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Lustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil - Kapitel 3
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Das Wilflinger Urteil.

Am Heuberg, eine Meile von Rottweil entfernt, liegt das Dorf Wilflingen. Dort bestellten einst die Bauern einen Mann aus Rottweil, hieß Peter von Neufern, zu ihrem Schmalhirten, und er hatte als solcher die Kälber, Geißen, Schafe und das andere Kleinvieh zu hüten. Es wurde ihm auch genau gesagt, wohin er mit dem Vieh zu fahren habe. Ganz besonders streng wurde ihm verboten, einen unfern vom Ort gelegenen Berg und Wald zu betreten, dieweil es darinnen viel Wölfe hatte. Aber eben weil's Petern verboten war, gelüstete es ihn, die Herde dorthin zu treiben, und so geschah es denn eines Tages, daß die Wölfe herausbrachen und sechs Stück von den Schafen zerrissen und auffraßen. Peter gab sich zwar alle Mühe, die Wölfe zu verjagen; er schrie und schalt sie und warf nach ihnen mit Steinen. Aber alles war vergeblich. Der Bauer, dem die Schafe gehörten, war damit übel zufrieden. Er verklagte den unfolgsamen Hirten beim Dorfgericht und verlangte für die zerrissenen Schafe Schadenersatz. Peter wurde vorgefordert und von den Richtern ermahnt, sich einen Fürsprecher aus ihrer Mitte zu wählen. Peter sagte, er brauche keinen Fürsprecher, sondern könne selber genug reden. Darauf stellte er den Richtern vor, wie unbillig es wäre, wenn er die Schafe bezahlen müßte; hatte er doch gar keinen Nutzen von ihnen gehabt, sondern nichts als Angst und Sorge. »Nicht ich,« sagte er, »sondern der soll von Gott und Rechts wegen die Schafe bezahlen, der sie gefressen hat.« Die Richter konnten und wollten gegen diese klare Beweisführung nichts einwenden. Sie kamen einmütig zu dem Beschluß, daß Peter von der Klage freizusprechen sei, und daß die Schafe von denen bezahlt werden sollten, die sie gefressen hätten. Der Bauer wollte sich mit diesem Urteil nicht zufrieden geben und Berufung einlegen. Seine Freunde und Verwandten hielten ihn aber davon ab und stellten ihm vor, wie es ihm nur neue Unkosten machen und er ja doch nichts für die Schafe bekommen werde. Also blieb's bei dem gefällten Urteil. Doch entstand den Wilflingern daraus viel Spott, da niemand von ihnen wußte, welche und wieviel Wölfe die Schafe gefressen hatten und nun den Schaden bezahlen sollten.

(Nach der Zimmerschen Chronik von N.)

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