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William Shakespeare: Macbeth - Kapitel 4
Quellenangabe
typetragedy
booktitleSchillers Sämmtliche Werke, Zweiter Band
authorShakespeare
translatorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
titleMacbeth
pages655-718
created20010110
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritter Aufzug.

Ein Zimmer.

Erster Auftritt.

Banquo allein.

Da hast's nun! Glamis! Cawdor! König! Alles,
Wie es die Zauberschwestern dir verhießen.
Ich fürchte sehr, du hast ein schändlich Spiel
Darum gespielt. – Und doch ward prophezeit,
Es sollte nicht bei deinem Hause bleiben,
Ich aber sollte der beglückte Stifter,
Die Wurzel eines Königsstammes sein.
Wenn Wahrheit kommen kann aus solchem Munde
– Und der erfüllte Gruß an dich beweist's –
Wie sollten sie nicht eben sowohl mein
Orakel sein, wie deins, und mich zur Hoffnung
Anfrischen? Aber still! Nichts mehr davon!

 
Zweiter Auftritt.

Trompeten.

Macbeth als König. Lady Macbeth. Rosse. Angus. Lenox. Banquo. Gefolge.

Macbeth. Sieh da! Hier ist der erste unsrer Gäste!

Lady. Blieb er hinweg, so war gleichsam ein Riß
In unserm Feste, und die Krone fehlt' ihm.

Macbeth. Banquo! Wir geben diese Nacht ein festlich Mahl
Und bitten Euch um Eure Gegenwart.

Banquo. Nach meines Herrn Befehl, dem zu gehorchen
Mir heil'ge Pflicht ist.

Macbeth.                             Ihr verreiset heut?

Banquo. Ja, Sire!

Macbeth.               Sonst hätten wir uns Euern Rath,
Der stets so weis' als glücklich war, in heutiger
Versammlung ausgebeten. Doch das kann auch ruhn
Bis morgen. Geht die Reise weit?

Banquo.                                                 So weit,
Daß alle Zeit von jetzt zum Abendessen
Drauf gehen wird. Thut nicht mein Pferd sein Bestes,
Werd' ich der Nacht verschuldet werden müssen
Für eine dunkle Stunde oder zween.

Macbeth. Fehlt ja nicht bei dem Fest!

Banquo.                                               Gewißlich nicht.

Macbeth. Wir hören, unsre blut'gen Vettern sind
Nach Engelland und Irland, leugnen dort
Frech ihren gräuelvollen Mord und füllen
Mit seltsamen Erdichtungen die Welt.
Doch hievon morgen nebst dem Andern, was
Den Staat betrifft und unsre Sorgen heischt.
Lebt wohl bis auf die Nacht! Geht Fleance mit Euch?

Banquo. Ja, Sire! Wir können länger nicht verweilen –

Macbeth. So wünsch' ich euren Pferden Schnelligkeit
Und sichre Füße! Lebet wohl! (Banquo gebt ab. Zu den Andern.)
                                                Bis Anbruch
Der Nacht sei Jedermann Herr seiner Zeit.
Die Freuden der Gesellschaft desto besser
Zu schmecken, bleiben wir bis dahin selbst
Für uns allein. Und damit Gott befohlen. (Lady und Lords gehen ab.)

 
Dritter Auftritt.

Macbeth zurückbleibend.

Macbeth (zu einem Bedienten).
Hört, Freund! Sind jene Männer bei der Hand?

Bedienter. Ja, Sire! Sie warten draußen vor dem Schloßthor.

