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Lother und Maller

Friedrich Schlegel: Lother und Maller - Kapitel 10
Quellenangabe
typelegend
authorFriedrich Schlegel
titleLother und Maller
booktitleRomantische Sagen des Mittelalters
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorHermann Hesse
year1986
firstpub1823
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131206
projectidd512cda8
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Neuntes Kapitel

Maller suchte seinen Herrn auf dem ganzen Schlachtfelde; da er ihn nirgend fand, ritt er zu König Orschier: Herr König, wo ist mein Herr und Meister? – Auf meine Treu, sagte Orschier, ich weiß nichts von ihm. – Du falscher König, so dankst du dem, der dich erlöste aus der Heiden Hand? Du hast verloren den Besten, der irgend im Lande zu finden ist, denn wisse, er ist Lother von Frankreich, denn nun kann ich es dir nicht länger verschweigen; auch denke ich, das Jahr ist nun wohl um. Otto von Lombardei hat dich betrogen; mit glatten Worten hatte er meinen Herrn beredet, dessen Namen mit dem seinigen zu verwechseln. – Nun wohl, ihr Herren, rief Orschier, laßt uns alsbald Lothern suchen: alles was ich habe, möchte ich hingeben, nur ihn nicht verlieren. Da ritten sie allesamt hinaus, Lothern zu suchen, konnten ihn aber nicht finden; darüber der König und die ganze Ritterschaft sich sehr betrübten, denn alle seine Gesellen liebten ihn, besonders aber Maller, dieser wäre beinah unsinnig geworden vor großem Schmerz.

Als die Nacht einbrach, zog König Orschier wieder ein in Konstantinopel, da kam Zormerin ihm entgegen. O Vater, redete sie ihn an, Ihr werdet traurig sein, daß Ihr den habt zurückgelassen, der Euch von den Heiden erlöste; Ihr wißt nicht, wer er ist. – Ich weiß es, meine Tochter, sprach Orschier; Otto, der Rotkopf, der hat mich und dich schändlich betrogen, und hätte dazu seinen Vetter gern in Schande gebracht. Gott wolle mir Lother behüten, und wolle verhindern, daß Otto nimmermehr wieder herkäme. Zormerin weinte heftig, als sie ihren Vater so sprechen hörte. Sie gingen darauf alle zu Tisch, Zormerin aber und Maller konnten beide vor großem Leid nicht essen. Als nun die Tafel aufgehoben war, und jedermann sich in sein Zimmer begab, ging auch Zormerin in ihre Kammer und ließ Maller zu sich rufen. Da saßen sie beide die ganze Nacht zusammen, klagten und weinten um ihren Herren. Weh mir, rief Zormerin, ohne meinen Geliebten mag ich länger nicht leben! – Jungfrau, sprach Maller, hört mich, ich will morgen früh mein Leben wagen, um meinen Herrn zu suchen; ich weiß der Heiden Weise sehr wohl nachzuahmen, ich werde unter sie gehen, daß sie mich für einen der Ihrigen halten, dort will ich hören, ob mein Herr lebt oder tot ist. – Des Morgens, da es anfing zu tagen, beurlaubte er sich von Zormerin, und ging in seine Herberge und rief die Gesellen zusammen. – Ihr Freunde, legt Eure Rüstung an, ich reite hinaus zu den Heiden, und nimmer will ich wiederkommen, ich habe denn Nachricht von meinem Herrn. Ihr kennt mein Hörnchen wohl, sprach er ferner zu ihnen, ich will Euch in einen Busch führen, dort sollt Ihr meiner warten; wenn Ihr mich nun blasen hört, so kommt mir schnell zu Hilfe. – Das tun wir mit Freuden, riefen die Gesellen, bereiteten sich dann eilends, und rüsteten sich.

