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Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten!

Felix Dörmann: Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten! - Kapitel 27
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleMachen Sie mich zu Ihrer Geliebten!
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
yearo.J.
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectidf6150f95
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XXVI

Tarnowski und der alte Wodak rollen im Schlafwagen nach Paris zurück.

Tarnowski muß nach Paris zurückkommen, wenn er einem Skandal ausweichen will, der drohend über seinem Haupte schwebt.

Er weist Wodak ein Telegramm vor.

Nicht umsonst war er der Liebling jener Dame in reiferen Jahren, die der Spielhölle des Juweliers ihren letzten Glanz verliehen hatte.

Das Sitzenbleiben Tarnowskis in Montreux – überhaupt seine ganze Fahrt nach dem Genfer See – hatten ihren Verdacht erweckt.

Sie hatte gedroht, selbst zu kommen und nach dem Rechten zu sehen.

Diese Gefahr mußte vermieden werden.

Außerdem brauchte Tarnowski Geld.

Er mußte wieder ein bißchen für die Bank arbeiten – wenn nicht die Freundin sich entschloß, ihm wieder einmal tüchtig unter die Arme zu greifen.

Diesen Gründen kann sich auch Wodak nicht verschließen.

Vorsichtig begann Tarnowski, um ihn nicht unnütz zu reizen, denn er brauchte ihn momentan:

»Ich begreife ja vollkommen deine Gefühle ... und es würde mir ja auch Spaß machen, diesem Lobositz die Kleine wegzufischen. Aber meinst du nicht, daß das eine sehr gefährliche Sache für uns ist? Diese Kleine scheint mir eine rabiate Person. Die kommt mit Revolver und Vitriol, wenn man sie wieder loshaben will. Und wie sich Lobositz benimmt, weiß man auch nicht. Ich kann keinen Skandal brauchen wegen Madame und wegen der künftigen Heirat, auf die wir doch spekulieren.

Am liebsten möchte ich Lobositz und seine Mätresse sitzen lassen und nicht nach Zermatt gehen, sondern in Paris neue Geschäfte verfolgen. Du weißt genau: vor dem Grand prix ist Paris voll mit Fremden und man hat Chancen ...«

Wodak starrte bitterböse vor sich hin.

Sollte er wirklich auf seine Rache verzichten? Recht hatte ja Tarnowski – aber eine solche Gelegenheit, einem Lobositz eines auszuwischen, kam nicht so bald wieder.

Er war unschlüssig.

Tarnowski sah das – und nützte die Gelegenheit aus.

»Man kann ja die Sachen vielleicht auf später verschieben. Früher oder später landen die doch in Paris – dort machen sich solche Sachen leichter ... Aber die Zeit mit denen im Hotel versitzen – wo eines das andere so beobachtet, das ist alles so schwer ... Der alte Lobositz geht ihr ja nicht von der Seite! Und von einer bloßen platonischen Schwärmerei haben wir ja nichts. Wenn man das Mädel nicht einfach brutal nehmen kann – hat doch die Sache keinen Sinn für uns. Wir wollen da doch keine hochherzige Liebesgeschichte aufbauen, sondern unseren Spaß haben – und für solche Späße ist – wie gesagt – Paris besser. Ich werde dem Lobositz einen Brief schreiben und mich entschuldigen und Geschäfte vorschützen. Im Herbst kann man ja dann die Geschichte in deinem Sinn erledigen.«

Zögernd gab Wodak zu:

»Du hast recht! Außerdem ist es mir lästig, mich immer so versteckt halten zu müssen – und in Montreux und Zermatt muß ich es. In Paris ist man frei und unbehindert. Da laufe ich ihm nicht über den Weg und mache ihn nicht aufmerksam auf mich und reg' ihn nicht zum Spionieren an: was ich bin – oder nicht bin.«

Tarnowski atmet erleichtert auf: Gott sei Dank, er war aus dieser lästigen Episode mit heiler Haut herausgekommen.

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