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Lucrezia Borgia

Ferdinand Gregorovius: Lucrezia Borgia - Kapitel 27
Quellenangabe
typetractate
authorFerdinand Gregorovius
year1982
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-08959-3
titleLucrezia Borgia
created20040228
sendergerd.bouillon
firstpub1874
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II

Am 1.Februar setzte Lucrezia ihre Fahrt auf dem Kanal nach Ferrara fort. Bei Malalbergo fand sie Isabella Gonzaga, die ihr entgegengefahren war. Die Markgräfin war auf die dringende Einladung ihres Vaters gekommen, um in seinem Palast die Ehren des Festes zu machen, und nur widerwillig folgte sie diesem Ruf. Mit »heitrer Furie«, so schrieb sie ihrem daheimgebliebenen Gemahl, begrüßte sie jetzt und umarmte sie die anlangende Schwägerin. Hierauf begleitete sie dieselbe zu Schiff bis nach Torre della Fossa, wo jener Kanal in einen Arm des Po einmündet. Der Po fließt als ein majestätischer Strom vier Millien von Ferrara entfernt, und nur ein Nebenarm, Po di Ferrara, oder heute Canale di Cento genannt, erreicht die Stadt selbst, wo er sich in den Volano und den Primaro teilt, welche beide Arme in das adriatische Meer gehen. Sie sind nur schmale Kanäle; die Fahrt auf ihnen konnte zu keiner Zeit weder ein Vergnügen, noch ein imposantes Schauspiel sein.

Bei Torre della Fossa erwartete die Ankommende der Herzog mit Don Alfonso und seinem Hof. Als Lucrezia aus ihrem Schiffe stieg, küßte er sie, nachdem sie selbst ihm ehrfurchtsvoll die Hand geküßt hatte. Hierauf bestiegen alle einen prachtvoll geschmückten Bucintoro, wo sich die fremden Gesandten und viele Kavaliere der Braut vorstellten, deren Hand sie berührten. Unter Musik und Kanonendonner fuhr man zum Borgo S. Luca, wo man landete. Hier bezog Lucrezia den Palast Albertos von Este, eines natürlichen Bruders von Ercole. Sie wurde daselbst von Lucrezia Bentivoglio, einer natürlichen Tochter Ercoles, und von vielen Ehrendamen empfangen. Der Seneschall des Herzogs stellte ihr Madonna Teodora und zwölf Fräulein vor, welche ihre ferrarischen Hofdamen sein sollten. Fünf schöne Wagen je mit einem Viergespann wurden ihr als Geschenk ihres Schwiegervaters vorgeführt. Lucrezia blieb in jener Villa die Nacht. Dieses Landhaus ist untergegangen; die Vorstadt S. Luca dauert noch, aber das ganze Lokal hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert.

Die Residenz der Este war bereits mit Tausenden von Ankömmlingen erfüllt, welche die Einladung des Herzogs oder Neugierde herbeirief. Alle ritterlichen Vasallen des Staates waren erschienen, doch regierende Fürsten nicht. Die Herrscher von Urbino und von Mantua ließen sich durch ihre Frauen vertreten, das Haus der Bentivogli vertrat Annibale; Rom, Venedig, Florenz, Lucca, Siena und der König von Frankreich hatten Gesandte geschickt, welche in Palästen des Adels Aufnahme fanden. Cesar war durch seine Kavaliere vertreten, aber selbst in Rom geblieben. Dagegen sollte, auf den Wunsch Alexanders, dessen Gemahlin Charlotte d'Albret aus Frankreich zu den Hochzeitsfesten nach Ferrara kommen und daselbst einen Monat bleiben; indes sie erschien nicht.

Mit königlicher Verschwendung hatte Ercole die Zurüstungen zu den Feierlichkeiten betrieben und seit Wochen die Magazine des Hofs und der Stadt mit Vorräten angefüllt. Was die Renaissance auch in Ferrara Schönes erschaffen hatte, an einem geistvollen Hof und in einer wohlhabenden Bürgerschaft, wo Studien, Künste und Gewerbe in Blüte standen, das stellte sich bei dieser Gelegenheit reichlich dar.

