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Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten!

Felix Dörmann: Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten! - Kapitel 29
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleMachen Sie mich zu Ihrer Geliebten!
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
yearo.J.
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectidf6150f95
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XXVIII

Mitte Juni treffen Lobositz und Lilith mit der unvermeidlichen Anka in Zermatt ein und halten ein paar Tage Zwischenstation, ehe sie ganz in die Höhe gehen.

Welch ein wunderlicher Platz dieses hochalpine Nest in seiner Mischung von Armseligkeit und Glanz! Tagsüber läuft alles in Pullovers und kurzen Hosen herum, und abends wird der Smoking herausgeholt.

Die kleine Merceria, die schmale Geschäftsstraße, ist gepflastert und mit Bogenlampen taghell erleuchtet. Es klirrt der Nagelschuh der Einheimischen, es schlürfen die Lackschuhe der Fremden. Außerhalb der Merceria ist ein grundloser Kot. Armselige Holzhütten der hundertvierzig Bergführer, die Zermatt als Bewohner besitzt, und daneben die Hotels mit üppigen Gesellschaftsräumen, roten Velourteppichen, Lüstern und Kammermusikspielern. Und über dieser seltsamen Mischung von Kultur und Natur – das königliche Berghaupt des Matterhorns, hereinleuchtend, bald zum Greifen nah, bald nebelumhüllt, bald rosig erglühend im Morgen- oder Abendlicht, immer der Star aller Berge und das ewige Gesprächsthema.

Morgens Hochtouren mit dem Einsatz des Lebens, abends Shimmy, Blues und Flirt und was sonst noch dazu gehört im Hotel oder in der Konditorei.

Nach einem Aufenthalt von ein paar Tagen ging's hinauf mit der Gornergratbahn zum Riffelalphotel, auf freiem Platz über dem Arvenwald gelegen.

Das Matterhorn, das in Zermatt nur sein Haupt zeigt, hat sich hier oben schon in unbeschreiblicher Pracht entfaltet und dehnt seine herbe Nordostflanke und seine überglasten Steilwände im goldenen Rauch des Mittags und im Silberdunst der Mitternacht, wenn die funkelnden Gestirne über sein dunkel drohendes Haupt leuchten.

Vor dem Hause Liegestühle unter Riesenschirmen zum Schutz vor der Sonne und dem blendenden Gletscherlicht, das von allen Seiten herunterleuchtet.

Im Hause selbst langgestreckte, verglaste Terrassen und behagliche Gesellschaftsräume. Hier droben ließ es sich gut leben, und man saß dahindämmernd in leichtem Halbschlaf, von Sonne und Wind umspielt, im Anblick einer erhabenen Natur.

Hier gibt's keine Ablenkung – hier heißt es Einkehr halten bei sich oder Zwiegespräch mit den anderen. Es sei denn, man fühle sich stark genug, den Kampf mit den Bergen aufzunehmen, die mit eisigem Hochmut auf die Menschenzwerge herabsehen.

Auf der Terrasse ist das Teleskop befestigt für die Müßigen, die den aufregenden Kampf der Gipfelstürmer in aller Bequemlichkeit vom Hotel aus verfolgen wollen – während sie ein kleines Gabelfrühstück einnehmen.

Über Lobositz und Lilith kam eine große Ruhe.

Nur Baronin Anka wurde nervös und immer nervöser, als ein Tag nach dem anderen verging, ohne daß Tarnowski eintraf.

Jedes intimere Gespräch zwischen Lilith und Anka war ins Stocken geraten.

Anka empfand ihre Position von Tag zu Tag unbehaglicher. Ihre Isolierung wuchs. Jeder Versuch, näher an Lobositz heranzukommen, erwies sich als vergeblich.

Eines Tages erklärte sie: ihr Herz vertrage die Höhenluft nicht.

Das war ein willkommener Anlaß für Lobositz, die Verbindung zu lösen. Er tat es in der vornehmsten und freigiebigsten Art – ohne hindern zu können, daß Anka schwer gereizt und wütend über alle Maßen Zermatt und ihre Stellung verließ.

An Ankas Platz trat eine Kammerjungfer, die ein Genfer Büro binnen achtundvierzig Stunden besorgt hatte.

Lobositz und Lilith atmeten beide auf. Anka war nach und nach zur strengen und ewig beleidigten Gouvernante für beide geworden, der es niemand mehr recht machen konnte. Nötig war sie schon lange nicht mehr gewesen. Lilith war längst eine Dame geworden!

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