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Lustige Gymnasialgeschichten

Theodor Berthold: Lustige Gymnasialgeschichten - Kapitel 11
Quellenangabe
typenarrative
authorTh. Berthold
titleLustige Gymnasialgeschichten
publisherUnion Deutsche Verlagsgesellschaft
addressStuttgart / Berlin / Leipzig
printrun37. Auflage
year
isbn
firstpub
illustrator
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20100315
projectid669bc033
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Schweflers Namenstag

Als der Unterprimaner Jodokus Schwefler mit dem Zeugnis Numero I. in die Oberprima aufstieg, erhielt er von seinem Papa die Erlaubnis, rauchen zu dürfen. In dieser Erlaubnis liegt nicht viel Verwunderliches, wenn man weiß, daß der neugeschaffene Oberprimaner bereits dreiundzwanzig Lebensjahre zählte. Jodokus hatte nämlich die Quarta und Untertertia so gründlich durchgemacht, daß er zwei Jahre in jeder Klasse verblieben war – »als ein leuchtendes Vorbild des Fleißes und guten Betragens für die übrigen Schüler,« wie er seinen Vettern vom Lande, den harmlosen Bauernjungen, weisgemacht hatte. In Wahrheit war Jodokus damals sehr schwach im Griechischen und in der Mathematik gewesen; aber plötzlich, als er in die Obertertia aufgestiegen war, hatte entweder sein Fleiß einen solchen Anlauf genommen, oder war sein Kopf mit einemmal so helle geworden, daß er von jetzt an tatsächlich zu den besseren Schülern gehörte und endlich sogar ein Zeugnis mit Numero I. in Erbpacht genommen zu haben schien.

Also der dreiundzwanzigjährige Oberprimaner Jodokus Schwefler durfte rauchen, selbstverständlich nur zwischen den vier Pfählen des Hauses. Merkwürdigerweise griff der neue Jünger des Herbae Nicotianae nicht zu einer mit dicken, bunten Quasten verzierten langen Tabakspfeife, wie es eigentlich einem echten Studenten geziemte, sondern zu einer leichten Zigarre, diesem Wahrzeichen der jugendlichen Jünger Merkurs. Weshalb aber wurde Jodokus den Sitten und Bräuchen seiner Vorfahren untreu? Einfach aus dem Grunde, weil er keine Pfeife vertragen konnte! Er hatte sich wiederholt in der Heimlichkeit seines Studierstübchens an diesem Instrument versucht, aber jedesmal ein Gesicht davongetragen, das noch elender und bleicher ausschaute als dasjenige, mit dem er zweimal seinem lieben Papa ein Zeugnis mit Numero IV. und Sitzenbleiben ins Haus getragen hatte. »Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an!« hätte Jodokus Schwefler mit Goethes Faust deklamieren können, als er mit Schweißperlen auf der hohen Denkerstirne und mit grünen Lichtern vor den sinnenden Augen seinen Pfeifenkopf zerschlug und das Rohr in den Winkel warf. Da Schwefler nun aber einmal dem irrigen Gedanken huldigte, daß Rauchen ein Zeichen männlicher Würde sei, so hatte er sich nach Abdikation der Pfeife an Zigarren gewagt, natürlich sehr leichte, und in dieser Form und Gestalt war ihm die Herba Nicotiana besser bekommen. Ja, er glaubte sogar einen Genuß in dem Rauche des aromatischen Krautes zu finden und sprach zu seinen Mitschülern von dem »träumerischen Behagen, das darin liege, wenn man im Sessel zurückgelehnt den blauen Ringeln einer echten Havanna nachblicke«. – »Echte Havanna?« pflegte dann wohl der kleine dicke Peter Lehmkuhl, mit Spitznamen Diogenes, zu spötteln; »sollte es nicht eine von den bekannten Feld-, Wald- und Wiesenzigarren sein, Runkelrübendeckblatt und Kartoffelstroheinlage, denen der Volksmund den Namen Luderos Canalljos gegeben hat?« Worauf hinwieder Jodokus Schwefler nur einen stummen Blick voll Hoheit und Würde hatte.