Der Einzug Lucrezias am 2.Februar war daher eines der glänzendsten Schauspiele jener Zeit, und für sie selbst die Feierstunde ihres Lebens, wo sie von dem Höchsten und Besten Besitz ergriff, dessen ihre Natur überhaupt fähig war.

Um zwei Uhr nachmittags begab sich der Herzog mit allen Gesandten und seinem Hof in das Landhaus Albertos, die Schwiegertochter einzuholen. Die Kavalkade ordnete sich, um über die Brücke des Po-Arms durch das Tor von Kastell Tedaldo zu ziehen, einer Festung, die heute nicht mehr vorhanden ist.

Den Zug eröffneten fünfundsiebzig Bogenschützen zu Pferde, in der Devise des Hauses Este, weiß und rot, hinter sich achtzig Trompeter und viele Pfeifer. Es folgten der Adel Ferraras ohne Ordnung; sodann die Höfe der Markgräfin von Mantua, welche selbst im Residenzpalast zurückgeblieben war, und der Herzogin von Urbino. Dahinter ritt neben seinem Schwager Hannibal Bentivoglio Don Alfonso, von acht Pagen umgeben. Er war gekleidet in roten Samt nach französischer Mode, das Haupt bedeckt mit einem schwarzen Samtbarett, an welchem ein Schmuck von geschlagenem Golde befestigt war. Er trug schwarzsamtne französische Gamaschen und Stiefeletten von Inkarnatfarbe. Sein braunes Pferd war mit Karmesin und Gold gedeckt.

Es ist auffallend, daß Don Alfonso nicht neben seiner Gemahlin in Ferrara einzog, aber die Etikette jener Zeit hatte andere Anschauungen als die unsrige. Indem der Bräutigam dem Zuge voraufritt, dessen Mittelpunkt die Braut war, und der Schwiegervater denselben schloß, sollte so Lucrezia als die Hauptperson dieser Festlichkeit ausgezeichnet werden. Gleich hinter Alfonso kam ihre Kavalkade: erst Pagen und Hofbeamte, darunter mehrere spanische Kavaliere; sodann fünf Bischöfe; hinter diesen die Gesandten in aufsteigender Ranglinie, so daß ihren Zug die vier Deputierten Roms schlossen, reitend auf schönen Pferden, in langen Brokatmänteln und schwarze Samtbarette auf den Köpfen. Hinter diesen kamen sechs Tamburschläger und zwei Lieblingspossenreißer Lucrezias.

Dann zog die Braut einher, strahlend von Schönheit und Glück, auf einem mit Scharlach gedeckten weißen Pferde, neben welchem Stallmeister einhergingen. Lucrezia war gekleidet in eine breitärmelige Camorra von schwarzem Samt mit feinen Goldleisten und in eine Sbernia von Goldbrokat mit Hermelinbesatz. Ihr Haupt bedeckte ein schleierartiges, von Diamanten und Gold funkelndes Netz ohne Diadem, das Geschenk ihres Schwiegervaters; ihren Hals umschlang eine Kette von großen Perlen und Rubinen, welche einst der Herzogin von Ferrara gehört hatte, wie Isabella Gonzaga seufzend bemerkte. Ihr schönes Haar wallte frei auf die Schultern herab. Sie ritt unter einem purpurnen Baldachin, welchen die Doktoren Ferraras abwechselnd trugen, das heißt die Mitglieder der Kollegien des Rechts, der Medizin und der Mathematik.

Um den König von Frankreich, den Schutzherrn Ferraras und der Borgia, zu ehren, hatte Lucrezia dessen Gesandten Philipp della Rocca Berti herbeigerufen und an ihre linke Seite genommen, so daß er neben ihr, doch außer dem Baldachin einherritt. Solche Auszeichnung sollte dartun, wie es jener mächtige Monarch sei, welcher diese Braut in den Palast der Este führe.

