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Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 9
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
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Achtes Kapitel

Vierzehn Tage hernach da kam König Hispinart von Akre, wohl mit zweihunderttausend Mann, und mit ihm kamen vierzehn Könige. Da diese Heiden in das Land kamen, da flohen die Einwohner alle zu König Orschier, und schrien um Hilfe gegen die Heiden. Der König erschrak, da er hörte, daß die Heiden so nahe wären, und ließ Otto zu sich rufen. Lother, sprach er zu ihm, heißet Eure Söldner sich rüsten, wir müssen gegen die Heiden, Euch übergebe ich und befehle ich mein Banner. Otto erschrak von ganzem Herzen, doch verbarg er es, und sprach mit lachendem Munde: Herr, ich will das meinige aufs beste tun. Ging hinaus, und ließ austrompeten, daß ein jeder sich aufs beste waffne. Lother und seine Gesellen die waffneten sich sogleich aufs eilendste, und setzten Pferde und Zeug in besten Stand. Da rief Otto einen seiner Waffenträger, zu dem sagte er: Geh zu meinem Vetter, sage ihm, es sei mir von Herzen leid, daß ich ihn erzürnet. Ich sei bösem Rat gefolgt, bin aber nun bereit, ihn um Gnade zu bitten, er solle mir nur diesmal aus der Not helfen. Denn König Orschier hat mir sein Banner zu führen gegeben, in diesem großen Krieg, damit kann ich mich aber nimmer behelfen; mein Vetter vermag es besser zu tun als ich, denn er ist ein tapfrer, starker Ritter, ihm käme es mehr zu als mir. Will er sich nun des Banners für mich annehmen, so will ich ihm die Jungfrau Zormerin gern überlassen, die mir von dem König versprochen worden ist. Ich will lieber eine Frau entbehren, als daß ich diesen großen Streit führen sollte. – Herr, antwortete der Knappe, diese Botschaft will ich gern ausrichten; es wäre sehr gut, wenn Lother sich der Sache annähme; denn soviel ich Euch kenne, laßt Ihr im Streit das Banner fallen, das möchte den Christen zu gar großem Schaden gereichen. – Das ist freilich wahr, sagte Otto. – Darauf ging der Knappe von ihm zu Lother, und richtete die Botschaft gar ernstlich aus. Er nahm den Lother auf die Seite, und sprach: Euer Vetter Otto sendet mich zu Euch; er bittet Euch um Gnade, daß er Euch erzürnet, er sei hierin bösem Rat gefolgt, und es ist ihm leid. Er bittet sehr, Euch mit ihm zu versöhnen; wenn Ihr ihm verzeihen wollt, so will er seinen Fehler gegen Euch verbessern, und damit anfangen, daß er, um Euch zu ehren, Euch das Banner überlassen will, das der König ihm übergab, dazu will er Euch auch die schöne Zormerin lassen, die der König ihm versprochen, und alle Ehre die Ihr sonst verlangt. Prüft diesen Vorschlag wohl, lieber Herr, ich bitte Euch freundlich darum. – Sage meinem Vetter, sprach Lother, ich habe keinen bösen Willen, besonders nicht gegen ihn; ich halte ihn für einen verständigen Mann, dazu ist er auch von edler Geburt; hat ihm nun der König sein Banner befohlen, so ist es bei ihm in guten Händen, besonders gegen die Heiden; hat ihm dann Gott eine Frau beschert, so begehre ich nicht sie ihm zu nehmen. Gott wolle ihm zu beidem viel Freude und Glück geben; ich wünsche es ihm von Herzen, und er täte sehr Unrecht, wenn er nicht das Beste tun wollte, um des großen Glücks willen. Sagt meinem Vetter dann auch noch in meinem Namen: da der König ihm das Banner empfohlen, so möge er wohl zusehen, daß er es nicht fallen lasse, denn wo er es fallen läßt, so haue ich ihm den Kopf herunter, oder wenn ich zur Stund nicht zu ihm kommen kann, so werde ich meinen Gesellen Maller schicken, daß er ihm seinen Kopf herunterhaut. Diese Antwort bring meinem Vetter von mir.

Der Knappe war sehr betrübt, daß er nicht besseren Bescheid erhalten konnte, Otto aber erschrak gar erbärmlich, als er diese Botschaft vernahm. Ach ich Armer, Unseliger! rief er aus; ich sehe wohl, meine Zeit ist nun gekommen, ich muß streiten wider meinen Willen, und muß noch dazu der vorderste sein, und die anderen anführen, wiewohl ich lieber der hinterste wäre! –

Der König setzte sich auf sein Pferd, nahm das Banner in seine Hand und übergab es Otto; dieser nahm es, und ritt hinaus, wohl mit dreißigtausend Christen. Lother ritt ihm zunächst; er trug auf seinem Helm einen seidenen Ärmel mit Gold gestickt, und mit goldnen Spangen, den hatte ihm Zormerin gegeben. Sie ging auf einen Turm, wo sie dem Streit zusehen konnte; Lother kannte sie wohl an dem Ärmel, und bat Gott von ganzem Herzen, daß Otto doch nicht wiederkäme.

