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Lustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil - Kapitel 26
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Zweiter Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Nichts geht über Frauenlist.

Die kluge Rebekka lebte mit ihrem guten Gottfried, dem Zunftvorsteher der Strumpfweber in Hall, von der Zeit an, als sie unversehens ein reiches Erbe eingetan hatten, in sorglosen Umständen. Doch mußte sie hie und da, wenn seine Gutmütigkeit zu weit ging, mit einiger Härte ihm entgegentreten, um ihren Wohlstand im Gleichgewicht zu erhalten. Denn der Gottfried hatte ein sehr schwaches Gedächtnis und war auch zu trag, seinem Kopf mit Aufschreiben zu Hilfe zu kommen. Er hatte nämlich viele Freunde, die ihn manchmal auf kurze Zeit um kleine oder große Anlehen ersuchten. So gab er einmal 50 Gulden einem Bekannten »nur über Mittag«. Dieser vergaß das Heimzahlen und der Gottfried den Schuldner, doch nicht das Anlehen selbst. Diese Unwissenheit machte ihn sehr besorgt, so daß er endlich seine Rebekka zu Rate zog. Und wirklich war sie auch bei der Hand; sie riet ihm: Geh alle Morgen früh durch die Stadt, und wenn dir ein Freund oder Bekannter einen guten Morgen wünscht, so gib du nur zur Antwort: Schön Dank! aber bar Geld wäre mir lieber. – So eingeschult, macht sich Gottfried gleich den andern Morgen auf den Weg, und da kriegt er einen guten Morgen um den andern, und er erwidert ebenso pflichtig: Schön Dank, aber bar Geld wäre mir lieber! Die Grüßenden dachten: Der Gottfried wird witzig, er fangt schon früh an, er wird habsüchtig, so oder so; aber keiner merkte, woher ihm der Witz kam und wohin er zielte, – bis endlich der, welcher die 50 Gulden »über Mittag« von ihm entlehnt hatte, sich durch das »alberne Geschwätz« des Gottfrieds sehr beleidigt fühlte und auf ihn losstürmte, weil er Gottfrieds Äußerung für eine plumpe Mahnung hielt. Er sagte pochend zu seinem Gläubiger: Es braucht die Anzüglichkeit nicht, Meister Gottfried; auf der Stelle werde ich die 50 Gulden zurückschicken; wer mir so grob auf der Straße fordert, dem möchte ich keinen Tag etwas schuldig sein. Gottfried erwiderte ebenso gelassen als zweideutig: So war's nicht gemeint; es galt ja nur über Mittag. Und so gehen sie auseinander, und während er seiner Rebekka Bericht erstattet, langen die 50 Gulden richtig an, jedoch ohne Zins, weil sie ja nur über Mittag hätten ausbleiben sollen. – Von dort an aber erhielt Gottfried eine andere Lehre von der Rebekka, die für alle Fälle passend war. So oft man ihn wieder um Geldhilfe ansprach, war seine Antwort: Tut mir entsetzlich leid, soeben habe ich mit meinem ganzen Vorrat einem Freunde ausgeholfen; vor einer halben Stunde noch wäre Ihnen mehr zu Diensten gestanden. Und auf diese Weise blieb Gottfrieds Gedächtnis stark genug, ohne aufzuschreiben.

(Nach Nefflens Schwäbischem Feierabend, von A. Holder.)

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