Macbeth. Führ' sie herein. (Bedienter ab.)
                                    So weit sein, ist noch nichts;
Doch, es mit Sicherheit zu sein!
Vor diesem Banquo haben wir zu zittern.
In seiner königlichen Seele herrscht
Dasjenige, was sich gefürchtet macht.
Vor nichts erschrickt sein Muth, und dieser kecken
Entschlossenheit wohnt eine Klugheit bei,
Die ihm zum Führer dient und seine Schritte
Versichert. Ihn allein, sonst Keinen fürcht' ich.
Ihm gegenüber wird mein Geist gezüchtigt,
Wie Marc Antons vor Cäsars Genius.
Er schalt die Zauberschwestern, da sie mich
Zuerst begrüßten mit dem Königstitel,
Und forderte sie auf, zu ihm zu reden;
Und darauf grüßten sie prophetisch ihn
Den Vater einer königlichen Reihe!
Auf meine Stirne setzten sie
Nur eine unfruchtbare Krone, gaben
Mir einen dürren Scepter in die Hand,
Damit er einst von fremden Händen mir
Entwunden werde! Ist's an dem, so hab' ich
Für Banquos Enkelkinder mein Gewissen
Befleckt, für sie den gnadenreichen Duncan
Erwürgt, für sie – allein für sie – auf ewig
Den Frieden meiner Seele hingemordet
Und mein unsterbliches Juwel dem all-
Gemeinen Feind der Menschheit hingeopfert,
Um sie zu Königen zu machen! Banquos
Geschlecht zu Königen! Eh dies geschieht,
Eh komme du, Verhängniß, in die Schranken
Und laß uns kämpfen bis aufs Blut! (Bedienter kommt mit den Männern.)
                                                    Wer ist da?
Geh vor die Thür und warte, bis wir rufen.

 
Vierter Auftritt.

Macbeth. Zwei Mörder.

Macbeth. War es nicht gestern, daß ich mit euch sprach?

Die Mörder. Ja, königlicher Herr!

Macbeth. Nun? Habt ihr meinen Reden nachgedacht?
Ihr wißt nun, daß es Banquo war, der euch
In vor'gen Zeiten so im Weg gestanden.
Ihr gabet fälschlich mir die Schuld! Doch aus
Der letzten Unterredung, die wir führten,
Habt ihr es sonnenklar erkennt, wie schändlich
Man euch betrog –

Erster Mörder.               Ja, Herr! Ihr überzeugtet uns.

Macbeth.                                                                       Das that ich.
Nun auf den andern Punkt zu kommen. Sagt!
Seid ihr so lämmerfromm, so taubenmäßig
Geartet, daß ihr solches ungeahndet
Könnt hingehn lassen? So versöhnlichen Gemüths,
Daß ihr für diesen Banquo beten könnt,
Deß schwere Hand euch und die Eurigen
In Schande stürzte und zu Bettlern machte?

Erster Mörder. Mein König! Wir sind Männer!

Macbeth. Ja, ja, ihr lauft so auf der Liste mit!
Wie Dachs und Windspiel alle Hunde heißen;
Die eigne Race aber unterscheidet
Den schlauen Spürer, den getreuen Wächter,
Den flücht'gen Jäger. So auch mit den Menschen.
Doch, wenn ihr wirklich Männer seid, und zwar
An echter Mannheit nicht die allerletzten,
So zeigt es jetzo! Rächet euch und mich
An einem Feinde, der uns gleich verhaßt ist.

Erster Mörder. Ich bin ein Mann, Sire, den die harten Stöße
Der Welt so aufgebracht, daß ich bereit bin,
Der Welt zum Trotze Jegliches zu wagen.

Zweiter Mörder. Und mir, mein König, hat das falsche Glück
So grausam mitgespielt, daß ich mein Schicksal
Verbessern oder gar nicht leben will.

Macbeth. Ihr wisset also, euer Feind war Banquo.

Die Mörder. Ja, Sire!

Macbeth.                     Er ist auch meiner, und er ist's
Mit solchem blutig unversöhnten Haß,
Daß jeder Augenblick, der seinem Leben
Zuwächst, das meine mir zu rauben droht.
Zwar steht's in meiner königlichen Macht,
Ihn, ohne alle andre Rechenschaft,
Als meinen Willen, aus der Welt zu schaffen;
Doch darf ich's nicht um ein'ger Freunde willen,
Die auch die seinen sind, und deren Gunst
Ich ungern in die Schanze schlüge! Ja!
Die Klugheit will es, daß ich Den beweine,
Auf den ich selbst den Streich geführt! Darum
Bedarf ich eures Arms zu dieser That,
Die ich aus ganz besonders wicht'gen Gründen
Dem öffentlichen Aug verbergen muß.

