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Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 22
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
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Einundzwanzigstes Kapitel

Maller und seine Freunde hatten ein gewaltiges Heer versammelt, damit brachen sie in die Lombardei ein und zerstörten das ganze Land, weder Kirchen noch Klöster wurden verschont. Als er gegen Pavia kam, da schickte er einen Herold in die Stadt zu den Bürgern, mit dem Auftrag, sie sollten ihm Lothern herausbringen, und auch Otto, ihren König, sollten sie in seine Hände liefern, auf ein Pferd gebunden mit Händen und Füßen. – Denn Maller bestand darauf, er müsse den Otto aufhängen, das hätte ihm kein Mensch aus dem Sinn geredet. – Die Bürger antworteten dem Herold: Lother von Frankreich ist nach Konstantinopel geführt worden, dort hat er sich ausgesöhnt mit unserm König Otto. – Als Maller die Antwort von dem Herold vernahm, da wäre er bald unsinnig geworden vor Ungeduld. Er schwur zu Gott, König Orschier samt König Otto müßten des bittersten Todes sterben, wenn sie nicht seinen Herrn freiließen; denn an die Aussöhnung konnte er nicht glauben. Darauf ließ er die Stadt Pavia mit Sturm erobern, und so wie die Historie sagt, ließ er keine Seele in Pavia mit dem Leben davonkommen, Männer und Weiber, Greise und Kinder, alles wurde mit dem Schwerte erschlagen, weil er die Lombarden alle haßte als falsche verräterische Leute. Nachdem er die Stadt mit zwanzigtausend seiner Gewaffneten besetzt hatte, zog er mit dem übrigen Heere weiter gegen Konstantinopel; sobald er in des Königs Orschiers Land kam, ließ er alles verheeren und verbrennen, und erschlug alles, was ihm begegnete. Da lief einer nach Konstantinopel, fiel dem König zu Füßen und schrie: Herr, bewacht Eure Stadt, denn Maller kommt mit hunderttausend Gewaffneten und will Euch belagern, er ist nicht mehr zwei Meilen weit von hier, und wo er durchkam, da hat er alles verbrannt und verheert, und alles totgeschlagen. König Orschier erschrak heftig, und sprach zu Otto: Ich bitte Euch, versöhnt Euch mit meiner Tochter, und steht mir bei gegen Maller! Sicher ist Lother auch bei ihm, und der wird nicht unterlassen, sich in den Palast zu meiner Tochter zu schleichen, dann wollen wir ihn fangen, und Ihr könnt dann mit ihm machen was Euch gefällt, und dann meine Tochter ehelichen. – Gebt Ihr mir Euer Wort, sagte Otto, daß Ihr dies tun wollt, so bleibe ich hier und ziehe gegen Maller. König Orschier ließ Zormerin zu sich rufen, und sagte ihr, sie solle sich mit Otto versöhnen und seine Gemahlin werden, damit er ihm gegen Maller zu Hilfe käme. Zormerin sprach: Gnädiger Herr Vater, weil Ihr es befehlt, so will ich mich mit ihm versöhnen, obgleich er sehr unrecht an mir gehandelt, und ich viel Schmach um seinetwillen erleiden mußte. Seine Ehefrau werde ich aber nimmermehr, auch werdet Ihr solches nicht verlangen, da Ihr wohl gehört habt, daß mein Herr, Lother, lebt. Nun versöhnte sie sich gutmütig mit Otto, dann entfernte sie sich eilend, und ging wieder in ihr Gemach zu Lother, diesem erzählte sie, daß Maller mit einem gewaltigen Heere nicht weit von der Stadt sei, und daß er sie belagern wolle. Da sprang Lother auf und rief: So will ich zu ihm hinausreiten, zu dem Treuen, der mir zu Hilfe kommt. Geliebter Herr, fing sie wieder an, ich flehe Euch an, verderbt meinen Vater nicht; er folgte bösem Rat, aber ich weiß gewiß, er wird es einst bereuen. – Geliebte Frau, beruhigt Euch, Euerm Vater soll nichts geschehen, aber Otto, den Verräter, will ich töten, obgleich er mein Vetter ist, denn er hat große Bosheit an mir verübt. – Als die Nacht hereinbrach, da bewaffnete sich Lother und legte eine herrliche Rüstung an, dazu gab ihm Zormerin ein gutes Pferd. Dann ging sie mit ihm und ließ ihm die Pforte öffnen; die Pförtner durften das der Königstochter nicht versagen. Da ritt Lother hinaus, und dankte Gott von ganzem Herzen, als er sich im freien Felde sah; Zormerin ging weinend wieder in ihre Kammer.

