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Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil - Kapitel 72
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Das Hornberger Schießen.

Das Städtchen Hornberg im Gutachtal auf dem badischen Schwarzwald, das 1417 zum erstenmal als hälftiger württembergischer Besitz genannt wird und 1810 bleibend an das Großherzogtum Baden überging, ist durch eine Redensart landbekannt geworden, welche jedermann ohne Erläuterung versteht, obwohl nur wenige wissen, wie sie aufkam; ich meine den Spruch: Wie ging das Hornberger Schießen aus?

Ein württembergischer Herzog machte einmal einen Besuch in dem entlegenen Amtsstädtchen: Es war wahrscheinlich Eberhard Ludwig. Kaum hatten die Hornberger Bürger Kenntnis von der gnädigen Absicht des Herzogs bekommen, so rüsteten sie sich zu einem würdigen Empfang. Aber zwischen Ankündigung und Ausführung lag nur ein Zeitraum von 3 Tagen, und so konnte nicht gar viel geschehen. Die Ankunft des Herzogs sollte aber durch Böllerschüsse der ganzen Umwohnerschaft verkündigt werden. Die vorhandenen Geschütze wurden hervorgeholt und auf den Glanz hergerichtet. Das Probeschießen am Vorabend des Besuchs fiel auch über Erwarten gut aus, und alles freute sich auf das große Ereignis des morgigen Tages.

Am andern Morgen, als alles bereit war, fand man auch Zeit, nach dem Pulvervorrat zu schauen; aber o weh! alles war verprobt und nirgends mehr etwas zu finden. Da war guter Rat teuer. Woher sollte man in den wenigen Stunden, die noch übrig waren, die nötige Menge bekommen? Die Krämer durften so gut wie keines auf Lager halten, und die öffentlichen Niederlagen von Schießbedarf lagen sämtlich zu weit ab von der Feststadt. Doch der Bürgermeister wußte sich zu helfen. Er bestellte die »Herren« aufs Rathaus und befahl seinen Leuten, sich zur rechten Zeit beim Stadttor einzufinden, wo sie bei der Annäherung des Herzogs auf einen Schlag mit kräftigster Stimme »bumm!« schreien sollten   dann meine der Herzog, es sei geschossen worden. Gesagt, getan. Die Hornberger schrieen aus Leibeskräften; aber der Herzog war ja in solchen Sachen kundig genug, um den Unterschied zwischen dem Donner eines Geschützes und dem Brüllen einer Schar Schwarzwälder Bauern herauszumerken, und nahm den Spaß höchst ungnädig auf. Er befahl jeden Schreier einen Tag, den Bürgermeister aber drei Tage ins Loch zu stecken.

So endete das Hornberger Schießen, und ähnlich kann es auch andern ergehen, welche mit unzulänglichen Mitteln ein großes Fest einleiten und doch den Schein wahren wollen, als ob es ihnen an nichts fehle.

(Nach einer alten Überlieferung von A. H.)

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