Erster Mörder. Mein König! Wir erwarten deinen Wink.

Zweiter Mörder. Und wenn auch unser Leben –

Macbeth.                                                             Eure Kühnheit blitzt
Aus euch hervor. Der Feind, von dem wir reden,
Wird diesen Abend hier zurück erwartet.
Im nächsten Holze kann die That geschehen,
Doch etwas fern vom Schloß, versteht ihr wohl,
Daß kein Verdacht auf mich geleitet werde.
Zugleich mit ihm muß, um nichts halb zu thun,
Auch Fleance, sein Sohn, der bei ihm ist,
An dessen Untergange mir nicht

Mörder.                                             Wohl! Wir sind entschlossen,
Mein König!

Macbeth.               Nun, so geht auf euren Posten!
Vielleicht stößt noch der dritte Mann zu euch,
Daß nichts dem Zufall überlassen bleibe! (Die Mörder gehen ab.)
Beschlossen ist's! Banquo, erwartest du,
Zum Himmel einzugehn, fliegst du ihm heut noch zu!

 
Fünfter Auftritt.

Macbeth. Lady Macbeth.

Lady. Wie, mein Gemahl? Warum so viel allein?
Was kann es helfen, daß Ihr Eure Träume
Zur traurigen Gesellschaft wählt und mit
Gedanken sprecht, die Dem, an den sie denken,
Ins nicht'ge Grab hinab gefolgt sein sollten?
Auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind,
Muß auch kein Blick zurück mehr fallen! Was
Gethan ist, ist gethan und bleibt's.

Macbeth.                                             Wir haben
Die Schlange nur verwundet, nicht getödtet;
Sie wird zuheilen und dieselbe sein
Aufs neue; unser machtlos feiger Grimm
Wird, nach wie vor, vor ihrem Zahn erzittern.
Doch ehe soll der Dinge feste Form
Sich lösen, ehe mögen beide Welten
Zusammenbrechen, eh wir unser Brod
Mit Zittern essen und uns fernerhin
In ängstlich bangen Schreckensträumen wälzen.
Weit besser wär's es, bei den Todten sein,
Die wir zur Ruh geschickt, uns Platz zu machen,
Als fort und fort in ruheloser Qual
Auf dieser Folterbank der Todesfurcht
Zu liegen. –Duncan ist in seinem Grabe,
Sanft schläft er auf des Lebens Fieberangst,
Verrätherbosheit hat ihr Aeußerstes
An ihm gethan! Nun kann nicht Stahl noch Gift,
Nicht Krieg von außen, nicht Verrätherei
Von innen, nichts den Schläfer mehr berühren!

Lady. Kommt, kommt, mein König, mein geliebter Herr,
Klärt Eure finstern Blicke auf, seid heiter
Und hell heut Abend unter Euren Gästen!

Macbeth. Das will ich, liebes Weib! und sei du's auch
Und spare nicht die glatte Schmeichelrede.
Noch heischt's die Zeit, daß wir uns unsers Ranges
Entäußern, zu unwürdiger Liebkosung
Heruntersteigen, unser Angesicht
Zur schönen Larve unsrer Herzen machen.

Lady. Laßt das!

Macbeth.           O, angefüllt mit Scorpionen
Ist meine Seele! Theures Weib, du weißt,
Noch lebet Banquo und sein Sohn!

Lady.                                                       Doch Keinem gab
Natur das Vorrecht der Unsterblichkeit.

Macbeth. Das ist mein Trost, daß sie zerstörbar sind!
Drum gutes Muths! Eh noch die Fledermaus
Den ungesell'gen Flug beginnt, eh auf
Den Ruf der bleichen Hekate der Käfer,
Im hohlen Baum erzeugt, die müde Nacht
Mit seinem schläfrigen Gesums einläutet,
Soll eine That von furchtbarer Natur
Vollzogen sein.

Lady.                         Was soll geschehn?

