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Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 14
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
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Dreizehntes Kapitel

Als die Feierlichkeiten alle zu Ende gebracht waren, in großer Fröhlichkeit, da rüsteten sich die Christen mit frischem Mut, fielen auf das heidnische Heer hinaus, und kämpften so tapfer den Tag, daß die Heiden alle erschlagen wurden, auch König Pynart, und Helding, mußten ihr Leben lassen. Was sich retten konnte, das entfloh, und räumte das Land. Die reichen Gezelte, und viel herrliches Geräte, Geld und Gut, ward den Christen zur Beute. Den Tag wurden viel hunderttausend Heiden erschlagen, doch mußte auch viel Christenblut vergossen werden, denn die Heiden hatten tapfer gestritten.

Lother blieb noch in Konstantinopel, bis die sieben Jahre um waren, während denen sein Vater, König Karl, ihn verbannt hatte; dann sprach er zu Zormerin, wie er wünsche nach Frankreich zurückzukehren, um sie seinem Vater vorzustellen. Zormerin war dies auch gleich zufrieden. Lother ging zu König Orschier, und bat ihn um Urlaub, mit seiner Tochter nach Frankreich ziehen zu dürfen, da seine Verbannungsjahre um waren. Ich will Euch das wohl erlauben, sprach Orschier, nur müßt Ihr mir versprechen, wieder nach Konstantinopel zu kommen, wenn Ihr Euern Vater gesehen habt; darum bitte ich Euch gar freundlich, denn nach meinem Tode sollt Ihr mein Reich regieren, und sollt Kaiser von Konstantinopel sein. – Lieber Herr, sprach Lother, ich will noch ehe ein Jahr vergangen ist, wieder bei Euch sein.

Sie machten sich alle reisefertig; Lother und die schöne Zormerin, ihr geliebtes Fräulein Scheidechin, mit Maller, dem treuen Gesellen, nebst all ihrer Ritterschaft, nahmen Abschied von dem König Orschier, der seiner Tochter den Segen gab. Er sah sie nicht eher wieder, bis sie große Leiden erfahren hatte, und allesamt machten sich auf den Weg, begleitet von wohl hundert Bewaffneten. Als sie nach Rom kamen, erzeigte der Papst ihnen viel Ehre, und sie blieben vier Tage lang daselbst. Da erfuhr Otto von einem Spion, daß Lother mit seiner Gemahlin, wie auch Maller und die übrigen auf der Reise nach Frankreich seien, und daß sie ihren Weg über Pavia nehmen würden. Da ersann Otto die größte Verräterei, die jemals ist erhört worden; er versammelte nämlich zwanzigtausend Bewaffnete, und ließ damit alle Wege besetzen, auf welchen Lother mit den Seinigen kommen konnte.

Herr, sagte Maller, laßt uns lieber nicht über Pavia reisen, oder uns wenigstens gehörig rüsten, und wohl waffnen, weil Otto, dem Schalk, der nun König zu Pavia geworden, nicht gut zu trauen ist. Lother gab ihm hierin recht, und sie waffneten sich allesamt. Sie wurden aber von einem Späher bemerkt, der von Otto war hingeschickt worden, um sichre Kundschaft von Lother und seinem Gefolge zu haben. Der Spion ritt eilends zu Otto zurück, und brachte ihm die Botschaft, wie Lother und Maller mit ihren Weibern jetzt die Straße heraufgezogen kämen, und nur sehr wenige Leute mit ihnen; aber sie haben sich alle gewaffnet, so viel habe ich hinter einer Hecke, wo ich mich verbarg, wohl gesehen, danach richtet Euch, Herr König. Bei meiner Treu, sprach Otto, ihre Waffen sollen ihnen wenig helfen, denn ich will so viele Leute über sie schicken, daß wohl zehn auf einen von ihnen kommen sollen. Nun will ich mich an ihnen rächen; Lother und Maller sollen an dem Galgen hängen, und Zormerin will ich zum Weibe nehmen. Hiermit ritt er, von seiner Ritterschaft begleitet, in den Wald, wo Lother durch mußte, der auch sehr bald den Weg daherkam. Otto rannte wohl mit fünftausend Gewaffneten, mit eingelegten Speeren, auf Lother ein, den Gott in seinen Schutz nehmen wolle, weil nun ihm sowohl als seiner treuen Zormerin großes Leiden bevorsteht.