Wenn man mit väterlicher Bewilligung im Hause täglich eine leichte Zigarre rauchen darf, wie Jodokus Schwefler, so stellt sich selbstverständlich auch sofort der Wunsch nach einem Zigarrenetui ein. Du lieber Himmel, man muß doch einen Behälter haben, worin man das tägliche Quantum an Zigarren verwahren kann! Und dann – und dann sieht es »so männlich« aus, wenn man in der Brusttasche – links, oben auf der Joppe – ein Zigarrenetui trägt, das mit seinem blanken Stahl- oder Nickelbügel ein klein wenig herausguckt! Selbstverständlich nur ein klein wenig, denn zwei Finger breit wäre höchst unfein. Und sollte die Brusttasche – links, oben auf der Joppe – so tief sein, daß das ganze Zigarrenetui darin verschluckt wird, wie in eine Scylla und Charybdis, nun, du lieber Himmel, so steckt man zunächst etwas zerknülltes Zeitungspapier in die Tasche und dann das Zigarrenetui obendrauf – jetzt wird es wohl herausgucken. O, es sieht so fein und männlich aus, daß jeder, der den Träger des Etuis nur flüchtig anblickt, bei sich denken muß, ja muß: »Das ist ein echter Kerl!« . . . So oder ähnlich spintisierte unser Jodokus Schwefler: ein Zigarrenetui, das war sein nächster und feurigster Wunsch. Hoc erat in votis! konnte er mit seinem Lieblingsdichter Horatius rufen.

Nun hätte sich Schwefler wohl von dem Inhalt seiner Spardose sofort ein Zigarrenetui kaufen können. Aber das wollte er nicht. Denn angenommen, er hätte sich eins gekauft, so hätte er es auch in der oben beschriebenen Weise in seiner äußeren Brusttasche getragen (natürlich nur außerhalb der Schulzeit); dann aber hätten es sofort die Eltern gesehen, und entweder der Papa, oder die Mama, oder alle beide hätten etwas ironisch gelächelt und die Bemerkung fallen lassen: »Du könntest dein Taschengeld auch wohl zu etwas Besserem anwenden, als zu solcher Eitelkeit!« Dadurch wäre aber unserm feinfühligen Schwefler das Etui verleidet gewesen. Nein, kaufen wollte er sich keins – aber sich schenken lassen wollte er eins, dann fiel jedweder Tadel oder Spott seitens der Eltern von selber weg – das war unsres Jodoki großer Gedanke, an dessen Ausführung er sofort herantrat.

»Nächsten Montag, liebe Mama,« sagte er zärtlich zu seiner Mutter, »ist mein Namenstag, wie du dich gütig erinnern wirst. Wenn du mir etwas schenken willst, so möchte ich dich um ein Zigarrenetui bitten; ich habe es dringend nötig, denn die Zigarren, die mir der Papa gibt, zerbrechen mir immer in der Tasche; man hat nichts wie Schaden davon, und ein nettes Zigarrenetui wäre wirklich in diesem Falle eine Ersparnis. Also bitte, Mama, denke daran!«

»Nun, wir wollen mal sehen,« erwiderte die Mama und ließ die Nähmaschine, an der sie gerade beschäftigt war, weiter schnurren.

Jodokus aber ließ es bei diesem ersten Schritte nicht bewenden. Als tiefer Denker sagte er sich: »Die Frauen haben eigentlich kein rechtes Verständnis für Zigarrenetuis; es könnte sein, daß Mama ein unpraktisches Ding kaufte – nicht allein ein unpraktisches, sondern auch ein geschmackloses. Aber praktisch und nobel muß es sein, wenn es mir gefallen soll. Nun sei schlau, Jodokus! Du gehst in den Laden von Otto Rehbein und Compagnie, wo Mama ihre Leder- und Luxuswaren zu kaufen pflegt, wie überhaupt jedermann in der Stadt; du läßt dir die Zigarrenetuis zeigen, suchst dir eins aus, das dir am besten gefällt, und bittest den Ladenjüngling, dasselbe Mama in die Hände zu spielen. Bei einiger Ueberredungsgabe wird der Ladenjüngling Mama schon bewegen, das fragliche Etui zu erstehen. Und dann bist du an dem Namenstag schön heraus, Jodokus! Seid einfältig wie die Schlangen und klug wie die Tauben, nein, ich meine umgekehrt: Klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben. Ha! ha! ha!«