Macbeth. Sei lieber schuldlos durch Unwissenheit,
Mein trautes Weib, bis du der fert'gen That
Zujauchzen kannst. – Steig nieder, blinde Nacht,
Des Tages zärtlich Auge schließe zu!
Mit deiner unsichtbaren blut'gen Hand
Durchstreiche, reiß in Stücken diesen großen
Schuldbrief, der auf mir lastend mich so bleicht!
– Schon sinkt der Abend, und die Krähe fliegt
Dem dohlenwimmelnden Gehölze zu,
Einnicken alle freudigen Geschöpfe
Des Tags, indeß die schwarzen Hausgenossen
Der traur'gen Nacht auf ihren Raub ausgehen.
Du staunst ob meiner Rede! Doch sei ruhig!
Was blutig anfing mit Verrath und Mord,
Das setzt sich nur durch blut'ge Thaten fort!
Damit laß dir genügen! Folge mir! (Sie gehen ab.)


Unter Bäumen.

Sechster Auftritt.

Drei Mörder treten auf.

Erster (zum Dritten). Wer aber hieß dich zu uns stoßen?

Dritter.                                                                             Macbeth.

Erster (zum Zweiten). Wie? Sind wir Beide ihm nicht Manns genug,
Daß er, besorgt, uns den Gehilfen sendet?
Was meint Ihr? Dürfen wir ihm traun?

Zweiter. Wir können's dreist. Die Zeichen treffen zu,
Es ist der Mann, von dem der König sprach.

Erster. So steh zu uns. Am abendlichen Himmel
Verglimmt der letzte bleiche Tagesschein.
Der Wandrer, der sich auf dem Weg verspätet,
Strengt seiner Schritte letzte Kraft noch an,
Die Nachtherberge zeitig zu erreichen,
Und Der, auf den wir lauern, nähert sich.

Zweiter. Still! Horch! Ich höre Pferde.

Banquo (Hinter der Scene).                     Licht! He da!

Erster. Das ist er! Denn die Andern, die beim Gastmahl
Erwartet wurden, sind schon alle da.

Zweiter. Die Pferde machen einen Umweg.

Erster. Wohl eine Viertelmeile. Aber er
Pflegt, so wie Jedermann, den Weg zum Schloß
Durch dies Gehölz zu Fuß zurück zu legen,
Weil es hier näher ist und angenehmer.

 
Siebenter Auftritt.

Vorige. Banquo und Fleance mit einer Fackel.

Zweiter Mörder. Ein Licht! Ein Licht!

Dritter.                                                 Er ist es.

Erster Mörder.                                                     Macht euch fertig!

Banquo (vorwärts kommend). Es wird heut Nacht gewittern.

Zweiter Mörder.                                                                   Es schlägt ein.

(Sie fallen über ihn her.)

Banquo (indem er sich wehrt).
Verrätherei! Flieh! Flieh, mein Sohn! Flieg! flieh!
Du kannst mein Rächer sein! – O Bösewicht!

(Er sinkt tödtlich getroffen nieder. Fleance wirft die Fackel weg; erster Mörder tritt darauf und löscht sie aus; jener entflieht.)

Dritter Mörder. Wer löscht das Licht? –

Erster Mörder. Was es nicht wohl gethan?

Zweiter Mörder.                                         Da liegt nur Einer!
Der Sohn entsprang.

Erster Mörder.                 Verdammt! Wir haben
Die beste Hälfte unsers Werks verloren.

Dritter Mörder. Gut! Laßt uns gehn und melden, was gethan ist!

(Sie gehen ab.)


Festlicher Saal, erleuchtet.
Eine mit Speisen besetzte Tafel im Hintergrunde.

Achter Auftritt.

Macbeth. Lady Macbeth. Rosse. Lenox. Angus und noch sechs andere Lords.

Macbeth. Ihr kennet euern Rang. Setzt euch, ihr Herren.
Vom Ersten bis zum Untersten willkommen.

Rosse. Angus. Lenox. Wir danken Eurer Majestät.