Maller rieb sein Angesicht mit Kräutern, die er wohl kannte, davon wurde seine Farbe ganz verändert, darauf ritt er mit den Gesellen aus der Stadt hinaus. Als sie an den Busch kamen, da bat Maller sie, daß sie hier auf ihn warten sollten. Ich reite hin in das Heidenlager, sprach er, dort zu erfahren, ob mein Herr lebt oder tot ist; und lebt er noch, so wißt, ich will ihn befreien, und sollt' ich darüber mein Leben einbüßen. – Lieber Maller, riefen sie alle einstimmig, wir wollen Euren Wink hier erwarten; und zweifelt nicht, kommt es dazu, so wollen wir getreulich arbeiten, daß Ihr uns sollt Dank wissen; jeder von uns soll zwei wert sein. – Gesellen, sprach Maller, dies danke ich Euch freundlichst. Damit ritt er dem Lager zu, und befahl sich Gott und der Jungfrau Maria, seiner Mutter. Er dachte hin und her, wie er es anstellen solle, um Nachrichten von Lother zu erfahren, als ein Haufen Heiden zu ihm stieß, die von der Fütterung kamen. Er hatte Gesicht und Hände so gefärbt, kannte auch die Sprache und die Gebärden der Heiden so wohl, und ahmte sie so natürlich nach, daß sie ihn alle für einen der ihrigen hielten. So ritt er mitten unter ihnen ins Lager hinein. Er fragte nach König Pynarts Zelt; als man es ihm gezeigt, sprang er ab von seinem Pferde, und ging geradezu hinein in das Zelt zum Könige. Mahomet, sprach er, der alle Dinge erschaffen hat, der wolle meinen Vetter, den König Pynart behüten, und wolle König Orschier nebst allen Christen verdammen. Vetter, ich bin König Glorians, deines Bruders Sohn; mein Vater hat mich zu dir hergeschickt mit zwanzigtausend Gewaffneten, dir zu helfen. Aber König Orschier und sein Heer sind im Walde über mich gekommen und haben meine Gesellen alle erschlagen. Mit großer Not bin ich ihnen entkommen; willst du mich nun nicht an ihnen rächen, so will ich mich selber töten. Damit schlug er sich selber ins Gesicht, zerraufte sein Haar und trieb so großen Jammer, daß die Heiden sich seiner erbarmten. Lieber Neffe, sprach König Pynart, faßt Euch; sagt mir, wie geht es meinem Bruder? Ihr seid sicher mein rechter Neffe, ich weiß wohl, daß mein Bruder einen schönen Sohn von Eurem Alter haben muß. – Vetter, es geht meinem Vater, Eurem Bruder, sehr wohl, er läßt Euch durch mich aufs schönste grüßen; auch bitt ich Euch freundlich, daß Ihr mich wollt zum Ritter schlagen, wonach mich von ganzem Herzen verlangt. Mein Vater hat mich auch mit darum zu Euch geschickt, daß Ihr mich mögt zum Ritter schlagen. Ach lieber Vetter, rächt mich doch auch an dem bösen Schalk Maller, der mir viel Schaden zugefügt hat, und der nur darauf lauert, wie er Euch möge Schaden zufügen. – Lieber Neffe, ich geh nicht eher weg von Konstantinopel, ich habe denn die Stadt gewonnen; dann wollen wir die Christen alle verbrennen, Maller aber in den Wind hängen. – Ach Vetter, ich kann meinen erlittenen Schaden nicht vergessen. – Du sollst ihn gar bald vergessen; ich habe wohl achtzig Christen in meiner Gefangenschaft, an diesen sollst du dich wohl rächen. –

