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Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil - Kapitel 2
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120411
projectid98ea94b2
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Buchschmuck

Wie die Schwaben geneckt wurden.

I. Die neun Schwaben.

(Ältere Fassung der Historie von den sieben Schwaben.)

Neun Schwaben, so lieset man im Buch der alten ungeschehenen Dinge, wollten einst die Welt erfahren und unseres Herrgotts Rock zu Trier besuchen und Ablaß holen. Damit sie nun desto sicherer wandelten, sahen sie's für gut an, daß sie einen starken und langen Spieß machen ließen, daran sie alle neun, der Kühnste und am besten Geharnischte zuvorderst, gingen. Ihre Reise begab sich aber im Juli oder Heumonat. Als sie nun eines Tages einen sehr weiten Weg gezogen waren, dazu auch noch gar fern in ein Dorf hatten, wo sie die Nacht über bleiben wollten, und im Dunkeln über eine Wiese oder Matten gingen, flog der großen Roßkäfer oder Hurnusseln eine nit weit von ihnen hinter einer Stauden und brummelt feindlich. Darüber erschrak der vorderste so sehr, daß er den Spieß schier hätte fallen lassen. »Loset, loset!« sagte er zu seinen Gesellen; »Gott, ich hör' eine Trommel.« Die anderen sagten, es wär' ihnen auch also. Im Hui begann der Geharnischte zu fliehen, sprang über einen Zaun, daran von ungefähr noch ein Rechen lag   denn es hatten daselbst die Leute den Tag über Heu gemacht   und trat darauf, daß der Stiel ihn auf die Nase schlug. »O weih, o weih!« schrie er; »nimm mich gefangen, ich ergib mich!« Die andern hüpften alle, einer über den andern, hernach, und riefen: »Ergibst du dich, so ergeb ich mich auch!« Zuletzt wurden sie gewahr, daß sie betrogen waren; und damit sie deshalb nicht verspottet würden, verschwuren sie sich untereinander, solange stillzuschweigen, bis einer das Maul auftät'.

Der andern Gefahr, die ihnen zustieß, mag die erste nit verglichen werden. Denn nach etlichen Tagen trug sie ihr Weg durch das Brachfeld, und sie sahen da einen Hasen in der Sonne sitzen und mit den vorderen Läufen um den Kopf putzen. Erschrocken blieben sie stehen und beratschlagten, was wohl am wenigsten gefährlich wäre. Einer von ihnen (man sagt, es sei der hinterste gewesen), sprach ganz beherzt: »Ragenöhrle, gang anher, Ragenöhrle!«   »O Gott,« sagte der vorderste, »wenn du hier stündest, wo ich stehe, würdest du mit nichten sagen: »Ragenöhrle, gang anher!« Hub indem an sich zu segnen mit dem heiligen Kreuz, ruft Gott um Hilfe an, und zum letzten, als nichts helfen will, den Hasen zu vertreiben, schreit er aus großer Furcht: »Hau, hurle   hau, hau, hau!« Darüber erschrak der Has und lief davon. Der Kecke aber sprach: »Nun seh' ich wohl, daß ein Hurlehau besser ist denn tausend Gotthelf.«

Als sie fürder gingen und jetztund an die Mosel, ein moosicht', still' und tief' Wasser, kamen, darüber nit viel Brücken gemacht sind, sondern an mehreren Orten man sich muß in Schiffen überführen lassen, wußten sie nicht, wie sie hinüberkommen sollten. Sie riefen einem Manne zu, der jenseits des Wassers seine Arbeit vollbrachte, und fragten ihn, was sie tun sollten. Derselbige verstund aber von wegen der Weite, auch der Sprach' halber nit, was sie wollten, und fragte auf seine Trierische Sprach': »Wat, wat?« d. i. was, was? Sie meinten nun, er sage, sie sollten waten, und hub an der vorderste hinüberzugehen. Er vermochte es aber nit gar lang um des Schlammes und der Tiefe willen, fiel hinunter und ertrank. Als die andern seinen Hut schwimmen sahen, der vom Wind gegen das jenseitige Ufer getrieben ward, und ein Frosch dabei saß und quaket: »Wat, wat, wat!« (das aber lautet wie in Schwaben, wo sie das Maul bei diesem Worte weit aufsperren), hielten sie's dafür, ihr Geselle rufe ihnen zu waten und ihm nachzumachen, und sagten untereinander: »Kann er hinüberwaten, warum wir nit auch?« Und sind also alle neun ertrunken und durch Unkenntnis der Sprache und den leidigen Frosch jämmerlich umgebracht worden.