Macbeth. Wir selber wollen uns bald hier, bald dort
In die Gesellschaft mischen und das Amt
Des aufwartsamen Hauswirths übernehmen,
Denn unsre Wirthin, seh' ich, ist zu lässig
In ihrer Pflicht. Wir sollen sie ersuchen,
Geschäftiger zu sein um ihre Gäste. (Alle setzen sich außer Macbeth.)

Lady. Thut das, mein König, und erinnert mich,
Wofern ich was in meiner Pflicht versäumte.
Mein Herz zum wenigsten bewillkommt alle.

Der erste Mörder kommt an die Thüre.

Macbeth. Wie ihre Herzen dir entgegen wallen!
Gut! Beide Seiten, seh' ich, sind besetzt,
So will ich dort mich in die Mitte setzen.
Nun, überlaßt euch ganz der Fröhlichkeit;
Bald soll der Becher um die Tafel kreisen.
        (Zu dem Mörder an der Thüre.)
Auf deinem Kleid ist Blut.

Erster Mörder.                         So ist es Banquos.

Macbeth. Liegt er am Boden?

Erster Mörder.                         Herr! Die Kehl' ist ihm
Zerschnitten! Diesen Dienst erwies ich ihm.

Macbeth. Du bist der erste aller Kehlabschneider!
Doch gleiches Lob verdient, wer seinem Sohn
Denselben Dienst gethan! Bist du der auch,
So suchst du deines Gleichen.

Erster Mörder.                               Gnäd'ger Herr!
Fleance ist entwischt!

Macbeth.                             So kommt mein Fieber
Zurück! Sonst war ich ganz gesund, vollkommen
Genesen, fest wie Marmor, wie ein Fels
Gegründet, wie das freie Element,
Das uns umgibt, unendlich, allverbreitet.
Jetzt bin ich wieder eingeengt, gebunden
Und meinen alten Schrecknissen aufs neu'
Zum Raub dahingegeben. – Aber Banquo ist
Doch sicher?

Erster Mörder.     Herr! Er liegt in einem Graben,
Mit zwanzig Hieben in dem Kopf, der kleinste
Schon eine Todeswunde. –

Macbeth.                                     Dank für das!
Dort liegt sie also, die erwachsne Schlange!
Der Wurm, der floh, hast das Vermögen, einst
Gift zu erzeugen, doch für jetzt noch keine Zähne!
Gut! Morgen wollen wir's noch einmal hören! (Mörder geht ab.)

Lady. Mein König! Ihr verkürzet Eure Gäste.
Das reichste Mahl ist freudenleer, wenn nicht
Des Wirthes Zuspruch und Geschäftigkeit
Den Gästen zeigt, daß sie willkommen sind.
Satt essen kann ein Jeglicher zu Hause;
Geselliges Vergnügen, munteres
Gespräch muß einem Festmahl Würze geben.

Banquos Geist steigt empor und setzt sich zwischen Rosse und Lenox an den Platz, der für Macbeth in der Mitte des Tisches leer gelassen ist.

Macbeth. Willkommene Erinnerung – (Zu den Lords.) Nun! Wohl
Bekomm' es meinen vielgeliebten Gästen!

Rosse. Gefällt es meinen König, Platz zu nehmen?

Macbeth. Hier wären alle unsre Edeln nun,
Die Zierden unsers Königreichs, beisammen,
Wenn unsers Banquo schätzbare Person
Zugegen wäre. – Möcht' ich ihn doch lieber
Der Ungefälligkeit zu zeihen haben,
Als eines Unfalls wegen zu beklagen!

Rosse. Sein Nichterscheinen, Sire, schimpft sein Versprechen.
Gefällt es meinem Königs, die Tafel
Mit seiner hohen Gegenwart zu zieren?

Macbeth (mit Entsetzen, indem er den Geist erblickt).
Die Tafel ist voll!

Lenox (ganz gleichgültig auf den Geist deutend).
Hier, Sire, ist noch ein aufbehaltner Platz!

Macbeth. Wo?

Rosse (so wie Lenox). Hier, mein König! Was setzt Euer Hoheit
So in Bewegung?

Macbeth (schauervoll). Wer von euch hat das
Gethan?