Da die Heiden sahen, wie das Heer der Christen gegen sie zog, da stellten sie sich in Schlachtordnung, und ein schreckliches Schlagen begann; sie hieben entsetzlich auf die Christen ein, und schlugen was ihnen vorkam. Als Otto sah, daß die Heiden so gar greulich stritten, da ließ er vor Schrecken das Banner fallen, und sprach zu seinen Leuten: Liebe Gesellen, ich bleibe nicht länger hier, ich will heimreiten in die Lombardei, denn ich habe große Sorge, die Heiden möchten mich noch hier erschlagen. Ich möchte nicht hierbleiben, und wollt mir König Orschier auch noch ein Königreich zu dem seinigen geben. – Gott verdamme Euch, riefen seine Gesellen ihm nach, Ihr schändet alle Lombarden; darum möget Ihr nur allein reiten: wer einen bösen Herrn verläßt, den mag Gott segnen. König Pynart kam wohl mit zehntausend Heiden von der Seite her, wo Otto entfloh; da er sie so gegen sich kommen sah, rief er mit lauter Stimme, und mit aufgehobenen Händen: Tötet mich nicht, Ihr Herren, ich will gern Gott verleugnen, und will an Mahom glauben.

Da ward er gefangen, und in ein Zelt geführt, und König Pynart begann wieder frischlich zu streiten. Die Christen waren bestürzt, daß ihr Panier gefallen war. Oh weh mir! rief König Orschier; verflucht sei die Stunde, wo ich diesen Lother an meinem Hof empfing, und ihm so traute; er hat heute als ein falscher Bösewicht an mir gehandelt. Die Heiden waren gar fröhlich; denn wenn ein Panier gefallen ist, so ist die Gegenpartei desto fröhlicher. König Orschier stritt auch tapfer, als er aber zu tief in den Streit geriet, da kam der heidnische König Heiding und stach ihn vom Pferde; alsobald umringten ihn die Heiden, und führten ihn gefangen hinweg. Als die Christen ihren König gefangen sahen, da hielten sie sich gar übel, was auch nicht Wunder zu nehmen ist; ein Heer mag wohl erschrecken, das sein Banner, und dann auch seinen König, verloren hat.

Lother focht kühnlich, und schlug sich tief in das Heer der Heiden, Maller und die übrigen Gesellen fehlten auch nicht; da erblickte Lother das Panier, das auf der Erde lag. Maller, lieber Geselle, rief er, nun schlage frisch zu, daß ich absteigen und das Panier aufheben kann. Da schlugen die beiden so greulich um sich, bis sie einen Kreis um das Panier freimachten, da stieg Lother ab, ergriff das Panier und ließ es hoch in der Luft wehen, es war aber ganz beschmutzt und zerrissen worden unter den Pferden. Er gab es dem Maller, und sagte: Hebe es hoch in die Höhe; das tat Maller. Darüber freute sich das Christenheer, und fing wieder mit frischem Mut zu kämpfen an. – Maria, Gottes Mutter, rief Zormerin, beschütze meinen Geliebten; er ist der tapferste Mann, der je auf einem Pferd gesessen.

Lother stritt solange bis er kam zu König Pynarts Banner, da sah er eben, wie vier Heiden den König Orschier gefangen fortführten, der heiß weinte. Lother eilte sogleich hinzu, erschlug die vier Heiden, ergriff eins ihrer Pferde und reichte es dem König Orschier. Lieber Herr, rief er ihm zu, sitzt geschwind auf und seht, daß ihr tapfer streitet. Freund, erwiderte Orschier, du hast mich heute von dem Tod errettet, dir will ich meine Tochter geben, dazu auch mein Königreich; Lother von Frankreich hat mich böse verraten, er soll meine Tochter nimmer haben. Hiermit ritt er eilends wieder in den Streit, da brachte ihm Maller das Panier. Maria, Gottes Mutter, rief er, wer mag der Mann sein, der das Panier wieder aufgerichtet hat? – Herr, sprachen die Diener, das hat derselbe getan, der Euch auch aus der Gefangenschaft erlöste, er hat heiß darum gearbeitet. Auf meine Treue, sprach der König, das will ich ihm wohl lohnen, ich will ihm meine Tochter geben, und nach meinem Tode mein Reich; ist es nicht ein Jammer, ihr Freunde, daß mich der so betrogen, dem ich so viel getraut habe? Wäre dieser fromme Ritter nicht gewesen, so wären wir jetzt alle von den Heiden erschlagen.

Zormerin folgte dem Lother mit den Augen, denn sie erkannte ihn vor allen an dem Ärmel auf seinem Helm. Da sah sie, wie wohl zehntausend Heiden ihn umringten, und sein Pferd erstachen; sie sah ihn fallen, und sah ihn nicht wieder aufsitzen, auch niemand der ihm zu Hilfe käme, so daß er mit Gewalt gefangen ward. Als Zormerin dies sah, ergriff sie ein Messer und wollte sich dasselbe ins Herz stoßen; aber Scheidechin hielt sie, und sprach: Liebe Jungfrau, besinnt Euch, und bittet Gott Eure Sinne zu behüten. – Scheidechin, rief Zormerin, ich habe gesehen, daß die Heiden den Prinzen von Frankreich niedergestoßen haben, und niemand kommt ihm zu Hilfe; haben die Heiden ihn erschlagen, so will ich auch nicht länger leben. Hiermit wollte sie von den Zinnen hinunterspringen, aber ein Ritter erhaschte sie, und hielt sie. Liebe Jungfrau, sprach er, sie zu trösten, haltet Euch wohl, Euer Vater ist nicht erschlagen.

 

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