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Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 8
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
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Siebentes Kapitel

König Orschier übersandte dem Lother den Dank, und ließ ihn zur Tafel an seinen Hof einladen; Lother ließ ihm aber erwidern, er wolle es nicht übel aufnehmen, daß er nicht kommen könne; es sei ihm diesmal nicht gelegen, da er selber einen offenen Hof halten wolle. Darüber war der König nicht wenig verwundert.

Lother begab sich in seine Herberge, wo der Gäste so viel gekommen waren, daß sie in dem Hause nicht alle Platz fanden; sie mußten teils in den Garten sich lagern, teils saßen sie auf der Gasse vor der Herberge. Es war Wildbret und Geflügel, und an Schüsseln mit Eßwaren aller Art kein Mangel; dabei standen große Fässer mit Wein, sowohl weißem als rotem, woraus ein jeder so viel trinken konnte, als ihn gelüstete. Es waren an demselben Tag wohl an zweihundert Menschen des Weins so voll, daß sie ihre eigene Sprache nicht reden konnten. Einer sprach da zu dem andern: Fürwahr er muß morgen davonlaufen; der Wirt ist wohl ein Tor, ihm so viel zu borgen. Lother hörte dies, und rief: Laßt Euch wohl sein, ihr Freunde, und sorgt nicht fürs Bezahlen, der gute Wirt borgt mir gern. – Ich habe ebensogroße Sorge für meine Bezahlung, sprach der Wirt, als ob ich das Geld schon in meiner Hand hätte. – Da sagten sie: Ei, der Wirt ist so voll als irgendeiner der Gäste; morgen wird er ein anderes Lied singen. Die Gäste blieben in Freuden und in Ergötzlichkeit zusammen bis Mitternacht, dann schied ein jeder von dannen. Zormerin hatte ihr Wort nicht vergessen, noch ehe es tagte, kam ein Pferd mit Gold und Silber beladen in der Herberge an. – Lieber Wirt, jetzt macht Euch bezahlt, so viel als draufgegangen, das übrige Geld nehmt in Eure Verwahrung; sobald es verzehrt ist, sagt es mir, daß ich Euch wieder welches verschaffe.

Des Morgens früh zog Lother sich sauber an, nebst seinen Gefährten, und ging mit ihnen in die Kirche. Als Zormerin ihn erblickte, pochte ihr Herz heftig. Sie bat ihren Vater, daß er den Ritter, der gestern den Dank verdiente, und so vortrefflich stach, doch zur Tafel bitten möchte, und zeigte dem König den Lother, daß er derselbe sei. Da nun der König zu ihm ging und ihn zur Tafel bat, da wollte Lother es nicht annehmen, und sprach: Herr König, ich will nicht eher an der Tafel mit Euch sitzen, bis ich es gegen die Heiden verdient habe. Da gab Zormerin ihm die Hand, die er nahm, und bot ihm einen guten Morgen, darüber ging er erfreut wieder in seine Herberge.

 

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