Gedacht, getan, Jodokus Schwefler, der tiefe Denker, begab sich in den Laden von Otto Rehbein und Compagnie und ließ sich von dem à la Engländer gekleideten Ladenjüngling die Zigarrenetuis vorlegen. Es waren mehrere recht gefällige darunter, aber eines war durch seine Gediegenheit und noble Einfachheit doch die Krone von allen. Dunkelrotes Juchtenleder, Goldbronzebügel, maigrünes Seidenfutter; der Kugelverschluß vortrefflich. »Was würde dieses Etui kosten?« fragte Jodokus. – »Da haben Sie eine geschmackvolle, aber teure Wahl getroffen,« entgegnete der Diener Merkurs; »der Prinz von Sassenberg-Hohenlaufen hat vor einer Stunde dasselbe Etui gewählt, um es seinem Vetter, dem Fürsten Donner-Doria zu Donnerskeil zu schenken – es kostet zwölf Mark.« – »Zwölf Mark!« wiederholte wie ein Echo Jodokus Schwefler, halb staunend, halb verzagend. – »Sie können auch billigere haben,« fuhr der Diener Merkurs geschäftig fort; »sehen Sie dieses hier, schwarz Schafleder mit Stahlbügel, feuerrotes Nesselfutter – kommt nur auf drei Mark zu stehen, und da es einige Kritzel auf dem Schafleder hat, so kann ich es Ihnen für zwei Mark fünfzig lassen.« – »Ich mag kein Schafleder, am wenigsten schwarzes, es sieht wie ein schlechtgewichster Stiefel aus,« wehrte Jodokus gereizt ab, wobei er fortwährend das rote Juchtenlederetui in der Hand herumdrehte. »Es ist wunderschön,« sagte er zu sich im stillen, »ganz nach meinem Geschmack; aber Mama wird nie und nimmer zwölf Mark für ein Zigarrenetui anlegen.« Er knippte das Etui zu – und o, es knippte so wundernett, so präzis und – fast melodisch! Plötzlich kam ihm ein rettender Gedanke – wofür wär' er sonst auch der tiefe Denker gewesen?

»Ich will Ihnen was sagen,« sprach der Held der Wissenschaft zu dem Jünger Merkurs, »heute oder morgen wird eine Dame mit einer violetten Feder auf dem Hut und einer goldenen Lorgnette vor den Augen hierher kommen und sich die Zigarrenetuis vorlegen lassen –« – »Die gnädige Frau Schwefler?« warf der Ladenjüngling ein, »habe die Ehre, dieselbe zu kennen.« – »Jawohl, meine Mutter,« fuhr Jodokus fort. »Suchen Sie dieselbe zu bereden, daß sie dieses Etui von rotem Juchtenleder nimmt; Sie werden die nötigen Worte und Gründe schon zu finden wissen. (Hier lächelte der Ladenjüngling selbstgefällig und verneigte sich.) Da die betreffende Dame jedoch sich voraussichtlich an dem hohen Preis des Etuis stoßen wird, so zahle ich Ihnen hiermit sofort neun Mark in bar – nun nennen Sie der Dame als Preis des Etuis drei Mark; ich bin überzeugt, daß sie um diesen Preis das Etui ersteht.«

»Ja, aber,« stammelte der Jünger Merkurs, »wenn die Dame etwas von echtem Juchtenleder versteht und den billigen Preis befremdend findet?«