Hinter Lucrezia kam der Herzog in schwarzem Samt auf einem dunklen Pferde, das mit gleichem Samt bedeckt war. So ritt er zur Linken der Herzogin von Urbino, welche ein schwarzsamtnes Gewand trug.

Es folgten Edle und Pagen, dann die anderen Prinzen des Hauses Este, von denen jeder einer Dame Lucrezias zur Seite ritt. Nur der Kardinal Hippolyt fehlte, da er in Rom geblieben war. Von den Frauen, welche Lucrezia begleitet hatten, waren nur drei zu Pferde, Hieronyma Borgia, die Gemahlin Fabios Orsini, eine andere Orsini, die nicht näher bezeichnet wird, und Madonna Adriana, »eine verwitwete edle Frau und Verwandte des Papstes«.

Dahinter kamen vierzehn Galawagen mit schön geschmückten Ehrendamen Ferraras, von denen zwölf Fräulein für den Hof der jungen Herzogin bestimmt waren. Sodann wurden zwei weiße Maultiere und zwei weiße Pferde einhergeführt, gedeckt mit Samt und Seide und kostbarem Goldschmuck. Es folgte der Zug von sechsundachtzig Maultieren, welche die Garderobe und Schätze der Braut trugen. Als dieser lange Troß durch die gaffende Volksmenge einherzog, mochten sich die guten Ferraresen sagen, daß es eine reiche Braut sei, die Alfonso erwählt hatte, aber nur wenige sich vorstellen, daß alle diese mit prahlerischem Prunk herbeigeschleppten Ballen, Kisten und Kasten das verschwendete Eigentum der gebrandschatzten Länder der Christenheit seien.

Am Tor von Kastell Tedaldo wurde das Pferd Lucrezias durch einen Kanonenschuß erschreckt und warf die Hauptperson des Schauspiels ab. Die Braut erhob sich; der Herzog setzte sie auf ein anderes Pferd, worauf der Zug sich vorwärts bewegte. Es gab die üblichen Begrüßungen an Triumphbogen und Tribünen, Deklamationen und mythologische Szenen, worunter die auffallendste ein Zug von Nymphen war, welche ihre auf einem roten Stier sitzende Königin umgaben, während Satyrn um sie her sprangen. Sannazar hätte glauben können, daß dieser Verherrlichung des Wappens Borgia sein eigenes Epigramm zugrunde lag, worin er Julia Farnese als Europa auf dem Stier verspottet hatte.

Als der Zug den Domplatz erreichte, stiegen zwei Seiltänzer von zwei Türmen nieder und richteten Komplimente an die Braut. So mischte sich in jener Zeit stets das Possenhafte mit dem Feierlichen.

Es war Abend geworden, als die Kavalkade diesen Domplatz und die Residenz des Herzogs erreichte, in welchem Augenblick allen Gefangenen die Freiheit geschenkt wurde. Alle Trompeter und Pfeifer versammelten sich dort auf einem Punkt und ließen ihre Instrumente ertönen.

Es ist schwer, bestimmt anzugeben, wo damals jene Residenz stand, in welche Lucrezia einzog. Die Este hatten in der Stadt viele Paläste gebaut, in denen sie abwechselnd wohnten; so Schifanoja, Diamanti, Paradiso, Belvedere und Belfiore und Kastell Vecchio. Ein städtischer Chronist verzeichnete zum Jahre 1494 unter den Wohnungen, »welche die Herren vom Haus Este besaßen«, für den Herzog seinen Palazzo del Cortile und dann Kastell Vecchio; für Alfonso Kastell Vecchio; für den Kardinal Hippolyt den Palast der Certosa. Im Jahre 1502 residierte demnach Ercole in einem der beiden genannten Paläste, und diese hingen zusammen, da von dem alten Kastell eine Reihe von Bauten sich bis zum Domplatz fortzog und erst im Palast della Ragione endete. Die Verbindung besteht noch heute, obwohl alle jene Gebäude sich verändert haben.