Als der Tag anbrach, da begegneten dem Lother viele Leute, die flüchteten. – Wen flieht Ihr, liebe Leute? fragte sie Lother. – Wir müssen wohl fliehen, antworteten sie, und auch für Euch wäre es gut zu fliehen, denn es zieht ein großes Heer daher, das verdirbt das ganze Land, verbrennt und zerstört Kirchen und Klöster, und schlägt alles tot, was ihm begegnet. – Lother war froh, als er hörte, sein Geselle Maller sei ihm so nah, und ritt weiter. Da sah er einen Ritter von gutem Ansehen, der war von seinem Pferde abgestiegen, und bei ihm war eine schöne Jungfrau, die klagte und weinte sehr, und gebärdete sich gar jämmerlich, denn er rang mit ihr und wollte sie zu seinem Willen zwingen. O töte mich, rief sie weinend, nimm dein Schwert, schlag mir den Kopf ab, denn ich will viel lieber sterben, als deinen Willen tun. – Liebe Jungfrau, sagte der Ritter, erst will ich mich an Euch erfreuen, dann will ich Euch den Kopf abschlagen. – Da rief die Jungfrau mit lauter Stimme: O Maria, Mutter Gottes, komm mir zu Hilfe, hilf mir meine Ehre erhalten und mein Leben! Lother, der ihnen hinter einem Busch zugehört, der sprang nun hervor und rief: Falscher Ritter, sitze auf dein Pferd, du mußt mit mir kämpfen, ich will dieses Fräuleins Ritter sein. – Der Ritter hörte nicht sobald diese Worte, als er auf sein Pferd sprang und seine Lanze einlegte. – Es war Dietrich von Karthago, ein Bastard des König Ansys; er hatte diese Jungfrau um ihrer Schönheit willen mit Gewalt entführt, und ihren Vater, den König von Hispanien, getötet, darum ward in der Folge ganz Hispanienland verwüstet.

Die beiden kämpften nun, und schlugen so gar greulich aufeinander, daß sie beide sehr verwundet waren; dies sah ein Reitersknecht, der dahergeritten kam, der wandte sein Pferd und ritt zu Maller, der nicht weit mehr zurück war. Herr, rief der Reiter, kommt dem Bastard von Karthago zu Hilfe, er ist im Kampf mit einem fremden Ritter, der ihm gar sehr zusetzt. Da blies Maller auf seinem Horn, und spornte sein Pferd, daß es sehr schnell laufen mußte; ihm nach eilten wohl zehntausend Mann. Da Maller auf den Platz kam, wo die beiden kämpften, da drang er auf sie ein, und wollte dem Dietrich zu Hilfe kommen; Lother aber, der ihn gleich an seinem Wappen erkannte, zog eilend seinen Helm ab, da erkannte ihn Maller auch, beide sprangen von ihren Pferden, umarmten und küßten sich voll Freude, beide mußten vor Freude weinen, daß sie sich nun wieder hatten. Unterdessen waren die andern Herren mit dem Heere auch herzugekommen; König Galyen, Otger, Mallers Bruder, und König Ansys, die hießen alle den Lother willkommen, und waren froh ihn zu sehen; nun kam auch Dietrich von Karthago näher und versöhnte sich mit Lother, und alles war voller Freude. Maller erzählte seinem Freunde, was sich mit ihm begeben, während er ihn nicht gesehen, so tat auch Lother, und beide beschlossen Konstantinopel zu belagern, und nicht eher zu ruhen, bis sie den Otto an den Galgen gehenkt.

