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Lustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil - Kapitel 28
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Er kann nicht französisch.

In den napoleonischen Kriegen einmal Franzosen in ein fränkisches Dorf kamen, da wurde den Bauern dieses Dorfes viel Eigentum weggenommen und fortgeführt. Und ein französischer Rittmeister kam eines Tages mit seinen Soldaten vor den Hof des Schulzenbauern und zeigte einen Schein vor, der auf drei Scheffel Haber lautete, die aber vom Schulbauern zu erheben waren. Der Schulzenbauer wies nun den Franzosen hinüber zu seinem Nachbarn, dem Schulbauern, er solle dort den Haber fassen, wie es auf dem Schein geschrieben stehe. Der Franzose aber wollte dies nicht gelten lassen und schalt und zankte fürchterlich. Da wandte sich der Schulzenbauer in seiner Bedrängnis an seinen Nachbarn, den Schulbauern, welcher auch gleich, als er den Schein gesehen hatte, zugab, daß er und nicht der Schulzenbauer die drei Scheffel Haber liefern müsse. Unterdessen aber trugen schon die Soldaten des Franzosen die drei Habersäcke aus dem Haus des Schulzenbauern heraus und luden sie auf ihre Gäule. Da bat der Schulzenbauer seinen Nachbarn, den Schulbauern, inständig und sprach: »Nachbar, wehr's ihm doch, er nimmt ja meinen Haber mit und nicht den deinen.« Dieser aber sagte gelassen: »Weißt Nachbar, sag's nur du ihm, ich kann nicht französisch,« lachte in sich hinein wie ein Spitzbube und sah die Franzosen schmunzelnd mit des Schulzenbauern Haber davongaloppieren. – Die beiden Braunen des Schulbauern wurden von dem Haber, den ihr Herr auf so schlaue Weise erspart hatte, rund und glatt. Im ganzen Dorfe waren keine so schöne Tiere zu sehen, und der Schulbauer hatte auf sie einen großen Stolz. Sie gefielen aber auch einem französischen Oberst, der eines Tages an der Spitze des französischen Fuhrwesens durch das Dorf kam. Ohne lange zu fragen, ob's erlaubt sei oder nicht, ließ er die schmucken Rößlein aus dem Stalle nehmen und dafür zwei alte abgeschundene Klepper hinstellen. Alles Bitten und Lamentieren des Schulbauern war umsonst; der Oberst tat, als ob er kein Deutsch und keine Tränen verstände. Als die Franzosen fort waren, kam der Schulbauer zu seinem Nachbarn, dem Schulzenbauern, herüber und klagte ihm sein Leid. »Nu hast recht,« sagte dieser, »'s ist schad um deine Gäul' wie um meinen Haber; aber so geht's halt, wenn man nicht französisch kann.«

(C. Schnerring-Kirchheim/T.)

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