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Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 23
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
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Zweiundzwanzigstes Kapitel

Die Bürger von Konstantinopel und das ganze Griechenland erwählten Lother von Frankreich zum Könige; denn König Orschier war ein alter Mann, und mochte nicht länger regieren. Als nun Lother zum König und Kaiser von Griechenland gekrönt war, und deshalb große Feste und Gastierungen hielt, da kam ein Botschafter vor ihn, der kniete nieder und sprach: Gott, dem alle Dinge bekannt sind, der wolle den Kaiser und die ganze Ritterschaft heut und alle künftige Tage in seinen Schutz nehmen. – Gott grüße dich, lieber Bote, sprach der Kaiser, sage an, was bringst du uns? – Herr, ich bin zu Euch gesandt von dem frommen Bonifazius, unserm geistlichen Vater. Er entbietet Euch durch mich, daß Ihr ihm doch wollet zu Hilfe kommen; vierzehn heidnische Könige haben Rom belagert, unter ihnen ist der Sultan von Babylonien, und der König von Mohrenland, der so schwarz ist, wie auch sein Volk, daß sie den höllischen Teufeln gleichen. Sie haben dreißigtausend Gewaffnete, und besonders sind der schwarzen Teufel so viel, sie besetzen die ganze Gegend, und verwüsten das ganze Römerland. Darum bittet Euch unser geistlicher Vater, Ihr möchtet ihn in der größten Not nicht verlassen. Es betrifft die ganze Christenheit. – Lieber Bote, hat der heilige Vater nicht zu meinem Bruder Ludwig, dem König in Frankreich, geschickt, und ihn um Hilfe angerufen? – Herr, ich glaube wohl, es ist auch zu ihm geschickt worden, aber ich weiß nicht, ob er kommt oder nicht, denn man spricht allgemein, er ließe sich von bösen Verrätern verleiten, und tue nach ihrem Rat. Da schickte Lother den Boten mit der Antwort zurück: er wolle in kurzem mit seiner ganzen Macht dem Heiligen Vater zu Hilfe kommen. Maller erbot sich gleich mit ihm zu ziehen, denn ihn verlangte sehr, einmal wieder gegen die Heiden zu ziehen. Ich scheide nie von Euch, Herr, sagte er, der Tod müßte uns denn scheiden. – Dafür sei Gott gelobt und gedankt, sagte Lother. Gesegnet ist die Stunde, in welcher du mein Gesell wardst. – Lother schrieb sogleich Briefe an alle seine Fürsten und Grafen, soweit sein Land reichte, und ließ sie nebst allen ihren Gewaffneten entbieten, und als sie in kurzer Zeit sich zusammen in Konstantinopel versammelt hatten, da nahm Lother von seiner Gemahlin Abschied, sie weinte bitterlich, als er fortging, auch sah sie ihn dann nimmer wieder. Maller nahm auch Abschied von seiner treuen Scheidechin. Der Abschied war bitter und sehr schmerzhaft für die vier Eheleute, die sich sehr von Herzen liebhatten.

Lother und sein Heer stiegen zu Schiff, und kamen mit gutem Wind bis zum Römerland, dann stiegen sie aus, und ritten nach Rom. Vorher sagte Lother zu Maller: Ich will dem Papst klagen über meinen Bruder Ludwig, daß er sein Reich nicht mit mir teilt, und daß er mir nicht aus dem Gefängnis zu Pavia hat helfen wollen. Verhilft mir dann der Papst nicht zu dem Meinigen, so will ich mir mit gewaffneter Hand wohl Recht verschaffen.

