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Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil - Kapitel 42
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Die Jagstheimer Eierleger

Wenn einer sich rührt, um vorwärts zu kommen, und vollends wenn der Erfolg ihm freundlich lächelt   flugs sind auch schon die Neider da, die wohl eines ihrer Augen geben wollten, wenn nur der andere gar keines hätte. Das mußten vor alten Zeiten auch die biedern Jagstheimer erfahren. Tüchtig und richtig in Handel und Wandel, fleißig und sparsam, wie sie waren, kamen sie zu Wohlstand, und wer eine vermögliche Bauerngemeinde sehen wollte, der mußte nach Jagstheim fahren. Da konnte er dann beobachten, wie alles, Feld und Wald, Wiese und Garten, Scheune und Stall, des Bauern Beutel mußte füllen helfen. Besonders die Hühnerzucht blühte, und auf dem Markt zu Crailsheim wurden die Jagstheimer Eier mit besonderer Vorliebe gekauft, gleich als ob sie zwei Dotter hätten.

Da war nun einmal in Jagstheim eine Bauersfrau. Die hielt nur ein paar Hühner und brachte doch immer eine große Menge Eier auf den Markt der Stadt. Den lieben Nachbarn war das schon lange verdächtig vorgekommen, und natürlich ließen sie kein Mittel unversucht, hinter die Sache zu kommen. Sie wandten sich zu guter Letzt an den Knecht des Hauses und beredeten ihn, daß er der Frau aufpassen möge. Der Knecht war ein Neiding und verstund sich gern dazu. Nun hatte er schon längst beobachtet, daß die Bäuerin zweierlei Brot buk, ein halbweißes, das sie selber aß, und ein schwarzes für die Hausgenossen. Als nun die Frau einst auf den Crailsheimer Markt gegangen war, da suchte der Knecht in Küche und Kasten nach dem halbweißen Brot und fand es endlich. Er schnitt sich ein wacker Stück davon ab und aß und aß. Aber o weh! Auf einmal hub er an zu gackern wie ein Huhn. Eilends mußte er zum Hühnerstalle springen. Dort setzte er sich schnell aufs Nest und fing an, Eier zu legen, viele, viele. Während er so auf dem Eierkorb saß, rief ihm sein Herr. Weil aber das Eierlegen kein Ende nehmen wollte und der Knecht also nicht kommen konnte, so sah der Herr nach ihm. Und als er nun die merkwürdige Geschichte hörte, schüttelte er den Kopf und wollte sie nicht glauben. Er ging aber hin und aß auch von dem Zauberbrot, und siehe da: alsofort fing auch er an zu gackern und Eier zu legen, und legte eine große Menge. Diese merkwürdige Geschichte wurde nun ruchbar, und die lieben Nachbargemeinden sorgten getreulich für ihre Verbreitung. Und seit dieser Zeit nennt man die Jagdstheimer »die Eierleger«. Nur mag man sich hübsch hüten, sie ins Gesicht hinein so zu heißen; ein paar Eier, und wahrscheinlich faule, wären das wenigste, was sie als Gegengruß verehren würden, und das von Rechts wegen.

(Nach Meier von C. Schnerring-Crailsheim.)

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