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Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten!

Felix Dörmann: Machen Sie mich zu Ihrer Geliebten! - Kapitel 18
Quellenangabe
authorFelix Dörmann
titleMachen Sie mich zu Ihrer Geliebten!
publisherPeter J. Oestergaard Verlag
yearo.J.
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180419
projectidf6150f95
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XVII

Montreux-Territet rüstet sich zum Narzissenfest, das den Höhepunkt und den Schluß der Frühlingssaison am Genfer See bedeutet.

Lobositz ist in Montreux zurückgeblieben und trifft alle Vorbereitungen, ein Kabriolett, das er selbst lenken wird, mit Raffinement auszuschmücken.

Lilith und Anka haben sich entschieden, nach Genf zu fahren, um sich eine besondere Toilette mit Hut in Weiß und Silber für das Narzissenfest bei Madame Guyonnet bauen zu lassen.

Endlich ist Anka mit Lilith für längere Zeit ungestört und hat den Augenblick gefunden, wo sie das Werk der Vergiftung, das sie bei Lobositz begonnen, bei Lilith fortsetzen kann.

»Graf Lobositz wird auch froh sein, heute einmal ausspannen zu dürfen. Ich glaube, der Arme hat es schon sehr nötig ...«

»Wie meinen Sie das?«

»Nun, er führt doch ein sehr strapaziöses Leben – für einen älteren Herrn ...«

»Empfinden Sie ihn als so alt – ich weiß nicht, ich nicht – ich finde ihn sehr interessant. Viel interessanter als die jungen Herren, die nichts Gescheites zu reden wissen und weitaus müder und blasierter wirken als mein Freund.«

»Sie haben recht: er wirkt merkwürdig jung. Aber ich fürchte, er greift bereits zu allerhand Mitteln – schließlich sind die Jahre doch nicht abzuleugnen ...«

»Hat er sich beklagt?«

»Das nicht – aber ich habe gesehen, wenn er sich nicht beobachtet glaubt, wie alles bei ihm erschlafft und zusammensinkt. Ein ganz alter Mann ist er in den Momenten, in denen er sich gehen läßt. Sie sollten ihn doch mehr schonen – in seinem Interesse.«

»Ich glaube, das würde ihm keine Freude machen – und mir auch nicht. Er ist nicht da, um geschont zu werden – und ich bin nicht da, um zu schonen. Es liegt nicht in unserer Art, das Leben so aufzufassen. Für Vorsichtigkeit und Sparsamkeit sind weder ich noch der Graf geboren. Man verschwendet eben so lange, als man hat. Und wenn nichts mehr da ist zu verschwenden, wird sich ein neuer Weg und eine neue Möglichkeit zeigen. Das Leben ist reich und der Mensch elastisch. Die Gegenwart ist alles, und die Zukunft interessiert mich nicht. Und wenn mein Freund müd ist – dann ist er es für sich und heimlich und wünscht nicht, daß ich es sehe und merke ... Und ich merke es auch nicht – weil mir das so paßt. Und außerdem ist es wunderschön, die letzte große Leidenschaft eines reifen Mannes zu sein – als die erste oder eine von vielen eines jungen Mannes.«

»Da haben Sie eben noch nicht geliebt!«

»Möglich! Aber ich glaube, es ist weitaus schöner, geliebt zu werden, irrsinnig, verschwenderisch, mit allen Feinheiten von einem Manne, der zittern muß um sein Glück – als selber zu lieben und selbst zittern zu müssen.«

»Hoffentlich verlieben Sie sich selbst nie und bleiben so kalt und so überlegen, wie Sie sind – möglichst auch so lieblos.«

»Ich bin nicht lieblos – ich liebe meinen Freund ... auf meine Weise natürlich!«

»Wenn Sie das lieben nennen ...!«

»Liebe Baronin, vielleicht hat man in Ihrer Jugend anders geliebt – wir jungen Mädchen von heute lieben eben so.«

Baronin Anka quittierte diesen Hieb mit süffisantem Lächeln und schwieg vorerst.

»Nun, wir werden ja sehen, wie das weitergeht«, fügte sie nach einer Weile ergänzend hinzu. »Einmal wird ja doch eine Belastungsprobe kommen, wo es heißen wird: Farbe bekennen und wo es sich zeigen wird, was Ihnen dieser Mann ist – oder nicht.«

»Sind Sie vielleicht in den Grafen verliebt, Baronin«, fragte Lilith frech. »Dann wäre es vielleicht besser, Sie setzten sich nicht länger diesen hoffnungslosen Qualen aus ...«

»Ich bin über solche Dummheiten längst hinaus. Ich habe nur aus Teilnahme für Sie gesprochen, weil ich meine, daß Jugend zu Jugend gehört, und weil Sie mir leid tun, wenn Sie sich opfern.«

»Sie können sich das Mitleid ersparen. Von Opfer ist keine Rede. Ich bin sehr glücklich in meiner heutigen Lage und wünsche mir nichts Besseres.«

»Dann bitte, vergessen Sie unser Gespräch«, bemerkte die Baronin verbindlich und klug, denn sie hatte das Gefühl: ›etwas wird schon hängen bleiben!‹

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