Mit großem Geschrei rannten sie auf ihn zu; Lother von Frankreich, riefen sie, du kommst nicht lebendig durch, hier mußt du sterben! Und damit liefen sie so grimmig auf sie los, wie Wölfe auf eine Herde Schafe. Zormerin, als sie dieses sah, sprang sogleich von ihrem Wagen herunter, und lief in den Wald, ganz allein, und verbarg sich daselbst.

Die Lombarden umgaben den Wagen, und suchten sie, sie fanden sie aber nicht, da nahmen sie Scheidechin gefangen, nebst allen ihren Frauen. Lother schlug auf die Lombarden kühnlich, und wehrte sich als ein Held, aber sein Pferd wurde unter ihm erschlagen, so daß es mit ihm auf die Erde fiel; da umringten sie ihn, und nachdem er viele Wunden erhalten hatte, nahmen sie ihn mit Gewalt gefangen.

Maller erschlug der Lombarden wohl zwanzig an der Zahl, er ward aber schwer verwundet, wohl dreißig Wunden hatte er, deren jede tödlich war; auch sein Pferd fiel tot unter ihm nieder, und so sank er ohnmächtig um, und lag wie tot unter den Toten. Lother ward, gebunden wie ein Dieb, mit verbundenen Augen nach Pavia geführt. Sein Herz war sehr betrübt, da er sich in der Gewalt des arglistigsten Verwandten befand, und er seufzte tief, als er an Zormerin und Maller dachte, und empfahl sie in Gottes Schutz.

Otto begab sich in seinen Palast, versammelte seine Räte und vornehme Ritterschaft, und fragte sie um Rat, was er mit Lothern machen, und wie er sich an ihm rächen solle? Er war zweifelhaft, ob er ihn aufhängen oder welche Todesart er ihn leiden lassen solle. Da trat einer der Lombarden vor Otto, und sprach: Gnädiger Herr, mich dünkt in meinem Sinn, es wäre gar übel getan, wenn Ihr Euer eignes Fleisch und Blut so jämmerlich verderbtet. Dazu ist er der edelste und tapferste Ritter, der jemals in Euerm Geschlechte geboren ward; habt Ihr auch einigen Verdruß durch ihn gehabt, so hat er doch deshalb den Tod nicht verschuldet. Tötet Ihr ihn, und König Karl erfährt es, so gewinnt weder Ihr noch Euer Geschlecht jemals Frieden, und Ihr müßtet stets in Furcht vor ihm leben. Darum, Herr, legt ihn in einen Turm, darinne haltet ihn so hart, als es Euch beliebt; wird Euch jemals dieser Rat gereuen, so folgt mir niemals wieder, ist aber jemand an Euerm Hof, dem der Rat mißfällt, der tue es kund, so will ich mit ihm kämpfen. Der Lombarde, der dies sprach, war von einem großen Geschlecht. Er selbst hatte ehedem bei Lothers Vater, dem Kaiser Karl, gedient, und war mit ihm gegen Marsilien gewesen, wo er ihm half den Grafen Ganelon gefangennehmen, darum mußte Otto seine Worte achten, und dem Rat folgen. Lother wurde also in einen Turm gelegt.

Otto schickte nach den gefangnen Frauen, da aber Zormerin nicht gefunden ward, ärgerte er sich sehr. Wo ist Eure Frau? fragte er Scheidechin. Herr, antwortete diese, vierzehn Lombarden führten sie fort, soviel ich sah, ich weiß nicht woher sie kamen, oder weiche es waren, doch fürchte ich sehr, sie bringen meine Frau zu Schaden und Unehre. Otto betrübte sich über diesen Bescheid, und ließ die Frauen in ein besonderes Gemach führen, wo ihnen hinlänglich Speise und Trank gereicht ward. Lothern ward auch ein Wundarzt geschickt, der ihm seine Wunden heilen mußte.

Otto schickte darauf Boten herum, so weit als die Lombardei reichte, welche Zormerin suchen sollten; sie ward aber nicht gefunden. Da ward Otto sehr grimmig, daß ihm sein Plan so mißglückt war, denn ihm war es hauptsächlich darum zu tun gewesen, Zormerin in seine Gewalt zu bekommen.

Lother war jetzt mit Hilfe des Arztes wieder hergestellt, nachdem er viele Schmerzen hatte ausstehen müssen. Aber er betrübte sich und klagte innig um Zormerin, denn er glaubte, sie sei in Ottos Hände gefallen. Er klagte mehr um Zormerin als um sich selber.

 

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