Die damalige Residenz des Herzogs lag gegenüber dem Dom, hatte einen großen Hof mit Marmortreppe und wurde deshalb Palazzo del Cortile genannt. Dieser Hof hat sich wohl in demjenigen erhalten, welcher heute Cortil Ducale heißt. Man tritt in ihn vom Domplatz durch den hohen Bogen, an dessen Enden jene beiden Säulen stehen, die einst die Statuen Nicolos III. und Borsos getragen haben. Die Berichterstatter vom Einzuge Lucrezias sagen ausdrücklich, daß sie vom Pferde stieg an der Treppe des Marmorhofes (a le scale del Cortile di marmo).

Hier empfing sie die Markgräfin Gonzaga mit vielen vornehmen Damen. Die junge Gemahlin Alfonsos hätte, wenn ihr die Aufregung des Moments dazu Zeit ließ, mit Lächeln bemerken können, daß ihr das edle Haus Este eine recht stattliche Schar von Bastardtöchtern zum Willkommen aufgestellt hatte; denn es begrüßten sie an jener Treppe: Lucrezia, die natürliche Tochter Ercoles und Gemahlin Annibales Bentivoglio, und drei natürliche Töchter Sigismunds von Este, Lucrezia, Gräfin von Carrara, die schöne Diana, Gräfin Uguzoni, und Bianca Sanseverino.

Es war Nacht geworden; Lichter und Fackeln erhellten den Palast. Unter schallender Musik wurde das junge Paar in den Empfangssaal geführt, wo es sich auf einem Throne niederließ. Es fanden zeremoniöse Vorstellungen des Hofpersonals statt, und wahrscheinlich richtete jetzt ein Redner an Madonna jene feierliche Rede, für welche der Herzog Notizen über das Haus Borgia hatte sammeln lassen. Der beglückte Orator ist uns nicht bekannt geworden, aber wir kennen einige Poeten Ferraras, die der schönen Fürstin ihre Hochzeitcarmina überreichten. Nicolaus Marius Paniciatus verfaßte eine Reihe von begeisterten lateinischen Gedichten und Epigrammen zu Ehren Lucrezias, Alfonsos und Ercoles, die er unter dem Titel »Borgias« zusammenstellte. Es sind darunter feurige Glückwünsche zur Vermählung des jungen Paars, und die Schönheit Lucrezias wird darin schon deshalb über die von Helena gestellt, weil sie sich mit unvergleichlicher Sittsamkeit vereinige.

Dieser Poet hatte seine Verse, wie es scheint, nicht drucken lassen, da sie sich nur im Manuskript in der Bibliothek zu Ferrara vorfinden, aber einen Tag vor dem Einzuge Lucrezias machte der Drucker Laurentius ein Hochzeitgedicht fertig, welches ein junger Latinist verfaßt hatte. Es war das der später auch als Mathematiker hochberühmte Celio Calcagnini, der Günstling des Kardinals Hippolyt und auch Freund des großen Erasmus. Die Erfindung des Gedichts ist sehr einfach: Venus verläßt Rom und begleitet Lucrezia; Mnemosyne ermahnt ihre Töchter, die Musen, die edle Fürstin zu verherrlichen, was sie denn auch mit Überschwenglichkeit zustande bringen. Es werden die Prinzen des Hauses nicht vergessen, denn Euterpe singt das Lob Ercoles, Terpsichore preist Alfonso, und Kalliope verherrlicht die Siege Cesars in der Romagna.