Maller fiel auf seine Knie und rief: Edler König, so gib mir nur sogleich diese Christen, daß ich mich an ihnen räche! – Recht gern, mein lieber Neffe, du sollst sie haben, und kannst mit ihnen machen, was dir gefällt; meinethalben schinde sie und brate sie; vorher aber will ich dich zum Ritter schlagen. Da schlug König Pynart den Maller zum Ritter nach heidnischer Art. Dann stand Maller auf, ergriff seine Lanze, und nachdem er sie wohl vier- bis fünfmal sich um den Kopf geschwungen, warf er sie so weit, daß man sie mit den Augen nicht erreichen konnte. Fürwahr, sprachen die Heiden, das ist ein wackrer Geselle; wenn unser König Pynart stirbt, so wollen wir diesen zu unserm König wählen. – Mein Neffe, sagte der König, helfe mir Mahomet, wenn ich Konstantinopel gewinne, so will ich dich zum König machen über dies ganze Land, und ich will Zormerin zum Weibe nehmen. Ich habe bei dem König Orschier schon um sie angehalten, aber der Lecker versagte sie mir, darum will ich sie mir selber nehmen; König Orschier will ich als einen Dieb in den Wind hängen, und die Gefangenen sollst du haben. – Da schickte König Pynart hin, daß man die Gefangenen vor ihn führen solle; sie wurden auch alsbald hergeführt. Lother war darunter; da Maller ihn erblickte, ward ihm fröhlicher zumut, als hätte er ein Königreich gewonnen; er zog sein Schwert heraus und schlug einem gefangenen Lombarden den Kopf herunter, so machte er es dem zweiten Lombarden und so dem dritten. Otto war auch dabei; als dieser sah, wie Maller den Lombarden mitspielte, rief er überlaut: Edler König Pynart, ich will gern Gott verleugnen und will an Mahomet glauben! Da ergriff ihn Maller und wollte ihn eben wie die andern töten; König Helding rief ihm aber zu, er solle diesen leben lassen. Er will an Mahomet glauben, sprach er, darum darfst du ihn nicht töten; auch ist er mein Gefangener, er hat sich mir ergeben. – Bei Mahomet, rief Maller, desto eher muß er sterben; ein schlechter Christ wird nimmer ein guter Heide. – Nein, sprach König Helding, erst muß man ihn prüfen, er muß auf das Kreuz treten, Christum zu verhöhnen, dann wollen wir ihn beschneiden. – Neffe, sprach Pynart, erzürnt den König Helding nicht, er ist gekommen mir zur Hilfe mit wohl hunderttausend Mann. – Lieber Oheim, sagte Maller, ich bin gar sehr bekümmert, daß ich den Schalk davonkommen lassen soll; verflucht sei die Mutter, die ihn getragen hat! – Die Heiden aber waren einstimmig der Meinung, Otto müsse leben bleiben, weil er an Mahomet glauben wollte.

Da ging Maller auf Lother zu und ruckte ihn bei einem Arm, so daß er zur Erde fiel, dann gab er ihm noch einige harte Streiche über den Nacken. Lother sprang wieder auf und schlug in seiner Wut so hart auf Maller ein, daß er ihm zwei Zähne ausschlug und ihm das Blut aus Mund und Nase floß. Da fiel Maller vor König Pynart auf die Knie und rief: O edler König, laßt mich diesen Schalk aufhängen, der mich so übel hat zugerichtet! – Tu mit ihm was dir gefällt, sagte Pynart. – Einen Galgen will ich aufrichten lassen, sprach Maller, gegen Konstantinopel zu, da sollen die Christen zusehen, wie ich ihn daran hängen will. Ergreift ihn sogleich und führt ihn hinaus! – Da ward Lother gar erbärmlich ergriffen und gebunden, und ein Strick um seinen Hals geworfen. Da rief Lother zu Gott von ganzem Herzen, daß er seiner Seele gnädig sein möge.

Der Galgen ward auf dem Berge gegen Konstantinopel zu aufgerichtet, obgleich König Helding meinte, es wäre nicht gut getan. Wenn die Christen, sagte er, es sehen, denn sie haben alle Bäume von dieser Seite abgehauen, um alles zu sehen, was wir tun, so können sie uns leicht überfallen und einen Schrecken verursachen. Maller aber blieb dabei, die Christen sollten eben zusehen müssen, wie Lother gehängt werde. Als die Gesellen in dem Busch den Galgen aufrichten sahen, da baten sie flehentlich zu Gott, es möge Lother und Maller kein Unglück bedeuten, und es möge Maller sein Unternehmen glücken; setzten sich auch sogleich auf ihre Rosse, denn sie dachten wohl, es müsse nun bald etwas setzen, um sogleich in Bereitschaft zu sein, wenn sie Maller auf seinem Horn würden blasen hören; und nun standen sie alle fertig und willig zum Streit.