Nun zogen sie weiter, und belagerten die Stadt Konstantinopel. König Orschier beschloß sogleich, auf sie zu fallen mit einem großen Heere, noch ehe sie sich von der Reise ausgeruht hätten. Dies war seine Ritterschaft auch wohl zufrieden, und sie zogen wohl mit sechzigtausend Gewaffneten gegen den Feind. Maller bestellte auch sein Heer; sowohl er als Lother und König Ansys, König Galyen, Otger und Dietrich von Karthago führten jeder einen Haufen an. König Orschier und seine Griechen schlugen tapfer in den Feind, aber diese fehlten auch nicht. Otger, Mallers Bruder, erwischte Salomon, den Wirt, zog ihm seinen Helm ab, und wollte ihm den Kopf herunterschlagen, das sah Maller und sprach: Mein Bruder, verschone diesen, er ist mein guter Freund. Ergib dich mir! rief er ihm zu. Da reichte ihm Salomon, der Wirt, sein Schwert, und man führte ihn in Mallers Zelt. Es war eine große Schlacht, wobei mancher Mann sein Leben einbüßte. Maller drang so weit vor, daß er König Orschier erblickte. Du törichter König, rief er ihm zu, jetzt ist deine Stunde gekommen, du hast schon zu lange gelebt; mit diesen Worten stach er mit seinem Speer nach ihm, und warf ihn aus dem Sattel, so daß er vom Pferde herunterfiel. Maller ergriff ihn und zog ihm den Helm ab. Otto hatte nun dem Könige bei allen Heiligen geschworen, er wolle ihn nicht verlassen, da er ihn aber unterliegen sah, da hätte er nicht König Salomons Schätze genommen, den Maller zu verhindern. Dieser holte mit dem Schwert aus und wollte Orschier den Kopf abschlagen, da eilte Lother hinzu und hielt seinen Arm. Lieber Maller, töte mir den König nicht, übergib ihn mir. Maller tat es ungern, doch folgte er Lothers Worten und ließ den König los. Edler König, sprach Lother, Ihr seht nun, was des Ottos Reichtümer Euch helfen, Ihr habt Euch selbst betrogen. Da schickte er ihn in sein Zelt, und ließ ihn genau bewachen.

Otto schaute hin und her, und wäre gern weit weg gewesen, aber er konnte vor dem Volke nicht herauskommen. Maller drang immer weiter ein, endlich sah er Otto, und machte sich Raum, um zu ihm zu gelangen; dies ward Otto gewahr, und bat einen lombardischen Ritter, die Waffen miteinander zu tauschen. Ich will es dir wohl lohnen, lieber Ritter, sagte er, denn ich möchte Mallern nicht erwarten, für kein Gut in der Welt. Der Ritter war der kühnste und tapferste unter den Lombarden, er tauschte sogleich die Waffen mit Otto, und dieser zog sich aus dem Streit gegen die Stadt zu. Maller kam nun auf den lombardischen Ritter zu, und gab ihm einen solchen Streich, daß er tot vom Pferde fiel. Nun meinte Maller, es sei Otto, und schleifte ihn nach dem Zelt, um ihn dem Lother zu überliefern. Das Volk meinte auch, Otto sei erschlagen, und zog sich zurück. Maller nahm, als er in seinem Zelt war, dem Erschlagenen den Helm ab. Als er nun sah, daß es Otto nicht war, da ärgerte er sich sehr. Einen verzagteren Buben, rief Lother, gibt es nicht auf Erden, als diesen Rotkopf.

Nun ließ Lother den König Orschier kommen und sagte: Edler König, ich mag Euch kein Leides tun, ich weiß wohl, daß mein Vetter Otto Euch geraten hat, so töricht zu handeln. Ihr seid ein verständiger Mann, bedenkt, daß ich Eurer Tochter vor dem Altar von dem Priester bin zum ehelichen Gemahl gegeben worden; Ihr wißt, daß keine Ehe zu scheiden ist, der Tod scheide sie denn. Ich schwur ihr Treue vor dem Altar, bei dem Gott, der für uns die Marter litt. Was also auch geschehen mag, und was Ihr mir auch tun mögt, ich werde Euch nie Übels erzeigen, und Euch immer als meinem Schwager ehrerbietig begegnen. – König Orschier, als er Lothern so reden hörte, fiel vor ihm nieder, umfaßte seine Knie, und wollte ihn um Verzeihung bitten; Lother gab dies aber nicht zu, dazu war er zu tugendhaft. – Gefällt es Euch, sprach Orschier, so will ich nach Konstantinopel reiten und will Euch morgen die Pforten öffnen lassen, und Otto in Eure Hand liefern. – Reitet in Gottes Namen, Herr König. – Ei, das soll er wohl nicht! rief Maller ein; ich werde ihn nicht reiten lassen, er habe mir denn in meine Hand vorher gelobt, was er Euch versprach; denn wer so oft gelogen hat wie er, dem kann man nicht so leicht trauen.

