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Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten!

Felix Dörmann: Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten! - Kapitel 26
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleMachen Sie mich zu Ihrer Geliebten!
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
yearo.J.
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectidf6150f95
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XXV

Lobositz erörterte mit Tarnowski Reisepläne – wohin soll man gehen?

Tarnowski ist für Paris.

»Paris im Frühsommer – letztes Aufschäumen der Saison! Rennen ...«

Lobositz winkt ab. Genug der Unruhen! Die Rasereien der letzten Wochen haben ihn ein bißchen müde gemacht. Er sehnt sich nach Stille und Behagen.

Anka lächelt bedeutsam zu Lilith hinüber: ›Also doch schon müde ...?‹

Lilith pariert die Impertinenz.

»Lobositz meint – ich glaube, vom Wasser, so schön es ist, hätten wir jetzt eine Zeitlang genug. Gehen wir ins Gebirge.«

»Wie wär's mit dem Riffel-Hotel an der Gornergratbahn, oberhalb Zermatt im Anblick des Matterhorns?«

Lilith stimmt jubelnd zu.

»Berge ... Gletscher ... Matterhorn ... Klettertouren ... das sind lauter neue Sachen ... Ja, das möchte ich sehen!«

»Wird der Übergang von dem niedrigen Seegelände ins Hochgebirge nicht ein bißchen gefährlich sein ...«

»Warum?« fragen Tarnowski und Lilith harmlos.

»Gott! Wir älteren Leute haben ein empfindliches Herz ...«

»Mein Herz ist ganz gesund«, meint Lobositz. »Wenn Sie, Frau Baronin, für Ihre Person ...«

»Oh, ich nehme das Risiko auf mich!«

»Und für mich ist es keines«, schließt Lobositz hochmütig.

»Sie werden wohl nicht mithalten können?« wendet sich Anka scheinheilig an Tarnowski. »Die Reize von Paris werden stärker sein ... die eleganten Frauen ... die Rennen ...«

Anka sieht, wie Lilith gespannt lauscht.

Tarnowski ist der Situation gewachsen und läßt sich nicht in die Karten blicken.

»Ich kenne eigentlich die höchsten Reize der Schweiz auch nicht – und wenn die Herrschaften gestatten, so würde ich mich ganz gern entschließen ... für ein paar Tage ...«

Lobositz ist erfreut.

Anka lächelt triumphierend.

Lilith ist rot geworden.

»Wissen Sie, lieber Tarnowski, Frauen sind etwas Reizendes – und ich weiß mein Glück zu schätzen –« er küßt Lilith galant die Hand, »– aber ganz ohne Männergespräch kann ich eben doch nicht sein. Und Sie sind so klug und haben trotz Ihrer Jugend so viel gesehen – es wird mir sehr angenehm sein, wenn wir noch zusammenbleiben ...«

»Ich müßte nur noch meinen Kammerdiener nach Paris schicken und mir Verschiedenes nachkommen lassen. Ich bin für das Hochgebirge nicht ausgestattet. Und überhaupt, ich bin eigentlich nur für eine Woche gekommen – ich habe auch mein kleines Palais nicht in Ordnung zurückgelassen«, fügt er nachlässig hinzu – und erzielt einen fabelhaften Eindruck.

»Das beste ist: ich fahre selbst für ein paar Tage nach Paris – und komme Ihnen dann nach ... Ich werde übrigens gleich telegraphieren.«

»Ich begleite Sie ein paar Schritte – wollen die Damen vielleicht auch mitkommen ...«

Lilith und Anka ziehen es vor, im Schatten der Terrasse zu bleiben.

»Wissen Sie, daß Tarnowski rasend in Sie verschossen ist?« fragt Anka lächelnd.

»Aber keine Spur«, wehrt Lilith ab.

»Doch, doch!« besteht Anka darauf. »Rasend verschossen! Er hängt doch mit den Augen förmlich an Ihnen – und daß er jetzt mitgeht, ist doch auch ein Beweis.«

»Möglich, daß Sie recht haben. Aber, das ist seine Sache. Ich habe ihn nicht ermuntert und – werde ihn nicht ermuntern«, fügt sie nach einer Weile hinzu.

»Warum eigentlich nicht? Er ist doch bildschön und jung und paßt zu Ihnen ...«

»Ich bin vergeben ...«

»... paßt zu Ihnen – viel besser als Ihr jetziger Freund ... Vielleicht hat er sogar ernste Absichten ... Gräfin Tarnowski – wäre nicht schlecht ...«

»Ach, er denkt nicht daran ...« meint Lilith zögernder als früher, »... oder hat er Ihnen gegenüber etwas angedeutet?«

»Angedeutet!!« lügt Anka. »Ach, nur angedeutet!! Geschluchzt hat er wie ein Verzweifelter. Er ist toll vor Leidenschaft und Verliebtheit. Aber er ist viel zu vornehm, um Ihnen etwas merken zu lassen. Nur ich habe es herausgebracht und bin seine Vertraute geworden – aber Sie dürfen mich nicht verraten. Er will jetzt weg von hier und nicht wiederkommen – weil er Angst hat, daß er sich nicht länger beherrschen kann.«

»Der Arme!« entfährt es Lilith unwillkürlich.