Maller führte Lothern gebunden zum Galgen, und viel Heiden mit ihm. Lother seufzte tief und sagte: Ach Zormerin, ach Maller, du treuer Geselle, ich sehe Euch nie wieder, Gott dem Allmächtigen empfehle ich Euch! – Da rief Maller in seinem Herzen zu Gott, daß er ihm zu Hilfe kommen möge, denn er sah sich allein, von den Heiden umringt, und wußte nicht, wie er es anfangen würde, seinen Herrn zu retten. Als sie unter den Galgen gekommen waren, da rief Lother Gott von ganzem Herzen an, daß er seiner Seele möge barmherzig sein. Dann rief er: Vater, wüßtet Ihr, wie hart es mir geht, es würde Euch doch wohl erbarmen. Lebt wohl, Zormerin, geliebte Jungfrau, treuer Geselle mein, nie sehe ich Euch beide mehr, die ich sehr liebte. Ach Maller, wüßtest du, wie man mich hier hängen will, ich weiß gewiß, du kämest mir zu Hilfe. Aber ich habe dich verloren, und auch dich, schöne Zormerin; der Galgen wird schon aufgerichtet, und nimmer seh ich Euch wieder!

Höre, du Schalk, sprach Maller, willst du deinen Glauben verleugnen, und an Mahom glauben, so sollst du leben. – Nimmermehr, sprach Lother; führt mich zum Galgen, und laßt mich nur noch so lange leben, daß ich mein Gebet verrichte. – Du Unseliger, fing Maller wieder an, willst du deinen Glauben nicht verleugnen? – Nimmermehr! – Lother weinte heiß, da er geführt ward. Maller tat es tief in der Seele weh, daß er ihn weinen sah. Laßt ihn los, sagte er zu denen, die ihn hielten, laßt ihn frei stehen, während er betet. Da fiel Lother auf seine Knie, und als Maller ihm noch einmal zurief, seinen Glauben zu verleugnen, da hob er an mit lauter Stimme: Ewiger Gott Vater, wer dich verleugnet, wer an dich nicht glaubt, der ist kein Biedermann. Du hast Himmel und Erde geschaffen, dann gebar dich die Mutter, die reine Magd, du Gott und Mensch, und du hast die Milch ihrer Brust gesogen. O Maria, Gottes Mutter, du sahst deinen Sohn auf den Berg Calvari führen, wo er die Marter litt um unsrer Versöhnung willen, und als er am Kreuze starb, da ward die Sonne verfinstert, und die Erde spaltete sich. Du erstandest am dritten Tage, und fuhrest zum Himmel, und schicktest deinen Jüngern deinen heiligen Geist. Hernach holtest du deine liebe Mutter, und kröntest sie zum ewigen Leben. Ewiger Gott, so wahr ich dieses glaube, so wolltest du mir heute barmherzig sein, und meine Seele in deinen göttlichen Schutz nehmen. Hiermit stand Lother auf, und machte das Zeichen des heiligen Kreuzes über sich. Während er gebetet, hatte Maller auf seinem Horn geblasen, und sah nun die Gesellen aus dem Busch wohlgerüstet herzureiten. Da eilte er auf Lother zu, als dieser eben von seinen Knien aufstand, band ihm die Augen auf, und sprach eilig: Erkennt mich, Herr, ich bin Maller, Euer Geselle; hier nehmt diesen Ring, Zormerin sendet ihn Euch, sie trauert sehr um Euch. Damit schlug er einem Heiden den Kopf herunter, nahm dessen Schwert, und gab es Lother. Hier Herr, nehmt das Schwert, wehrt Euch! Da schlugen sie beide kühn um sich her, alles nieder was vor ihnen war. Die Heiden, da sie sich von Maller betrogen sahen, liefen hinzu, um sich zu wehren; unterdessen kamen auch die andern Gesellen aus dem Busch herzu, und führten zwei gute Pferde, Lother und Maller saßen schnell auf, und indem sie bald flohen, bald sich umwendeten und auf die Heiden schlugen, eilten sie gegen Konstantinopel zu; die Heiden verfolgten sie hart. König Orschier stand auf der Mauer, und sah das greuliche Jagen auf dem Felde, da sprach er: ich hoffe, es ist Maller, der den Lother zurückbringt; wohlauf Gesellen, daß wir ihnen zu Hilfe kommen! Da blies er auf seinem Horn, alles rüstete sich, und ritt mit ihm aus der Stadt, und nun fing ein gewaltiges Streiten an. Da Orschier Lother erkannte, freute er sich, ritt zu ihm hin, und fragte ihn: wie er aus der Gefangenschaft erlöst sei? Das sage ich Euch ein andermal, sprach Lother, jetzt ist es Zeit zu streiten. Damit eilte er in den Grund, zog einem Toten den Harnisch ab, rüstete sich damit, auch mit einem Helm und übrigem Zeug, und schlug tapfer auf die Heiden, die sich stark wehrten. Einer ritt hin zu dem Graben, und rief der Prinzessin zu, die auf dem Turm dem Streit zusah: Lother wäre am Leben, und frei. Da dankte sie Gott mit heißen Zähren, und bat die Jungfrau um weiteren Schutz für den Geliebten. Der Streit war heiß; König Helding rannte gegen Maller, ward aber von ihm vom Pferde herabgestochen; Mallers Pferd fiel auch, sie standen aber beide wieder auf, und Helding begab sich zurück. Heute will ich die Christen vertilgen! rief König Pynart. Hättet ihr Lother und Maller, sprachen seine Diener, so möchtet Ihr die Christen wohl überwinden. – Diese beiden aber schlugen so kühnlich, daß keiner gegen sie zu stechen vermochte. König Pynart kam auf Maller los, den er an seinem Schild wohl erkannte. Bösewicht, rief er, falscher Verräter, daß du gehangen wärst! Wie durftest du Schelm es wagen, mich Vetter zu nennen? – Lieber Herr Vetter, sprach Maller wieder, die Vetterschaft verleugne ich nimmer. – Da rannte Pynart mit seinem Speer gegen ihn, und wollte ihn vom Pferde stechen, Maller aber traf ihn mit seinem Speer so hart, daß er ihn durch den Leib stach, wovon er vor großem Schmerz auf die Erde fiel. König Helding kam dem Pynart zu Hilfe, sonst hätte Maller ihn vollends getötet. Vetter, rief Maller, ich will Gott ewig für den bitten, der Euch vom Pferde stach. – Ach weh mir, sagte König Pynart, was habe ich für eine böse Verwandtschaft gefunden! – Darauf ward er in sein Zelt zurückgetragen, wo er den Otto nicht mehr fand. Dieser war entflohen, und nach der Lombardei zurückgelaufen.

