen muß, ja in der die Luft dumpfig ist und die Menschen müde, gereizt und gehässig.

Um halb fünf Uhr schützt sie ein plötzliches Unwohlsein vor – und verschwindet.

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