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Lustiges Komödienbüchlein

Franz Graf von Pocci: Lustiges Komödienbüchlein - Kapitel 41
Quellenangabe
typefiction
authorFranz Pocci
titleLustiges Komödienbüchlein
publisherJ. J. Kentner'sche Buchhandlung
addressMünchen
volumeZweites Bändchen
year1861
firstpub1861
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060710
projectid90b2c82e
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Casperl als Garibaldi

Ein politisches Trauerspiel

Aus dem Italienischen übersetzt

Personen.

Salzmaier, Bürgermeister.
Spritzler, Rathschreiber.
Casperl Larifari.
Margarethe, seine Frau.
Bock, Schneidermeister.
Zapfl, Wirth zum »grünen Ochsen.«
In der Ferne das Garibaldische Armeecorps.

Amtsstube des Bürgermeisters.

Bürgermeister Salzmeier. Dann Spritzler.

Salzmaier (am Arbeitstische sitzend). Spritzler! – Spritzler! wo steckt Er wieder?

Spritzler (Akten unter dem Arme). Da bin, da bin ich, Herr Bürgermeister; hab nur in der Registratur Etwas holen müssen.

Salzmaier. Flausen, Flausen! Ich kenne Seine Registratur schon. Das ist die Rathdienersstubcn unten bei der Weinflaschen oder im »grünen Ochsen« drüben beim Bierkrug. Ich werde aber dem Mißstand bald abhelfen. Der Rathdiener darf keinen Wein mehr abgeben aus seinem Keller. Wird mir das ganze Personale verdorben mit der bequemen Gelegenheit zum Frühschöppeln. 'S ist eine Schand! Schau Er sich nur einmal in den Spiegel. Vorigs Jahr war seine Nasen roth und Heuer ist sie schon ganz violettblau. Das wär mir eigentlich ganz einerlei, ob Er eine rothe oder eine blaue Nasen hat; aber der Dienst, der Dienst leidet darunter.

Spritzler. Herr Bürgermeister, da muß ich schon bitten. Was meine Amtspflicht betrifft, kann mir – glaub' ich – kein reprement gemacht werden und die paar Tröpfeln Wein, die ich bisweilen zu meiner Magenstärkung trink, brauchen S' mir net vorzuhalten – die zahl ich selber. Und wenn ich nicht wär, so ging gar nichts mehr zusammen auf'm Rathhaus. Ich bin doch die Seel vom ganzen Collegium.

Salzmaier. Oho, Mossieur Spritzler! Das wär nicht übel: aufbegehren auch noch, wenn Ihm sein Vorstand, ich, der Bürgermeister – eine Zurechtweisung gibt? Das verbitt ich mir ernstlich! Verstanden, Mossieur Spritzler? Vergeß' Er Seine Stellung nicht.

Spritzler. Die vergeß ich gwiß nit; aber ich hab eigentlich gar keine rechte Stellung mehr. Vor lauter Schreiben und Sitzen seh' ich bald selbst wie eine verbogene Schreibfeder aus.

Salzmaier. Still da; ich verbitt mir die witzigen Bemerkungen, die nicht hiehergehören. Was soll ich nachher sagen? Ich unterliege ja beinah meiner Würde und Bürde. Auf mir ruht die ganze Last der städtischen Angelegenheiten! Ich bin die Stütze des ganzen Gemeindecollegiums! Wenn ich nicht wär – – Doch genug. Wo ist der heutige Einlauf? Nichts Neues? Keine Meldung?

Spritzler. Der Schneidermeister Bock steht schon eine Stund draußen in der Rathsstuben und wart't auf'n Herrn Bürgermeister, weil er eine Anzeig zu machen hat.

Salzmaier. Hab mich heut ein bißl verschlafen. Was wird das wieder sein? Gewiß wieder eine Klage wegen Gewerbsbeeinträchtigung oder so was zwieders.

Spritzler. Ja, es könnt leicht so was sein; denn die Schneider haben sich schon lang beklagt, daß die Nahderinnen auf der Stöhr den Herren die Knöpf annähen, was nur der eigentlichen Schneiderzunft zusteht.

Salzmaier. Dem Spectakel wird bald abgeholfen werden. Haben wir nur einmal die Gewerbfreiheit. Ich wart schon lang auf die Einführung dieses Fortschrittes. (für sich.) Mir schadt's Nichts, denn mein Laden bleibt doch in Schwung, und die Magistratsgeschäfte werden dann vermindert. (zu Spritzler) Also, laß Er den Bock herein. (Spritzler ab.)

Salzmaier. Der Spritzler wird mir wirklich etwas zu üppig! Aber was will ich machen? Er ist und bleibt doch meine rechte Hand, also muß ich ihm immer durch die Finger schau'n.