Als er heimkam, da fand er den König, seinen Vater, tot. Das Volk empfing ihn als seinen rechtmäßigen Herrn, und er ward zum König gekrönt. Er tat nachmals seinem Vetter Lother noch vieles Leid, wie man hernach erfahren wird. Er bedachte wenig die große Ehre, die ihm in Lothers Namen widerfahren war, auch daß dieser ihm nie Übles getan, obgleich er selbst ihm gar vieles Übel zugefügt. Dennoch haßte er den Lother, und gönnte ihm nie etwas Gutes; schwur auch einen Eid bei Gott, daß, könnte er Lother und Maller einen Schaden tun, er es nie unterlassen wolle. Er hielt auch seinen Schwur, wie man hernach hören wird.

Da es nun spät wurde, da zog König Orschier mit seinem Volk wieder in die Stadt Konstantinopel ein. Als Zormerin das Heer kommen sah, ging sie ihrem Vater entgegen vor dem Palast; da sie Lothern erblickte, da erschrak sie vor Liebe so sehr, daß sie nicht ein Wort sprechen konnte. Lother, sprach der König, ich gebe Euch meine Tochter, die hier steht. – Herr, das danke ich Euch gar herzlich, antwortete Lother, und weil Ihr sie mir nun gegeben habt, so erlaubt, daß ich sie umarme. Ging darauf zu ihr, umarmte sie und küßte sie mit großer Wonne. Nahm sie dann in seine Arme, und sprach: Geliebte Frau, danket meinem Gesellen Maller, der hat mich erlöst von den Heiden. Er hat um meinetwillen getan, was nie ein Mann um des andern willen je tat. Geliebter Herr, sprach Zormerin, wärt Ihr gestorben, ein größeres Leid hätte mir nicht geschehen können.

Darauf gingen sie allesamt in den Saal, ein jeder legte seine Waffen ab und saßen nieder an den Tisch. Orschier ließ Lother neben Zormerin sitzen, und seinen Gesellen Maller bei ihm. Da sie gegessen hatten, da fing Maller an zu erzählen, wie er den König Pynart überredet hätte, er sei sein Vetter, und alles was ihm auf dem Zuge begegnet, Wort für Wort. Darüber fing König Orschier an zu lachen und alles Volk lachte sehr.

 

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