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Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 13
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
wgs
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Zwölftes Kapitel

König Orschier, Maller und die ganze Ritterschaft gingen ihnen entgegen, und empfingen Lother sehr ehrenvoll. Zormerin aber ging ihm nicht entgegen, sie betrübte sich, daß er eine andre Jungfrau führte, und meinte, er würde diese nun mehr lieben als sie. Sie ging trauernd in ihre Kammer, und ließ Scheidechin zu sich kommen. – O liebe Scheidechin, rief sie weinend, warum mußte ich Lothern je sehen, warum mußte ich solche Liebe zu ihm tragen, und ihm mein ganzes Herz geben? Ich habe ihm viel Liebes getan, aber nun verläßt er mich, einer Heidin zu gefallen. Schön ist sie, und eine Königstochter, so gut als ich, und das Neue liebt man ja immer mehr als das Alte! Ach liebe Scheidechin, so habe ich nun an dem heutigen Tage den verloren, den ich so von Herzen liebe! – Liebes Fräulein, sprach Scheidechin, dafür halte ich Lothern nicht, er ist gewiß der treueste Mann unter der Sonne; auch ist er viel zu weise und verständig, er weiß ja wohl, daß er durch Euch so viel Gutes und solche Ehre genießt, darum bin ich gewiß, daß er nie etwas tun wird, was Euch Leid oder Betrübnis macht. Hat er eine schöne Jungfrau mit dem Schwert gewonnen, so ist er darum viel Lobes und großer Ehre wert. Ich weiß gewiß, er tauft sie, und gibt sie dann der Gesellen einem. Sollte es sich auch zutragen, daß er einen oder ein paar Monate bei ihr wäre, so ist ihm das erlaubt, weil er noch ledig ist. Sie käme damit wohl in Schande, und Ihr bleibet dennoch die Frau.

Nein, rief Zormerin aus, ich will es nicht verschweigen, ich will Mallern meine Not klagen. – Scheidechin ging hinaus, rief Maller zu ihrem Fräulein; er ging sogleich mit ihr hinein. O Maller, sprach Zormerin, die Frau, welche ihren Sinn auf einen Mann setzt, die handelt töricht! Lother verläßt mich um einer Heidin willen, das könnt Ihr jetzt wohl sehen; nie ist er noch von einem Streit gekommen, oder er kam sogleich zu mir in meine Kammer, aber diesmal kommt er nicht. Er hat mich vergessen, obgleich ich ihm so viel Gutes getan. Verflucht sei die Stunde, da ich ihm aus seiner Armut half, verflucht das Hemd, das du für ihn wuschest, und verflucht der Brunnen, dazu meine Ohren, daß sie je deine Worte hörten! – Liebes Fräulein, klagt nicht so stark meinen Herrn an, er ist fürwahr der treueste Mann in der ganzen Christenheit. Er hat ein heidnisches Fräulein mit dem Schwert gewonnen, es ist ihm also nicht zu verdenken, daß er so lange bei ihr bleibt, bis sie die Taufe empfangen hat; seid überzeugt, sobald sie getauft ist, gibt er sie seiner Gesellen einem. Wenn Ihr erlaubt, so will ich mit Lother davon sprechen, denn es wäre nicht gut, daß Ihr etwas gegen ihn zurückhieltet. Ich weiß gewiß, Ihr findet keine Untreue in meinem Herrn. Maller beurlaubte sich hierauf von ihr, und sie blieb in ihrer Kammer.

Zormerin war in Liebe entbrannt. Welches Menschen Herz die Liebe entzündet, dem wird es an Sorge niemals fehlen. Sie schickte Scheidechin zu Lother, und ließ ihn rufen; er kam alsobald, nichts Arges denkend. Lother, redete sie ihn an, mag Euch an mir nicht genügen, daß Ihr auch noch König Pynarts Tochter habt genommen, und sie mehr liebt als mich? – Nie begehrte ich König Pynarts Tochter, antwortete Lother, und nie kann ich eine andere Frau so lieben, als ich Euch liebe, und habe auch keine andre so geliebt. Er nahm sie hierauf in seine Arme und küßte sie gar zärtlich, und setzte sich neben sie auf ihr Bett. Da kam König Orschier wohl mit sechs Rittern, von ihrer Verwandtschaft, in die Kammer; sie hatte es so mit ihnen verabredet, noch ehe sie Lothern rufen ließ. Als nun der König die beiden nebeneinander liegen sah, da sprach er: Fürwahr, Herr Lother, Ihr eilt sehr! Wollt Ihr, nachdem Ihr Euern Willen an meiner Tochter verübet, nun nach Frankreich zurückreiten, und sie in Schande und mich in Betrübnis setzen? Aber bei Gott, der mich erschaffen hat, so Ihr nun meine Tochter nicht ehelicht, so will ich Euch wohin legen, wo Ihr nimmer wieder an das Tageslicht kommt. Lother sprang auf, und sprach: Edler König, was ich mit Eurer Tochter getan habe, das sei mir wohl erlaubt, denn Ihr habt sie mir verlobt, und mir zugesagt, ich solle sie nach dem Kriege vor den Altar führen. Doch gefällt es Euch, daß dieses jetzt geschieht, so kann ich mir nichts Glücklicheres wünschen, und bin ich sogleich von Herzen dazu bereit. – Das freut mich, sprach der König, wir wollen die Sache nicht länger verschieben, und morgen früh sollt ihr in der Kirche zusammengegeben werden. – Lother war voller Freude darüber; er hätte lieber gesehen, daß es gleich den Augenblick geschähe, als daß es noch bis den andern Tag währte, denn so konnte Zormerin nicht nach ihm sich sehnen, als ihn nach ihr verlangte.

Des andern Morgens gab der Bischof Lother und Zormerin zusammen in der Kirche, und segnete sie ein; darüber freuten sie sich beide von ganzem Herzen, denn sie liebten sich gar sehr. Zu gleicher Zeit ward auch Maller mit der Jungfrau Scheidechin vermählt. Als sie aus der Kirche kamen, gingen sie zu Tische; jedermann war fröhlich, die Bürger in der Stadt bezeugten allgemein eine sehr große Freude, daß sie einen so tapfern Herrn haben sollten. Nach der Tafel begann ein großes Stechen und Rennen; den Herren und der Ritterschaft ward köstliche Ehre erzeigt, in allen Stücken, ein jeder tat das Beste, und bemühte sich einen Dank zu verdienen. Lother und Maller rannten und turnierten den ganzen Tag, und stachen manchen stolzen Ritter nieder; niemand durfte gegen sie die Bahn halten, oder gegen sie zurennen. – Maria, Mutter Gottes, sprach König Orschier, was sind diese beiden starke Helden! Sie allein machen den andern die Bahn zu enge; meine Tochter ist sicherlich wohl versorgt, und es ist auch ein schönes Paar, schönere Eheleute möchte man schwerlich finden. Seine Diener, die Herren und die Ritterschaft insgesamt gaben dem König Orschier dies gar gern zu. Alles war voll Lust und Fröhlichkeit, ausgenommen Synoglar; diese war sehr betrübt, da sie ihre ganze Hoffnung darauf gesetzt hatte, Lother sollte sie zur Frau nehmen. Lother ging zu ihr, und tröstete sie aufs beste. Liebes Fräulein, sprach er, trauert nicht, Ihr sollt gut versorgt werden. Bleibt bei meiner Hausfrau, bis ich Euch einen reichen und edeln Gemahl zuführe. Ich danke Euch, Herr, antwortete Synoglar, meine Hoffnung ist zerronnen, nun muß ich mich der Geduld befleißen.

 

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