»Er weiß, daß er nichts zu hoffen hat; daß Sie nicht die leiseste Spur von Interesse für ihn haben. Daß Sie ihn verachten und verabscheuen ...«

»Woher weiß er das?«

»Er hat das so im Gefühl.«

»Solche Gefühle – trügen. Aber es ist gut, wenn er abreist!«

»Also, Sie lieben ihn auch.«

»Das habe ich nicht gesagt.«

»Oh, Sie haben sich jetzt verraten! Ach, warum seid ihr so närrisch alle beide? Wo euch doch alles zueinander drängt! Und geht euch aus dem Wege?«

»Ich bin Lobositz soviel Dank schuldig ...«

»Was weiß Leidenschaft von Dank!«

»Es wird vorübergehen, wenn er erst fort ist. Ich werde ihn nicht wiedersehen und – werde vergessen ...«

»Und Lobositz wird älter werden und wunderlicher mit jedem Tag. Und Sie, ein junges, schönes blühendes Geschöpf, werden sich geopfert haben – für einen Greis ...«

»So dürfen Sie nicht sprechen ...«

»Es ist die Wahrheit. Und wenn Sie Ihr Glück mit den Füßen getreten haben, um eines Phantoms willen – für Lobositz sind Sie eine Milliardärslaune – und für Tarnowski das Lebensglück. Wollen Sie dieses opfern und Ihr Glück zerstören? Wer hält Sie schadlos? Was tauschen Sie ein? Eine harte widerliche Pflicht – sonst nichts.«

»Ich habe Lobositz geliebt ...«

»Sie haben die Liebe geliebt! Und die Freiheit – und alles, was er Ihnen geschenkt hat! Aber was wirkliche Liebe ist – die kann Ihnen dieser alternde Mann doch nicht gegeben haben! Das verstehe ich besser – das müssen Sie mir glauben!«

»Vielleicht haben Sie recht ...«

Die beiden Herren kamen zurück.

Das intime Gespräch zwischen Lilith und Anka nahm ein plötzliches Ende.

»Graf Tarnowski reist schon heute ...«

Lilith wurde blaß: ›meinetwegen! Ich werde ihn nie wiedersehen! Mein Glück stirbt – ich lasse es sterben!‹

Mit unnatürlicher Heiterkeit scherzt sie:

»Natürlich, die Pariser Frauen! Wer kommt dagegen auf!«

Tarnowski schwört und beteuert, daß er wiederkommt.

Lilith glaubt es besser zu wissen.

Eiskalt und zitternd liegt ihre Hand in der seinen, als er Abschied nimmt.

Tarnowski merkt alles.

›Gesiegt!

Jetzt noch ein paar Tage Trennung und Angst, und wenn ich wiederkomme – bin ich am Ziel.‹

Und er blickt ihr tief in die Augen.

»Auf Wiedersehen!«

Sie lächelt schmerzlich und schüttelt den Kopf.

»Schwindler!«

»Ich schwöre.«

Es wird ihr schwach – sie muß sich setzen.

Anka hat dem Grafen Tarnowski Reiselektüre zugesagt.

Sie begleitet ihn.

Unterwegs soll er erfahren!

»Sie sind ein kluger Mann, Tarnowski. Und ich bin Ihre uneigennützige Freundin. Lilith liebt Sie wahnsinnig. Greifen Sie zu! Nehmen Sie das schöne Geschöpf diesem alternden Lebemann fort! Wenn ich sie einem gönne – dann sind Sie es! Sie, der Einzige!«

Ein schmachtender Blick trifft ihn.

Er küßt ihr galant die Hand.

»Ich kämpfe – weil ich liebe. Graf Lobositz ist ein Ehrenmann und mein Freund geworden.«

»Was weiß die Leidenschaft von Ehre und Freundschaft!«

»Und Sie glauben, daß Lilith bereit wäre, wenn ich ...«

»Zu allem! Sie wartet ja nur auf den Moment. Sie haßt Lobositz – und liebt nur Sie! Ihr Erlöser werden Sie sein! Er hat sie gekauft – sie hat sich verkauft – für ihre Eltern ... Es war das dunkle Geschäft eines dunklen Ehrenmannes.«

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