Unter den huldigenden Poeten Ferraras trat bei dieser Gelegenheit noch ein anderer Mann auf, welcher schon damals hohe Erwartungen von seinem Genie erregte. Es war Ariosto, zu jener Zeit siebenundzwanzig Jahre alt, bereits bekannt am Hofe Ferraras und in den gebildeten Kreisen Italiens als Latinist und Komödiendichter. Auch er schrieb ein Epithalamion, welches er Lucrezia überreichte. Es ist leicht und anmutig, nicht mit mythologischer Pedanterie überladen, aber durch Erfindung nicht ausgezeichnet. Der Poet preist das Glück der Stadt Ferrara, welche fortan alle Fremden um den Besitz eines unvergleichlichen Juwels beneiden werden, während Rom durch Lucrezias Verlust verarmt und gleichsam nochmals in Ruinen gefallen sei. Er verherrlicht die junge Fürstin als die pulcherrima virgo und spielt schon hier auf die antike Lucrezia an.

Nach Beendigung der Empfangsfeierlichkeiten geleitete der Herzog seine Schwiegertochter in die für sie bereiteten Gemächer. Sie konnte mit ihrer Aufnahme im Haus der Este mehr als zufrieden sein, und auch der Eindruck, den ihre Persönlichkeit gemacht hatte, war der günstigste. Der Chronist Bernardino Zambotto schrieb davon: »Die Braut ist vierundzwanzig Jahre alt (worin er sich irrte), sehr schön von Antlitz, mit lebhaften und fröhlichen Augen, schlank von Gestalt, scharfsinnig, sehr klug und verständig, heiter, anmutig und human. Sie gefiel diesem Volk so sehr, daß alle die höchste Befriedigung empfinden und Schutz und gutes Regiment von ihrer Herrlichkeit erwarten. Sie sind wahrhaft erfreut, denn sie hoffen, daß dieser Stadt durch sie viel Gutes widerfahren werde, zumal durch die Macht des Papstes, welcher seine Tochter gar sehr liebt, wie er das durch die ihr geschenkte Mitgift und durch die Don Alfonso verliehenen Städte bewiesen hat.«

Die Anmut Lucrezias muß damals bezaubernd gewesen sein; ihre Medaille lehrt es, und die Augenzeugen sagen es alle. Cagnolo von Parma schrieb von ihr: »Sie ist von mittlerer Größe und von zierlicher Gestalt; ihr Gesicht länglich, die Nase schön profiliert, die Haare goldhell, die Augen von blauer Farbe; der Mund ist etwas groß, die Zähne blendend weiß; ihr Hals schlank und weiß, bedeutend und doch voll Maß. Ihr ganzes Wesen atmet stets lachende Heiterkeit.«

Das Wort, welches Cagnolo für die Farbe des Auges Lucrezias gebraucht, ist bianco, und das bedeutet noch heute in der Redeweise des italienischen Volkes »blau«. Mehrmals wird in den toskanischen Volksliedern, welche Tigri gesammelt hat, von occhi bianchi geredet, das ist von »blauen Augen«. Der Florentiner Firenzuola fordert in seiner Abhandlung »von der vollkommenen Schönheit einer Frau«, daß die Haare blond, die Augen weiß seien mit nicht ganz schwarzer Pupille, obwohl Griechen und Italiener das liebten. Die beste Farbe des Auges sei, wie er sagt, tané. Dem graziösen Wesen Lucrezias mit dem heiteren Angesicht und dem goldhellen Haar mochte ein Auge von unbestimmtem Blau entsprechen. Die Dichter Ferraras, welche alsbald die blendende Macht des Auges ihrer schönen Herzogin besangen, haben von dessen Farbe nichts gesagt.

Es war nicht Hoheit, noch klassische Schönheit, sondern unbeschreibliche Grazie mit einem Zusatz von etwas Geheimnisvollem und Fremdartigen, wodurch diese merkwürdige Frau alle Menschen bezauberte. Anmut und Sanftmut der Erscheinung, Heiterkeit und Liebenswürdigkeit in der Rede sind die Eigenschaften, welche alle Zeitgenossen an Lucrezia gepriesen haben. Wenn man sich dies zartgefärbte, von Geist belebte Antlitz vorstellt, mit großen blauen Augen und umwallt von dem goldfarbenen Haar, so wird man eine romantische Schönheit vor sich sehen, wie sie vielleicht Shakespeare in Imogen gedacht haben mochte.

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