(Bock tritt ein)

Salzmaier. Guten Morgen, Herr Schneidermeister! Was gibt's? Womit kann ich aufwarten?

Bock. Bitt unterthänigst; von aufwarten ist keine Red, Herr Bürgermeister, das wär meine Sach. Ich hab nur eine kleine Klag vorzubringen, wenn ich bitten dürfte.

Salzmaier. Immer und immer Klagen! – Nun, wo fehlt's wieder?

Bock. Herr Bürgermeister wissen ja, daß der Herr Casperl bei mir wohnt.

Salzmaier. Ja, das weiß ich. Im zweiten Stock.

Bock. Gestern war wieder so ein Spetakel, daß wir die halbe Nacht nicht hab'n schlafen können im ersten Stock.

Salzmaier. Was Spectakel? Wie so?

Bock. Der Herr Casperl ist wieder nach 12 Uhr mit einem Rausch heimkommen und hat seine Frau geprügelt. Das gschieht alle Wochen ein paar Mal und meine Inwohner haben mir schon gedroht, daß Alle ausziehn woll'n, wenn dem Unfug nicht abgeholfen wird.

Salzmaier. Das ist doch erschrecklich mit dem Herrn Casperl! Von alle Seiten laufen Klagen und Beschwerden gegen ihn ein. Ueberall macht er Spectakel! Aus alle Wirthshäuser werfen's 'n 'naus. Vorige Woch hat er mit'm Nachtvachter grauft wegen der Polizeistund! Vorgestern hat er der Frau Obstlerin das Standl umgworfen, daß alles Obst in den Stadtbach gekugelt ist.

Bock Ja und mir ist er schon seit zwei Jahren den Hauszins schuldig und aufkündigen kann ich ihm auch nicht; denn da wär der Teufel los; meine Lehrbubn halten so zu ihm. Helfen's mir, Herr Bürgermeister, ich bitt Ihnen um Gotteswillen.

Salzmaier Aha! jetzt ist wieder die Behörde gut genug! Sonst kann man nichts thun, als über sie schimpfen. Jetzt soll ich wieder helfen! – Apropos! Sind meine Hosen noch nicht fertig? und mein Gilet noch nicht ausgebessert?

Bock Heut früh hab ich's der Frau Bürgermeisterin eingeliefert Vom Hosenzeug ist noch eine halbe Viertel Ellen übrig geblieben, da hab ich gleich dem Gilet damit das Rückblatt neu eingesetzt.

Salzmaier Gut, gut – und die Rechnung?

Bock Bitt unterthänigst, das hat gute Weg. Der Herr Bürgermeister haben ohnedieß so viele Gefälligkeiten für mich. Da woll'n wir nicht weiter davon reden.

Salzmaier Brav, brav! Ich bleib einstweilen ihr Schuldner bis Mehr zusammenkommt. – Ja – dem Herrn Casperl will ich aber gleich zu Leib steigen. Der Wirthschaft muß ein End gemacht werden. Ich werd ihn gleich citiren lassen. (Klingelt.)

Spritzler (tritt ein) Was befehlen der Herr Bürgermeister?

Salzmaier Spritzler! gleich zum Herrn Casperl schicken. Er soll in einer Stunde zu mir aufs Amt kommen.

Spritzler Soll gleich geschehen. (Bei Seite) Auweh! Jetzt woll'ns mein' guten Freund dazwischen nehmen! (ab.)

Salzmaier So, Herr Bock; jetzt geh'ns nur wieder nach Haus. Die Gschicht soll bald bereinigt sein. Guten Morgen! Eine schöne Empfehlung an die Frau Schneidermeisterin. Guten Morgen! (ab.)

Bock (allein) Dießmal laß ich nimmer aus. Das wird mir zu arg mit der Bagage. Eingesperrt muß er mir werden und da hilft Alles nichts; nachher Hab ich doch auf einige Zeit wieder an Ruh! (ab.)

Spritzler. Bestellt ist er; aber zugleich aviso gegeben, was 's bedeut. Im Gegentheil – ja im Gegentheil! Ueber mein' Freund Casperl laß ich nichts kommen. Der fidele Kerl! die treue Seel! da müß'n wir Etwas ausstudieren miteinander, daß die bürgermeisterliche Amtstätigkeit einen Ableiter bekommt und der Arm der Strafgewalt an der Execution gehindert wird. Also sei gscheid, Spritzler! Nimm dein' ganzen Kopf zusammen.

Jetzt gschwind zum Casperl in den grünen Ochsen, da werd' ich 'n gwiß finden. Dort soll der Plan ausgedacht und abgemacht werden, bevor er zum Bürgermeister in's Verhör kommt (ab)

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