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Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil - Kapitel 36
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Seltsame Jagdpacht

Ein böser Streich, den man einem andern spielt, ist ein böser Streich, und wenn er gleich eine lustige Jacke trägt, wie ein Hanswurst. Aber lachen muß man.   Solch ein lustiges Stücklein erzählt man von einem Franzosen, der, wie der Leser merken wird, ein rechter Spitzbube war. Der war bei einem schwäbischen Bauern im Quartier. Nachmittags, wie er hinter dem Ofen lag   die Fliegen ließen ihm nicht Ruh und Rast   dachte er aus Langeweile daran, wie er seinem Wirte einen Posen spielen und mit ihm auf gute Manier einen dicken Taler oder zwei aus der Tasche praktizieren könnte. Auf böse Einfälle kommt man leichter als auf gute, absonderlich bei dem Müßiggang. Nun sagte er zum Bauern: »Wirt, ick will dir abkauf die Fliegen in der Stube.« Der Bauer meinte, der Soldat wolle ihn foppen und sagte, er gebe sie ihm umsonst, er solle sie nur alle totschlagen, es geschehe ihm damit ein Gefallen. »Nein,« sagte der Soldat, »umsonst ick nit mag, aber ick will kaufen sie, wenn Sie will, um einen dicken Taler.« Der Bauer dachte sich: »Ist der Soldat ein Narr, so ist er's in mein' Sack,« und sagte, wenn er's so wolle, ihm sei es ganz recht. Der Soldat gab ihm den Taler, und der Bauer steckte ihn lachend ein. Er hatte aber bald Ursache, mehr zu weinen als zu lachen. Denn der Soldat holte jetzt seine Muskete hinter dem Ofen hervor, lud sie mit Schrot und schoß, mir nichts dir nichts, auf das Getäfel, wo die meisten Fliegen hockten, daß es krachte und die Fenster davon klirrten. »Ums Himmels willen, was macht Ihr?« rief der erschrockene Bauer. »Ick schieß tot die Fliegen, die ick hab Euch abgekauft«   sagte der Franzose ganz ernsthaft, als ob sich das so von selbst verstünde; und er lud wiederum und legte nochmals an. Da fiel der Bauer ihm in die Arme und auf die Kniee und bat ihn bei allen Heiligen, er sollte doch sein Haus verschonen und ihn nicht unglücklich machen. Der Soldat gab ihm zu verstehen: sollte er auf sein Recht Verzicht leisten, so müsse er Entschädigung haben und Gewinn obendrein; und er verlangte noch einmal so viel, als er dem Bauern gegeben hatte. Dem mochte es lieb sein oder nicht, er mußte sich den Handel gefallen lassen und bezahlen, was jener wollte. Und so merkte er denn zu spät, daß der Franzose kein Narr sei, oder wenn auch ein Narr, so doch in seinen Beutel.   Lustig ist der Streich, und man muß lachen. Aber der redliche Leser denkt sich dabei: ein Spitzbube war er doch, der Franzose, und ich denk's auch.

(Aurbacher, Volksbüchlein I.)

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