Rosse und Lenox. Was denn, mein königlicher Herr?

Macbeth (zum Geist). Du kannst nicht sagen, ich war's! Schüttle
Die blut'gen Locken nicht so gegen mich!

Rosse. Steht auf, ihr Herrn, dem König ist nicht wohl.

Lady. Bleibt sitzen, meine Lords. Der König ist
Oft so und ist's von Jugend auf gewesen;
Ich bitt' euch drum, behaltet eure Plätze.
Der Anstoß währt nur einen Augenblick,
In zwei Minuten ist er wieder besser.
Wenn ihr so scharf ihn anseht, bringt ihr ihn
Nur auf und macht sein Uebel länger dauern.
Eßt fort und gebt nicht Acht auf ihn! (Heimlich zu Macbeth.)
Seid Ihr ein Mann, Sir?

Macbeth (immer starr auf das Gespenst sehend). Ja, und ein beherzter
Dazu, der Muth hat, etwas anzuschauen,
Wovor der Teufel selbst erblassen würde!

Lady. O schön! Vortrefflich! Das sind wieder
Die Malereien deiner Furcht! Das ist
Der in der Luft gezückte Dolch, der, wie
Du sagtest, dich zu Duncan hingeleitet!
Wahrhaftig, dieses Schaudern, dies Entsetzen,
So ganz um nichts, um gar nichts paßt gut
Zu einem Ammenmärchen, am Kamin
Erzählt, wofür Großmutter Bürge wird.
O, schäme dich! Was zerrst du für Gesichter?
Am Ende siehst du doch nicht weniger,
Noch mehr, als einen Stuhl.

Macbeth.                                     Ich bitte dich!
Schau' dorthin! Dorthin schaue! Nun! Was sagst du? (Zum Geist.)
Wie? Was ficht's mich an? Wenn du nicken kannst,
So red' auch. – Schickt das Beinhaus und die Gruft
Uns die Begrabenen zurück, so soll
Der Bauch der Geier unser Grabmal werden. (Der Geist verschwindet.)

Lady. Ist's möglich, Sir! so ganz unmännlich thöricht?

Macbeth. So wahr ich vor Euch steh'! Er war's. Ich sah ihn.

Lady. O, schämet Euch!

Macbeth.                         Es ist von jeher Blut
Vergossen worden, schon in alten Zeiten,
Eh menschliche Gesetze noch die friedliche
Gemeinheit säuberten. – Ja, auch hernach
Geschahen Morde gnug, zu gräßlich schon
Dem Ohre. Sonst, wenn einem das Gehirn
Heraus war, starb der Mann, und so war's aus.
Jetzt steigen sie mit zwanzig Todeswunden
An ihrem Kopfe wieder aus dem Grab
Und treiben uns von unsern Stühlen. – Das
Ist noch weit seltsamer, als solch ein Mord.

Lady. Sire! Eure Gäste warten –

Macbeth.                                     Ich vergaß mich!
Kehrt euch an mich nicht, meine werthen Freunde!
Ich bin mit einer wunderlichen Schwachheit
Behaftet; wer mich kennt, gewöhnt sich dran.
Kommt! kommt! Auf euer Freundschaft und Gesundheit!
Hernach will ich mich setzen! Gebt mir Wein!
Voll eingeschenkt! Ich trinke auf das Wohlsein
Der ganzen gegenwärtigen Versammlung
Und unsers theuren Freundes Banquo auch,
Den wir vermissen. – Wär' er doch zugegen!
Auf sein und euer aller Wohlergehn! (Der Geist steht wieder da.)

Rosse. Lenox. Angus. Wir danken unterthänigst.

Macbeth (den Geist erblickend und heftig auffahrend).
Hinweg aus meinem Angesicht! Laß dich
Die Gruft verbergen! Dein Gebein ist marklos!
Dein Blut ist kalt; du hast nicht Kraft zu sehn
In diesem Aug, mit dem du mich anstarrest!

Lady. Verwundert euch nicht, meine edlen Thans,
Nehmt es für etwas ganz Gewöhnliches.
Es ist nichts weiter! Glaubt mir! Schade nur,
Daß es die Freude dieses Abends stört!

