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Gutenberg > Friedrich Schlegel >

Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 15
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
wgs
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Vierzehntes Kapitel

Wir lassen hier Lothern eine Weile, und wenden uns zu Maller, seinem Gesellen. Er erholte sich wieder aus seiner Ohnmacht, und als er den Kopf ein wenig in die Höhe hob und sich umsah, da fand er nichts als Tote um und neben sich. Er kroch mit vieler Mühe unter den Toten hervor, und in den Wald. Hier setzte er sich nieder, und da seine Wunden sehr bluteten, zog er sein Wams aus, und riß sein Hemd in Binden, damit verband er sich die Wunden so gut als es gehen wollte. Darauf sah er sich um, und erblickte ein Pferd, das aus der Schlacht gelaufen war. Mit vieler Mühe ging er hin zu dem Pferde, setzte sich darauf, und ritt langsam durch den Wald.

Nicht lange war er geritten, als er eine schöne Frau erblickte, die schnell entlief, als sie ihn kommen sah; er ritt ihr nach, aber sie lief nur um desto schneller. Ach fliehet nicht, schöne Jungfrau, rief Maller, so laut er konnte; erwartet mich, ich will Euch nichts tun! – Zormerin war die Fliehende, und als sie Mallers Stimme erkannte, da stand sie still und erwartete ihn. – Ach Maller! bringst du mir Nachricht von meinem Herrn Lother? – Ja, teure Frau, mein Herr ist nach Pavia gefangen fortgeführt; ich hoffe aber, Otto ist nicht so kühn, daß er ihm das Leben nimmt. Hilft mir Gott, daß meine Wunden geheilt werden, so soll der Verräter Otto es mit seinem Königreiche büßen, dahin will ich es bringen. Aber ich nehme jetzt kein Königreich dafür, daß ich Euch, werte Frau, gefunden habe; wir wollen nach Frankreich gehen, und wollen den König Karl um Hilfe anflehen für seinen Sohn, gegen den falschen verräterischen Otto. Aber ich leide jetzt so große Schmerzen, daß ich immer fürchte, ich sterbe und komme nicht weiter. – Lieber Gesell, seid getrost, ich will Gott inbrünstig für Euch bitten, daß er Euch helfe, und auch meinem teuern Gemahl, und daß er uns räche an dem falschen Schalk Otto, der uns so viel Leid zufügt. Wer Übles tut, der entgeht seiner Strafe nicht, habe ich immer sagen hören, darum, lieber Maller, hofft auf Gottes Hilfe.

Zormerin war froh, daß sie Mallern hatte, aber er war sehr krank an seinen Wunden und litt viel Pein. Besonders hatte er eine sehr große Wunde von einem Speer im Leib, die verursachte ihm gar bittre Schmerzen. Sie ritten Schritt vor Schritt, und kamen endlich zu St. Bernhard an. Hier gingen sie in eine Herberge, wo sie beinah vier Monate lang bleiben mußten. Vierzehn Tage lang glaubte Zormerin täglich, daß Maller sterben müsse. Endlich aber ward er besser, und nach vier Monaten ging er mit Zormerin wieder hinaus. Alles, was sie besaßen, hatten sie verzehrt, und nun gingen sie arm und barfuß hinweg. Zormerin suchte ihn mit sanften Worten zu trösten, wie sie nun nach Frankreich ziehen wollten, und wie sie auf den Kaiser Karl ihre Hoffnung setzte. Maller tröstete sie wiederum, wie sie Lother aus dem Gefängnis erlösen, und sich an dem verruchten Schalk rächen wollten. So ermunterte und tröstete eins das andere, aber sie ahnten nicht, daß sie keine Hilfe bei seinen Anverwandten finden würden.

 

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