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Gutenberg > Friedrich Schlegel >

Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 6
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
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Fünftes Kapitel

Zormerin ging zu ihrem Vater und sprach zu ihm: Geliebter Herr Vater, Ihr habt so viel fremde Söldner in der Stadt liegen, so stellt doch einmal ein Turnieren an, ich bitte Euch darum, und versprecht dem, der den Dank verdient, ein schönes Roß zu geben. Auf diese Weise mögt Ihr sie erproben, und wohl erfahren, was jeder unter ihnen wert ist; denn wie Ihr wißt, wird König Pynart bald gegen diese Stadt ziehen, dann ist es wohl gut, daß Ihr wißt, auf welchen unter Euern Dienern Ihr Euch am besten verlassen könnt. – Liebe Tochter, antwortete der König, ich wollte dies schon sehr lange immer tun, aber Lother von Frankreich hat es jederzeit verhindert. – Wäre Lother fromm und tapfer, sprach Zormerin dagegen, und wäre von dem edeln Blut, dessen er sich rühmt, so würde er es sicher nicht verhindern, vielmehr würde alle sein Trachten und Sinnen darnach stehen, oft zu turnieren und zu stechen. Ich schwöre bei dem Gott, der mich erschaffen hat, wäre er auch ein König über zehn Könige, ich würde ihm dennoch nimmermehr zuteil. Nimmer will ich mich einem Feigen vermählen! Der mein Gemahl wird, derselbe muß nach Euch dieses Land regieren: ein feiger, verzagter Mann, der würde es gegen die nahen Heiden gar übel beschirmen! – Dies hörte der König gern von seiner Tochter; ließ auch sogleich in die Stadt ausrufen, wie er ein Stechen vor dem Palast wolle veranstalten lassen. Nämlich: sechs Bretter sollten an ebensoviele Stangen aufgerichtet werden, und wer diese Bretter niederstäche, der solle ein Roß von ihm zum Dank erhalten, das so gut als hundert Mark an Wert hätte. Die Söldner waren über diesen Aufruf alle sehr erfreut; Otto aber erschrak gar sehr in seinem Herzen, und fluchte mehr als hundertmal allen, die dazu geraten.

Lother bereitete sich köstlich nebst allen seinen Gesellen zum Stechen, ihn dünkte, der Donnerstag, auf welchen Tag es angesetzt war, bleibe gar lange aus, so ungeduldig war er zu stechen und zu turnieren. Die andern Herrn und Ritter rüsteten sich auch wohl dazu; gar mancher unter ihnen dünkte sich der Weidlichste zu sein, und hoffte wohl den Dank zu verdienen. Zormerin gedachte gar oft in ihrem Herzen: Ach wollte Gott es fügen, daß Lother den Dank gewönne, ich gönnte es ihm wohl von ganzem Herzen. Oft redete sie mit ihrer getreuen Scheidechin von ihm. Könnte er den Dank verdienen, wie ich es hoffe, sprach sie, dann kommt er in meines Vaters Huld gar hoch, dann würde die Falschheit wohl ausbrechen. – Sicher, Ihr redet wahr, sagte Scheidechin; mir wollte es nie so vorkommen, daß Otto der Mann wäre, für den er sich ausgibt; all sein Verhalten hat ihm nie wohl angestanden, dazu ist er ein Rotkopf, die sind gewöhnlich falsch und ungetreu.

 

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