Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil - Kapitel 35
Quellenangabe
pfad/antholog/schwab1/schwab1.xml
typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120411
projectid98ea94b2
Schließen

Navigation:

Wui Buger!

Ein Schreiner aus Heubach sollte im Krieg von 1805 einem Zug Franzosen den Weg über das Albuch zeigen, wußte aber kein Wort von ihrer Sprache als oui (wui), welches soviel heißt als ja, und bougre (buger), welches ein Schimpfname ist und einen Schuft bedeutet. Diese zwei Worte hatte er oft gehört und lernte sie nachsagen, ohne ihren Sinn zu verstehen. Anfänglich ging alles gut, solange die Franzosen nur unter sich sprachen und ihn mit seiner Laterne und drei oder vier Tornistern, die sie ihm angehängt hatten, voraus oder nebenher gehen ließen. Da er aber der Spur nach allemal mitlachte, wenn sie etwas zu lachen hatten, so fragte ihn einer französisch, ob er auch verstünde, was sie miteinander redeten. Er hätte herzhaft nein sagen dürfen. Aber eben, weil er's nicht verstand, so kam es ihm nicht darauf an, was er antwortete. Er nahm daher all sein Französisch zusammen und antwortete: »Oui bougre!« Mit einem ellenlangen französischen Fluch riß der Soldat den Säbel aus der Scheide und ließ ihm denselben um den Kopf herum sausen. »Wie,« sagte er, »du willst einen französischen Soldaten schimpfen?«   »Oui bougre,« war die Antwort. Die andern hatten die höchste Zeit, dem erbosten Kameraden in die Arme zu fallen, daß er dem Wegweiser, ohne welchen sie in der finstern Nacht nicht weiterkommen konnten, nicht auf der Stelle den Kopf spaltete. Noch gaben sie ihm mit manchem Fluch und Flintenstoß rechts und links zu verstehen, wie es gemeint sei, und fragten ihn alsdann, ob er jetzt wolle manierlicher sein. »Oui bougre,« war die Antwort. Nun wurde er jämmerlich zerschlagen, und alle seine Bitten um Verzeihung und alle seine Bitten um Schonung legte er ihnen mit lauter »oui bougre« ans Herz. Endlich kamen sie auf die Vermutung, er sei verrückt; denn daß er französisch verstehe, hatte er ja bejaht. Sie nahmen daher auf einem Hof, wo noch ein Licht brannte, einen andern Führer, jagten diesen fort, und er erwiderte den Abschied des einen, daß er sich zum Henker packen sollte, richtig mit »oui bougre«.   Als er aber so bald wieder nach Hause kam und sich seine Frau darüber verwunderte, da erzählte er, wie die Soldaten unterwegs viel Spaß mit ihm gehabt hätten, so daß es ihm fast sei zu arg geworden, und wie sie hernach einen andern genommen und ihn wieder heimgeschickt hätten. »Die Franzosen,« setzte er treuherzig hinzu, »sind nicht so schlimm, als man meint, wenn man nur mit ihnen reden kann.«

(Nach Hebel, Vogt und mündlichem Bericht v. K. R.)

Schlußvignette
 << Kapitel 34  Kapitel 36 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.