»O, so sagen Sie, das Juchtenleder sei imitiert!«

»Und der Goldbronzebügel?«

»Nachgemacht, mein Lieber, alles nachgemacht!«

»Wie Sie wünschen, mein Herr!« erwiderte dienstwillig der Ladenjüngling und strich mit einem »Merci!« die neun Mark ein, welche der junge Herr Schwefler aus seiner von Silberperlen glitzernden Börse auf die Ladenbank zählte. »Sie können sich darauf verlassen,« versicherte der junge Vertreter von Otto Rehbein und Compagnie, »daß die Dame dieses Etui und kein anderes ersteht; ich werde seine Vorzüge in ein so fulminantes Licht zu setzen wissen, daß – daß –« hier mußte dem angehenden Cicero wohl der Nachsatz ausgehen, denn er hüllte sich in Schweigen und gab nur einige Schmatz- und Gurgellaute zum besten.

»Ich verlasse mich auf Sie, das Ganze ist ja nur eine kleine Kriegslist,« bemerkte der Oberprimaner ganz großartig und schritt aus dem Laden, wie ein tragischer Schauspieler von der Bühne. –

Viel zu langsam für seine Ungeduld flossen unserm Jodokus die Tage dahin, die ihn noch von der Feier seines Namenstages trennten. In jeder freien Stunde und manchmal auch in einer unfreien (z. B. während der Horazstunde) dachte er an das entzückend schöne Zigarrenetui, rot Juchtenleder u. s. w. Ach, wenn er es doch erst in Händen hielte! Seine linke Brusttasche, äußerlich, war schon zur Aufnahme des noblen Gastes bereit. Da sollte es ruhen, das Prachtetui, in der Nähe seines pochenden Herzens. Ein schöneres Etui hatte niemand in der Stadt – nur der Prinz von Sassenberg-Hohenlaufen hatte ein gleiches, doch halt, nein, nur der Fürst von Donner-Doria zu Donnerskeil, dem der Prinz das Etui geschenkt hatte. Es war doch ein erhebendes Gefühl, ein Etui zu besitzen, wie ein Fürst! Der alte Horaz hat gut sagen: Aequam memento – zuweilen können einen die kleinen Geschichten des Lebens doch aus der Ruhe bringen!

So dachte und spintisierte Jodokus Schwefler, bis endlich, endlich die rosenfingerige Eos den Tag des heiligen Jodokus und damit den Namenstag des unheiligen Jodokus Schwefler heraufführte.

Morgens beim Kaffee nahm Jodokus die herzlichen Glückwünsche seiner Eltern und Geschwister entgegen. Der Kaffeetisch war mit Mamas bester Damastserviette überbreitet und üppig mit Kaffeekuchen besetzt. Neben Mamas Tasse lag, in weißes Seidenpapier geschlagen, mit einem rosa Bändchen umwunden, ein Paket. Des Festkindes Augen verschlangen dasselbe förmlich, aber Mama Schwefler hütete dasselbe noch, fast hätte ich gesagt: wie Fafnir seinen Schatz. Ein jäher Schrecken durchzuckte plötzlich das pochende Herz unsres Jodokus: war das Paket nicht viel zu groß für ein Zigarrenetui? Doch halt, nein, das Etui konnte ja in einer Kartonschachtel liegen! Aber war diese Schachtel nicht zu hoch? Verwünschte Zweifel und Bedenken! . . . »Komm, mein Junge, daß ich dir erst mal eine Tasse Kaffee einschenke!« Jodokus hielt die Tasse hin – während seine Augen an dem Pakete hafteten. »Und nun nimm dir Kuchen!« fuhr die Mama sorgsam fort. Jodokus erfüllte mechanisch diese Aufforderung. »Hier mein Junge, hast du mein Geschenk, ein Kistchen leichter Zigarren,« rief der Papa, indem er nach dem Buffett griff; »es ist eine gute Sorte, Tubarosa, leicht, sechs Mark vierzig!« – »Ich danke dir von Herzen, lieber Papa!« erwiderte Jodokus, indem er das Kistchen an sich nahm. Bei sich aber dachte er: »Wenn der Papa Zigarren gibt, so wird Mama sicherlich das zugehörige Etui schenken.« Und noch einmal warf er einen prüfenden Blick nach dem geheimnisvollen Paket hinüber.