Macbeth. Was Einer wagt, das wag' ich auch – Komm du
In der Gestalt des rauhen Eisbärs auf mich an
Des lib'schen Tigers, des geharnischten
Rhinoceros, in welcher andern Schreckens-
Gestalt du immer willst, nur nicht in dieser,
Und meine festen Nerven sollen nicht
Erbeben – Oder lebe wieder auf
Und fordre mich aufs Schwert in eine Wüste.
Wenn ich mich zitternd weigere, dann schilt
Mich eine weib'sche Memme! Weg! Hinweg!
Furchtbare Schatten! Wesenloses Schreckbild! (Der Geist verschwindet.)
Ja – Nun – Sobald du fort bist, bin ich wieder
Ein Mann. (Zu den Gästen, welche aufstehen wollen.)
                  Ich bitt' euch, Freunde, bleibet sitzen!

Lady. Ihr habt durch diesen fieberhaften Anstoß
Den Schrecken unter eure edeln Gäste
Gebracht und alle Fröhlichkeit verbannt.

Macbeth. Ich bitte dich! Kann man denn solche Dinge
Wie eine Sommerwolke vor sich weg
Ziehn lassen, ohne außer sich zu sein?
Du machst mich irr an meinem eignen Selbst,
Seh' ich, daß du dergleichen Furchterscheinungen
Anschaun und den natürlichen Rubin
Auf deinen Wangen kannst behalten, wenn
Die meinen das Entsetzen bleicht.

Rosse.                                                   Was für
Erscheinungen, mein König?

Lady.                                             Redet nicht,
Ich bitt' Euch! Es wird schlimmer stets und schlimmer.
Viel Fragen bringt ihn vollends ganz von Sinnen.
Gut' Nacht auf einmal Allen! Wartet nicht
Erst auf Befehl zum Aufbruch! Geht zugleich!

Rosse. Angus. Lenox. Wir wünschen unserm König gute Nacht
Und bessere Gesundheit!

Lady.                                       Allerseits gut' Nacht!

(Die Lords gehen ab, von der Lady begleitet.)

 
Neunter Auftritt.

Macbeth. Gleich darauf Lady Macbeth.

Macbeth. Es fordert Blut! Blut, sagt man, fordert Blut!
Man hat Erfahrungen, daß Steine sich
Gerührt, daß Bäume selbst geredet haben!
Wahrsager, die das tiefverborgne Band
Der Dinge kennen, haben schon durch Krähen
Und Dohlen die geheimste Mörderthat
Ans Licht gebracht – Wie weit ist's in der Nacht?

Lady (Ist indeß zurückgekommen).
So weiß, daß Nacht und Morgen schon im Streit
Begriffen, wer die Herrschaft führen soll.

Macbeth. Und Macduff, sagst du, weigert sich, zu kommen?

Lady. Hast du ihn laden lassen?

Macbeth.                                   Nein, ich hört' es,
Nur vor der Hand; doch will ich nach ihm senden,
Es ist nicht einer unter diesen Thans,
In dessen Haus ich meine Horcher nicht
Besolde! – Morgen mit dem Frühesten
Such' ich die Zauberschwestern auf. Sie müssen
Mir mehr entdecken, denn ich muß nun schon
Das Aergste wissen auf dem ärgsten Weg.
Ich bin so tief in Blut hineingestiegen,
Daß die Gefahr dieselbe ist, ich mag
Zurücke schreiten oder vorwärts gehn.
– Seltsame Dinge wälzt mein Geist bei sich
Herum, die einen raschen Arm erfordern
Und That sein müssen, eh sie Worte sind.

Lady. Euch mangelt die Erquickung aller Wesen,
Der Schlaf.

Macbeth.             Ja, komm! Wir wollen auch nun schlafen.
Mein Fehler ist nur eines Neulings Furcht,
Den die Gewohnheit noch nicht abgehärtet.
Wie sind in Thaten dieser Art noch Kinder. (Sie gehen ab.)

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