(Nach Wendunmut von H. W. Kirchhof 1563. K. R.)

Schlußvignette

II. Der Schwabe und die Frösche.

Ein Schwabe, welcher seines Handwerks ein Schneider war, hatte an einem Ort zehn Taler verdient. Damit wollte er weiter reisen. Als er nun unterwegs an einem Teich vorbeikam, setzte er sich auf einen Stein, um ein wenig auszuruhen. Aus Freude an seinem Geld langte er die Taler aus der Tasche, sie zu begucken und sie nochmals zu zählen. Weil es aber Sommer war, machten die Frösche ein großes Geschrei und Gequak in dem Teiche. Solches Gequak verstand der Schwabe unrecht. Er bildete sich ein, sie riefen wegen seines Geldes, und zwar »acht! acht! acht!« daß er nur acht Taler und keine zehn hätte. Er sah und hörte es eine Zeitlang an, zählte dann sein Geld nocheinmal und rief: »Es sind gleichwohl zehn, ihr möget sagen, was ihr wollet.« Die Frösche kehrten sich daran nicht, sondern riefen jemehr und mehr. Der Schwabe zählte aufs neue und schalt dann heftig. Wie aber das Rufen kein Ende nehmen wollte, faßte er seine zehn Taler zusammen und warf sie zu den Fröschen im Teich, sagte dabei: »Ich sehe wohl, ihr wollt mir nicht glauben; da habt ihr sie, zählt sie nun selber.« Hiemit setzte er sich nieder und wartete, bis sie gezählt waren. Aber die Zeit wurde ihm zu lang, weshalb er endlich rief, ob er sein Geld bald wieder haben könnte, bekam aber nichts als »quak, quak, quak« zur Antwort. Wie sie's aber gar zu lang machten, fing er an zu schelten, zog sich aus und ging in den Teich und verlangte seine zehn Taler wieder. Als er aber nichts bekam, wollte er sie mit Gewalt nehmen und ging immer tiefer ins Wasser hinein, bis es ihm zuletzt über dem Kopf zusammenschlug. Also mußte der gute Schwab' sein Leben nebst den zehn Talern im Teiche lassen.

(Nach Rottmann, Lustiger Historienschreiber 1725. K. R.)

Schlußvignette

III. Der Schwabe und der Schweizer.

Ein Schwabe traf auf der Wanderschaft mit einem Schweizer zusammen. Wie sie so miteinander fürbaß gingen, kamen sie auf den Gedanken, in dem Flusse nebenan ein Gericht Krebse zum Nachtessen zu fangen, Der Schwabe fing aber statt der Krebse lauter Frösche. Und so oft er einen erwischte, sagte er zu dem Schweizer, der Ulrich hieß: »Guck, Uli, i hab' wieder oin mit oim gelben Beinle!« Beim Weitergehen fand der Schwabe von ungefähr eine Kästen oder Kastanie. Die hub er auf und sprach mit Freuden: »Guck, Uli, guck, was ich für ein schönes und gutes Nüßle gefunden hab'; das ist in ein Lederlein genähet!« Der Schweizer besah die Kastanie von allen Seiten, denn auch er hatte eine solche Frucht noch nie gesehen, und sagte mit großem Verwundern: »Luget, luget, was das ist! Das ist bi Gott ein finer Schnider gsi und hat gar ein suberes Nähteli können machen, denn er meinte, der Ort oben am Stiel wäre die Naht, da das Lederlein zugenäht worden sei.

Ein' Bayer, der nie aß ein' Mus,
Schwaben, die nie liebten die Nuß: Vergl. S. 182: Sind keine Böblinger da?
Daß jemand deren je gesach,
Geb' ich mit Wahrheit nit bald nach.
Der Spötter zürn' drum oder lach.'

(Nach Kirchhof, Wendunmut 1563. K. R.)

Schlußvignette
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