»Ich dachte,« nahm Mama Schwefler das Wort, »du solltest erst trinken und essen, bevor ich dir mein Geschenk überreichte; da nun aber Papa nicht länger hat warten können, so will auch ich mein Geheimnis preisgeben. Hast du nicht bemerkt, Jodokus, daß ich in der letzten Zeit was stickte?«

»Was stickte?« wiederholte Jodokus mit starren Augen. »Ja, so ein Läppchen mit Rosen und Vergißmeinnicht.«

»Ganz recht, aber du hast gewiß nicht geahnt, daß es für dich bestimmt war?«

»Nein!« stieß Jodokus hervor, trotzdem die trockene Zunge nicht gehorchen wollte und ein Schlucken seine Kehle schnürte.

»Sieh her,« fuhr die ahnungslose Mama fort, indem sie das rosa Bündchen löste, das Seidenpapier zurückschlug und den Deckel einer weißen Kartonschachtel abhob, »sieh her, mein Junge – eine Kleiderbürste, prima Ware, mit meiner Stickerei auf dem Ebenholzrücken, Rosen und Vergißmeinnicht!«

»Kleiderbürste?« gurgelte das Namenstagskind.

»Nun ja, ich habe in der letzten Zeit bemerkt, daß du so schlecht gebürstet bist, man sieht auf dem blauen Cheviotanzug jedes Flauschen – und da dachte ich, das käme von deiner abgenutzten alten Bürste, die wirklich nur ein Brett mit Stoppeln ist – und da –«

»Aber Mama, das Zigarrenetui?« stöhnte Jodokus.

»Hatte ich auch gekauft, mein Junge,« erwiderte eifrig die Mama, »aber der junge Mensch bei Otto Rehbein und Compagnie hatte mir ein ganz simples Ding für drei Mark aufgeschwätzt – er versteht es wirklich, ganz schrecklich zu schwätzen –, diese Bürste mit Stickerei kostet aber sechs Mark fünfzig.«

»Hatte das Etui rotes Juchtenleder?« stieß Jodokus hervor.

»Jawohl, aber unecht, nachgemacht!« antwortete die Mama triumphierend.

»Und einen Goldbronzebügel?«

»Auch das, mein Junge, aber gleichfalls imitiert – alles unecht!«

»O, Mama! Wo ist es? Wo hast du es, Mama?« fragte Jodokus stürmisch, mit einem letzten Schimmer von Hoffnung.

»Mein Gott, wie sonderbar du bist!« erwiderte die Mama, »Ich sagte dir ja, daß der junge Mensch bei Otto Rehbein und Compagnie mir das Ding für drei Mark aufgeschwatzt hatte; da aber alles daran, wie er selbst versicherte, imitiert war, so habe ich es sofort an Onkel Jodokus in Pasewalk geschickt, der, wie du dich gütigst erinnern wirst, dich über die Taufe gehalten hat – nein, dessen kannst du dich nicht erinnern – aber das wirst du wissen, daß Onkel Jodokus in Pasewalk heute auch seinen Namenstag feiert.«

»An Onkel Jodokus – in Pasewalk!« wiederholte der Oberprimaner mechanisch und ließ sein Haupt auf die Brust sinken.

Frau Schwefler konnte »mit dem besten Willen« nicht begreifen, weshalb sich ihr Jodokus an diesem Tage nicht über die Kleiderbürste freute, und der Köchin Lisette war es ein Rätsel, weshalb der junge Herr, der an ihr im Hausgang vorbeischritt, vor sich hinmurmelte: »Meine schönen neun Mark!«

Wir aber, d. h. die Leser dieser Geschichte, wissen es und wollen es für uns behalten.

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