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Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil - Kapitel 19
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Der Bauer und die Tübinger Studenten

Drei Tübinger Studenten machten miteinander aus, sie wollten einem Bauern im nächsten Dorf etliche Gänse stehlen. In der Nacht kamen sie vor das Bauernhaus und waren dort so laut, daß der Bauer aufwachte und alles hörte, was sie miteinander redeten. Doch getraute er sich nicht aufzustehen, sondern gedachte, sie am anderen Tag vor dem Tübinger Konsistorium zu verklagen. Als nun der eine der Studenten in den Gänsestall griff, um die Gänse zu nehmen, fragte ihn der andere auf lateinisch: Habes? d. h. Hast du sie? Er antwortete: Habeo, d. h. Ja, ich habe sie. Indessen mahnte sie der dritte zur Eile und sagte: Curre cito d. h. Lauf tapfer!   worauf sie sich schleunigst mit den Gänsen entfernten.   Der Bauer hatte die Worte gehört und sie wohl behalten. Als es Morgen wurde, stund er auf, ging in die Stadt auf das Konsistorium und zeigte an, daß ihm nächt drei Studenten etliche Gänse gestohlen hätten. Auch bat er die Herren Doktoren, sie möchten ihm behilflich sein, daß die Studenten ihm die Gänse bezahlten. »Ei, lieber Biedermann«, sagten die Herren, »zeig' uns die drei, die dir den Schaden getan haben, so wollen wir dir zu deinem Gelde verhelfen.«   »Liebe Herren,« antwortete der Bauer, »ich kenne sie nicht, weiß aber wohl, wie sie heißen. Der eine heißt Habes, der andre Habeo und der dritte Kurrezito.« Sprach einer der Herren darüber: Verba sunt, d. h. das sind keine Namen, sondern leere Worte. Antwortet ihm der Bauer: »Nein, nein, es ist nicht des Färbers Hund, sondern es sind drei Studenten, die ich eben genannt habe, und ich bitte euch, liebe Herren, ihr möchtet mir die bösen Buben verschaffen, damit sie mir die Gänse bezahlen.« Da nun die Herren auf dem Konsistorium sahen, was für einen Vogel sie vor sich hatten, gaben sie dem Bauern zur Antwort, er solle einstweilen heimgehen, indessen wollten sie fleißig nach den dreien fragen; wenn sie erkundet wären, wollten sie ihm verschaffen, daß ihm die Gänse bezahlt würden. Der Bauer gab sich mit dieser Antwort zufrieden und zog heimwärts. Ob aber die Doktoren nach den dreien sehr geforscht haben, also daß dem Bauern seine Gänse bezahlt wurden, findet sich nicht geschrieben.

(Nach Mich. Lindeners Rastbüchlein [1558] v. K. Rommel.)

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