Als sie vor Rom ankamen, da fanden sie die Heiden eben im harten Streit mit den Christen begriffen. Höre ich recht, sprach Lother, ich vernehme ein Geschrei Montjoye, das ist der Franzosen Feldgeschrei; geschwind, lieber Maller, laßt uns hinzu, denn ich gönne es den Franzosen nicht allein, den Tag zu gewinnen. Sie stürmten nun in hellen Haufen hinzu, und fielen den Heiden in den Rücken, die dadurch in gar großes Gedränge gerieten; die Historie sagt, ohne Lother und Maller wären die Franzosen noch an diesem Tag geschlagen worden. Lother sah einen Haufen Heiden, die da sehr hart stritten, und hörte die Franzosen Montjoye rufen, da drang er ein, wo der Haufen am dicksten war, da sah er seinen Bruder Ludwig von Heiden umringt, zu Fuß fechtend; sein Pferd war erschlagen, und er selber sehr verwundet. Lother erkannte ihn sogleich an seinem Wappen; da er ihn in solcher Not erblickte, da vergaß er seinen Unwillen gegen ihn, schlug um sich her auf die Heiden, mit solcher Kraft und Wut, daß es bald weiter um Ludwig ward; die Heiden flohen vor Lother wie der Teufel vor dem Weihwasser, er war aber auch ein gar tapfrer Ritter, er schlug dem, der das heidnische Panier führte, den Arm mit der Schulter herunter, so daß der Arm samt dem Panier auf die Erde fiel. Desselben Heiden sein Pferd faßte er, und führte es König Ludwig zu. Ludwig saß auf, und betrachtete Lother, da sah er, daß dieser das griechische und das französische Wappen im Schilde führte. Das griechische Wappen war ein Greif, halb von Gold und halb von Silber, nebst einem Sessel, dieser Sessel bedeutete das Gericht. Lieber Freund, fing Ludwig an, wie ist Euer Name? Danach muß ich schon fragen, weil Ihr mich vom Tode erlöst habt; zudem sehe ich Frankreichs Lilien auf Euerm Schild, nebst dem griechischen Greifen, welches mich sehr Wunder nimmt. – Ich will Euch meinen Namen nicht verhehlen, sprach Lother. Einen Greif führe ich, denn ich bin ein Kaiser in Griechenland, und so führe ich die Lilien, weil ich ein Sohn bin König Karls von Frankreich. – Da erschrak Ludwig gar heftig. O lieber Bruder, rief er, ich bitte Euch um Gnade, denn ich habe gegen Euch gehandelt, ich bekenne es, und will es nach Euerm Willen und Begehren bessern. Ihr habt mir viel Liebe bewiesen, die ich Euch verdanke, aber ich habe es nicht um dich verdient. – Von dieser Bitte ward Lothers Herz bewegt. Bruder, sagte er, ich verzeihe Euch, was Ihr gegen mich getan, wiewohl Ihr unser väterliches Erbe gar ungleich geteilt habt; Ihr habt Frankreich, und dazu das Kaisertum von Rom. Seid Ihr es nun zufrieden, so wollen wir dem Papst zu Rom unsre Sache vorlegen, und er mag über uns entscheiden, und teilen. Es geschehe also, sprach König Ludwig.

Nun ritten sie wieder in den Streit, und schlugen mutig alle Heiden, die ihnen zu nahe kamen; auch Maller tat denselben Tag viel herrliche Taten, und erschlug viele heidnische Riesen. Der Papst stand auf der Mauer, und bat beständig zu Gott um Sieg und Schonung der Christen. Als es nun Nacht ward, da ritten die Herren zusammen und hielten Rat, was sie nun tun wollten. Da gab ihnen Maller den Rat, daß sie einen Waffenstillstand mit den Heiden schließen sollten, um die Toten zu begraben, die sonst so übel riechen würden, daß eine Pest im Lande entstehen müsse. Diesen Rat genehmigten alle; sie sandten einen Herold zu der Heiden Lager, und ließen einen Waffenstillstand von vierzehn Tagen vorschlagen, welches die Heiden auch zufrieden waren. – Darauf zog das christliche Heer in Rom ein, wo sie vom Papst mit großer Ehre empfangen wurden; er ging ihnen entgegen und gab ihnen den heiligen Segen. Er sprach zu König Ludwig: Seid mit Gott willkommen, mein Sohn, in diesem fremden Lande, ich bedurfte Eurer gar sehr. Damit ging er weiter, und sprach zu Lother: Seid mit Gott willkommen, mein lieber Sohn, ich habe vieles schon von Euch vernommen, Ihr seid ein Schirm und Schwert der ganzen Christenheit, und der Gerechtigkeit. Ihr seht Euerm Vater sehr ähnlich. Er hat Euch sieben Jahre lang verbannt, aber das ist nun vorbei, und soll Euch weiter nicht schaden, denn Ihr und Euer Bruder, Ihr sollt Euch in das väterliche Erbe teilen. Heiliger Vater, sprach König Ludwig, wir haben uns beide vorgenommen, die Sache Eurer Entscheidung zu überlassen. Habe ich gegen meinen Bruder gefehlt, so will ich es vergüten, und bitte ihn wegen jeder Beleidigung um Verzeihung.

Wohl gesprochen, lieber Sohn! antwortete der Papst. Nun gingen sie zusammen in den päpstlichen Palast, und setzten sich zu Tisch, wo sie alle gar trefflich bedient wurden.

Nach verfloßnem Waffenstillstand zogen die Christenvölker wieder hinaus gegen die Heiden. Von diesem Tage, und der greulichen Schlacht, wo viel tausend Christen und noch viel mehr Heiden ihr Leben verlieren mußten, wäre gar viel zu sagen. Ehe die Christen aus Rom zur Schlacht gezogen waren, hatten sie in großer Andacht die Messe gehört, welche der Papst ihnen gelesen, dann hatten sie auch reiche Opfer gebracht; der Papst gab ihnen den heiligen Segen, und bestrich sie in Andacht mit den heiligen Reliquien. Der Sieg war ihrer, und die Heiden wurden alle erschlagen, die sich nicht durch Flucht retteten. Nun zogen sie alle wieder in Rom ein, wo der Papst sie mit großer Ehre und in Fröhlichkeit empfing. Die Leichname der Christen wurden alle in geweihter Stätte begraben, die der Heiden aber den reißenden Tieren und Vögeln preisgegeben.

Der Christen Seelen wolle Gott trösten,
Und der Teufel die Heiden rösten.

 

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