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Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 2
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
wgs
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Erstes Kapitel

Eine schöne Historie will ich Euch verkünden; die Worte darin sind lieblich, und sagen von hübschen Abenteuern, welche in Wahrheit geschehen sind. Dies Buch ist aus dem Lateinischen ins Welsche, und vom Welschen ins Deutsche übertragen, und sagt von zwei getreuen Gesellen, getreuere wurden nie erdacht. Sie waren beide Fürsten; der eine war König Karls Sohn von Frankreich, und hieß Lother; der andre war des tapfern König Galyens Sohn, und hieß Maller; seine Mutter, die schönste Frau der damaligen Zeit, ward Rosamunde genannt.

Lother nahm in allen Tugenden zu, war fröhlich und heiter; darüber gefiel er allen Frauen so wohl, daß sie ihn alle liebhatten. Dies verdroß viele von der Ritterschaft sehr, sie gingen hin vor Ludwig, König Karls Sohn, und klagten über Lother. Herr, sprachen sie, Euer Bruder Lother geht stets zu unsren Frauen, und wir können es auf keine Weise verhindern. Er läßt nicht ab, wenn Ihr ihn nicht auf sieben Jahre aus dem Lande verbannt; unterdessen wird ihm vielleicht der Schimpf vergessen, und dann würde er wohl verständig genug sein, Gutes und Böses zu verstehen. Bliebe er aber hier, so mögtet Ihr fürwahr wissen, er brächte Eure hohe Verwandte in solchen Zorn und Unwillen, daß Ihr und Euer Vater nicht wissen werdet, Euch zu sichern. Darum, Herr, bitten wir Euch, dies Eurem Vater vorzulegen. – Ich will es gern tun, sprach Ludwig, ging zu seinem Vater, dem König Karl, und legte ihm die Sache vor.

König Karl schickte sogleich nach seinem Sohn Lother; er kam, und mit ihm sein Gesell Maller. Mein lieber Sohn, fing König Karl an; meine Herrn, und Getreuen, und meine hohe Mannschaft, die sind um Eurentwillen sehr erzürnt, und hassen Euch alle gar sehr, wegen der Sache, die ich Euch schon oftmals verboten habe, aber das Verbot habt Ihr nicht gehalten, welches mich nicht wenig betrübt. Nun muß ich über Euch ein Urteil sprechen: Bei dem allmächtigen Gott und seiner lieben Mutter, der reinen Jungfrau, bei allen Gottesheiligen im Himmel und dem guten St. Dyonisius, bei meiner Krone, die ich auf dem Haupte trage, und bei meinem Bart, den ich in meiner Hand halte, und bei meines Vaters und meiner Mutter Seelen, finde ich Euch in sieben Jahresfrist in den Grenzen meines Landes, und sollte ich darum ewiglich verdammt werden, so will ich Euch in einen tiefen Turm werfen, darinnen Ihr in sieben Jahren weder Sonn noch Mond werdet scheinen sehen. Als Lother seinen Vater so sprechen hörte, erstarrte ihm das Blut in seinen Adern. Lieber Herr und Vater, fing er an, wer Euch dazu riet, der ist sicher nicht mein Freund, darum bitte ich Euch sehr, seid mir nicht so ungnädig, ich hoffe, ich habe dies nicht verschuldet, ich bitte Euch um Gottes willen, beratet Euch eines Bessern. – Es mag und kann nicht anders sein, sprach Karl; nehmet Goldes und Silbers so viel Ihr bedürft, auch von meiner besten Ritterschaft, die Euch ansteht, zieht in ein anderes Land und erwerbt Ehre. Streitet gegen die Heiden, und geratet Ihr in eine Not, so laßt es mich wissen, daß ich Euch zu Hilfe komme. Fürwahr, mein lieber Sohn, Ihr müßt sieben Jahre lang aus sein, solches ist mir getreulich geraten worden; werdet Ihr nicht tun, was ich Euch heiße, so habt Ihr niemals Friede mit mir. Gedenkt alle Wege nach Ehre zu streben, wie Geryn von Mangelen tat, der dasselbe Land mit seiner Hand gewann, dazu ich ihm verhalf. Legt Ihr Euch auch so wohl an, so will ich Euch auch helfen. Seid fromm und getreu, so will ich Euch für einen Sohn halten; seid Ihr dies aber nicht, so werde ich Euch stets verleugnen. Vater, sprach Lother, ich will tun, was Ihr mich heißt. Mallern, meinen Gesellen, will ich mitnehmen, und mehrere andere Ritter, die ich gern habe. Gott empfohlen, mein lieber Vater; ich bin nicht willens, wiederzukommen, ich habe denn Ehre und ein Königreich gewonnen. Der König sprach: damit erfreust du mich gar sehr.

Wohlan, liebe Gesellen, rief Lother seinen Rittern zu, als er von seinem Vater fortgegangen war, wir wollen fort, mein Vater hat mich verbannt auf sieben Jahre aus diesem Lande; mein Herz sagt mir, ich werde nimmer ein Erbe in diesem Reiche. – Lieber Herr, sprach Maller, verzagt nicht, diejenigen, welche dem Kaiser, Euerm Vater, dies rieten, die werden schon ihren Lohn davontragen; Euch zum Schaden war es erdacht, aber ich hoffe, es soll Euch zur Ehre und zum Nutzen werden; ein junger Mann muß nicht zu Haus bleiben, sondern im fremden Lande sein Glück suchen und Ehre erwerben, denn daheim mag es ihm wohl nicht gelingen. Ich zieh mit Euch, und will Euch treulich dienen. Mit diesen Worten umarmte er ihn, und tröstete ihn. Lother ward getröstet, und sprach lachend: Ich hoffe, Gott wird mit helfen; wir wollen uns ihm befehlen und uns die Reise leicht werden lassen. Damit hieß Lother seinen Gefährten, daß sie sich bereit machen, und ihre gute Rüstungen anlegen sollten. Maller, wie die übrigen Ritter, bereiteten sich köstlich, und stellten sich vor dem Palast wohl gerüstet und im Zeuge. Lother saß auf sein Roß, nahm Abschied von den Herrn und der Ritterschaft. Diese weinten alle, da sie Lother fortziehen sahen; jene aber die dazu geraten, die lachten und waren fröhlich.

 

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