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Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil

: Lustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil - Kapitel 13
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleLustige Geschichten aus Schwaben. Erster Teil
publisherVerlag von Holland & Josenhans
seriesWürttembergische Volksbücher
volume
printrun2. Auflage. 9. 12. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Ein Bauer aus der Tuttlinger Gegend kommt nach Frankfurt; er will seinen Bruder besuchen, der bei der württembergischen Gesandtschaft am Bundestag ein Dienstlein hat. In seiner Heimat aber war ein Schultheiß, der schrieb sich immer ein Denkzettelein, wenn er in die Oberamtsstadt gehen wollte, und da stand allerlei darauf, was er zu besorgen hatte in der Oberamtei, im Kaufladen usw.; aber jedesmal schrieb er oben auf das Papierle: z'airsta trinka. Und so macht's auch unser Schwabe in Frankfurt. Er geht zuerst in ein Wirtshaus und macht in der großen Stube gleich Bestellung auf Essen und Trinken. Daneben in der kleineren und schöneren Stube essen gerade vielerlei Herren zu Mittag: Alte und Junge, Doktoren und Kaufleute, Beamte und Steindrucker. Die sehen heraus und wundern sich, wie es dem Bauern schmeckt; sie treiben ihr Gespött mit ihm und sagen: Der muß ein Schwabe sein.

Beim Nachtisch kommt ein junger Herr heraus; der hat eine Brille auf der Nase und einen schwachen Anflug von einem Schnauzbart, und der stellt gleich allerlei Fragen an ihn: wo er herkomme, und was er hier tun wolle. Der Bauer sagt ihm alles ausführlich und fragt ihn auch, wo sein Bruder wohne   er heiße Gottfried und sei Leibkutscher ... Der junge Fürwitz weiß da keinen Bescheid; er will nur den guten Schwaben zum besten haben und fragt ihn: »Ei, is es wahr, daß die Bauern in Schwaben zehn Tache blind bleiben nach der Geburt? Mein Großvater sachte mir's; er war in Schwaben einmal gar lange im Quartier; is es wirklich wahr, daß sie so lange blind bleiben?« Der Bauer aber hat gleich gemerkt, daß hinter der Brille nicht viel Witz steckt, und daß der junge Herr ein grober Naseweis ist, und sagt ihm frei heraus: »Jo, Herr, 's ist wohr, mer ka's it leugna, zehn Tag und zehn Nächt bleiba bei au's d'Kinder blind; aber wenn-en amol d'Auga aufgauh't, no gucka sie so en Esel, wia do oaner voar mehr stoht, dur und dur.« Der Herr geht jetzt gern wieder und mit einem etwas langen Gesicht an seinen Tisch. Der Bauer aber fragt nach der Zeche, trinkt vollends aus, wickelt sein Restlein Braten in den Brief von seinem Gottfried, setzt den Hut auf und sagt: Adjes, ihr Herra, nix für u'guat!

(Nefflens »Vetter aus Schwaben«. A. H.)

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