Nun gelobte Orschier mit lauter Stimme, und vor allen Anwesenden bei seinem königlichen Ehrenwort, daß er dem Heere wolle die Tore von Konstantinopel öffnen und ihnen den Otto ausliefern. Darauf ließ ihn Maller reiten; Lother begleitete ihn, und indem sie beide zusammen ritten, erzählte ihm Lother, wie er der Pilgrim sei, der Herna erschlagen und seine Tochter erlöst. Da weinte König Orschier, als er diese Erzählung anhörte, und segnete den Lother für seine Treue und seinen Heldenmut.

Sobald als König Orschier in Konstantinopel auf seinem Palast angekommen war, schickte er einen Haufen Gewaffneter nach Otto, um ihn zu suchen und zu fangen. Sie fanden den Rotkopf in einer Kammer versteckt, da lag er und schlief. Er ward gebunden vor den König geführt. Was heißt denn das? fragte er. – Gestern hast du arger Schalk mich verlassen, sprach der König, als du mich in großer Not sahst, und nun, bei dem Gott, der mich erschaffen hat, ich überliefere dich deinem Vetter Lother und Maller, seinem Gesellen. Nun erschrak Otto sehr, schrie und weinte, aber es half ihm nichts, er ward mit Händen und Füßen fest an eine Säule gebunden.

Darauf ließ der König die Pforten weit auftun, und ließ Lother mit seinem Heere einziehen. Zormerin lief Lothern entgegen, und Scheidechin Mallern, sie umarmten sich mit Liebe und gar großer Freude. Maller, fing Scheidechin an, ich glaubte schon, Ihr würdet Euch eine andere Jungfrau erworben haben. Liebes Weib, antwortete ihr Maller, und hätte ich ihrer hundert erworben, du wärst doch und bliebst die Gebieterin. Aber sei ruhig, ich habe mich wohl gehütet, und bin dir immer treu geblieben. – Sie zogen nun mit großer Freude, und unter dem Getön von Pfeifen und Cymbeln und Spielen aller Art, nach dem Palast, so daß es ein Wunder war zu hören. Lieber Gemahl, sprach Zormerin, ich wünschte nun, an dem bösen Schalk, Otto, gerächt zu sein, aber ich weiß wohl, Ihr werdet das niemals selbst tun, darum bitte ich Euch, tragt es Euerm Freund Maller auf, denn ich schwöre zu Gott, ich will nicht eher Speise oder Trank genießen, bis Otto nicht mehr lebt. Lother rief seinen Gesellen Maller, und sprach: Ich bitte dich, du wollest Otto den Kopf abschlagen, denn ich wollte um keinen Preis meine Hand an ihn legen. – Herr, antwortete Maller, habe ich nur erst Urlaub von Euch, für das übrige laßt mich sorgen. Damit band ihn Maller von der Säule ab, und führte ihn an einem Arm die Stiege hinab; Otto sah aus, als ob er schon gestorben wäre. Er ward hinaus an den Galgen geschleppt und aufgehängt.

Sie lebten nun in großer Freude zusammen; Lother und Zormerin, Maller und Scheidechin waren die glücklichsten Eheleute, die man sehen konnte; auch ward Jungfrau Synoglar mit Dietrich, dem Bastard von Karthago, vermählt. Bald darauf nahmen König Galyen und sein Sohn Otger, König Ansys und die übrigen Herren vom Hof zu Konstantinopel Abschied, und ein jeder begab sich wieder in sein Land.

 

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