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Lord Jim

Joseph Conrad: Lord Jim - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
titleLord Jim
authorJoseph Conrad
translatorHedwig Lachmann
publisherS. Fischer
addressBerlin
year1927
senderreuters@abc.de
created20040806
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Achtundzwanzigstes Kapitel

Der besiegte Scherif Ali floh ohne Aufenthalt aus dem Lande, und als die elenden, verfolgten Dorfbewohner aus dem Dschungel in ihre verfallenden Häuser zurückkrochen, ernannte Jim, in Übereinstimmung mit Dain Waris, die Häuptlinge. So wurde er der wirkliche Herrscher des Landes. Was den alten Tunku Allang angeht, so kannte dessen Furcht anfangs keine Grenzen. Es hieß, daß er sich bei der Nachricht von der erfolgreichen Erstürmung des Berges mit dem Gesicht zur Erde auf den Bambusboden seiner Audienzhalle geworfen habe und eine ganze Nacht und einen ganzen Tag regungslos liegengeblieben sei; dabei habe er schreckliche, erstickte Laute ausgestoßen, so daß ihm niemand auf Speereslänge zu nahen wagte. Schon sah er sich schimpflich aus Patusan verjagt, verlassen und entblößt umherirrend, ohne Opium, ohne seine Frauen, eine Jagdbeute für den erstbesten Strauchdieb. Nach Scherif Ali würde er an die Reihe kommen, und wer konnte einem Angriff unter dem Befehl eines solchen Teufels widerstehen? Und in der Tat verdankte er sein Leben und alle Macht, die er zur Zeit meines Besuchs bei Jim noch besaß, einzig Jims Gerechtigkeitssinn. Die Bugis zeigten außerordentlich große Lust, alte Schulden heimzuzahlen, und der unbewegliche alte Doramin hegte die Hoffnung, daß sein Sohn Herrscher von Patusan werden würde. Bei einer unserer Zusammenkünfte ließ er mich behutsam einen Einblick in seinen geheimen Ehrgeiz tun. Nichts konnte in seiner Art feiner sein als die würdevolle Vorsicht seiner Enthüllungen. Er selber – fing er an auseinanderzusetzen – habe in jungen Jahren seine Kräfte gebraucht, jetzt aber sei er alt und müde geworden... Mit seiner wuchtigen Gestalt, den hochmütigen kleinen Augen, aus denen kluge, forschende Blicke schossen, mahnte er einen unwiderstehlich an einen listigen alten Elefanten; seine umfangreiche Brust hob und senkte sich gewaltig und regelmäßig, wie die Dünung einer ruhigen See. Auch er habe, beteuerte er, ein unbegrenztes Vertrauen in Tuan Jims Weisheit. Wenn er nur ein Versprechen erhalten könnte! Ein Wort würde genügen! Seine Atempausen, das leise Grollen seiner Stimme wirkten wie der Nachklang eines abziehenden Gewitters.

Ich machte den Versuch, den Gegenstand zu wechseln. Es war schwierig, denn es konnte keine Frage sein, daß Jim die Macht besaß; in seinem neuen Bereich war anscheinend nichts, das nicht seiner Entscheidung unterstanden hätte. Aber dies, ich wiederhole es, war nichts im Vergleich zu der Überzeugung, die ich bekam, während ich mit einem Anschein von Aufmerksamkeit zuhörte: daß er es endlich doch fast erreicht hatte, sein Schicksal zu meistern. Doramin war besorgt um die Zukunft des Landes, und ich war überrascht von der Wendung, die er seinen Bedenken gab. Das Land bleibt, wo es Gott hingesetzt hat, aber die weißen Menschen – sagte er – kommen zu uns und gehen nach einer Weile wieder fort. Sie gehen fort. Diejenigen, die sie zurücklassen, wissen nicht, wann sie ihre Rückkehr erwarten dürfen. Sie gehen in ihr eigenes Land, zu ihrem eigenen Volk, und so würde auch dieser Weiße es machen... Ich weiß nicht, was mich dazu bewegte, mich so weit zu vergessen, daß ich ein heftiges »Nein, nein« einwandte. Wieviel ich damit verraten hatte, kam erst zutage, als Doramin mir sein Gesicht voll zukehrte – dessen Ausdruck, in tiefe, harte Falten eingebettet, unverändert starr wie eine riesige, braune Maske blieb – und nachdenklich sagte, dies sei in der Tat eine gute Nachricht; und dann wünschte er den Grund zu wissen.

Seine hexenhafte, mütterliche kleine Frau saß an meiner andern Seite, mit hochgezogenen Füßen und verhülltem Kopf, und schaute durch die große Maueröffnung. Ich konnte nur eine heraushängende graue Haarsträhne, einen vortretenden Backenknochen, eine leicht kauende Bewegung ihres scharfen Kinns sehen. Ohne die Augen von der weiten Fernsicht der Wälder, die sich bis zu den Bergen ausdehnten, abzuwenden, fragte sie mich mit klagender Stimme, warum er in so jungen Jahren die Heimat verlassen habe und so weit, durch so viele Gefahren gewandert sei? Ob er kein Haus, keine Anverwandten in seinem eigenen Lande habe? Lebte ihm keine alte Mutter, der sein Gesicht immer vor Augen stand?

Ich war völlig unvorbereitet auf diese Fragen. Ich konnte nur stammeln und unsicher den Kopf schütteln. Nachträglich wurde mir bewußt, daß ich in dem Bemühen, mich aus der Klemme zu ziehen, eine klägliche Figur abgegeben haben muß. Jedenfalls schwieg der alte nakboda von diesem Augenblick an. Er war nicht sehr erfreut, fürchte ich, und offenbar hatte ich ihm zu denken gegeben. Sonderbarerweise wurde ich an dem Abend desselben Tages (der mein letzter in Patusan war) nochmals vor die gleiche Frage gestellt: das nicht zu beantwortende Warum von Jims Schicksal. Und dies bringt mich auf die Geschichte seiner Liebe.

Wahrscheinlich meint ihr, es sei eine Geschichte, wie ihr sie euch selber ausdenken könnt. Wir haben so viele solcher Geschichten gehört, und die Mehrzahl von uns hält sie für gar keine wahren Liebesgeschichten. Den größten Teil davon betrachten wir als Gelegenheitsgeschichten: flüchtige Leidenschaften im besten Fall oder vielleicht nur jugendliche Verlockungen, die am Ende der Vergessenheit anheimfallen müssen, wenn sie auch durch sehr wirkliche Zärtlichkeit und Schmerzen hindurchgehen. Diese Ansicht trifft meistens zu, und vielleicht auch in diesem Fall... Doch ich weiß es nicht. Diese Geschichte zu erzählen, ist keineswegs so leicht, wie es vom gewöhnlichen Standpunkt aus wäre. Anscheinend ist es eine Geschichte, die sich nicht sehr von den andern unterscheidet: für mich aber steht im Hintergrund die trauervolle Gestalt einer Frau, der Schatten eines grausamen Wissens, in einsamem Grabe bestattet, und sieht mich sehnsüchtig, hilflos, mit versiegelten Lippen an. Das Grab selbst, wie ich es bei einem frühen Morgenspaziergang fand, war ein ziemlich formloser, brauner Hügel, von einem hübsch eingelegten Rand aus weißen Korallen eingefaßt und von einem runden Zaun aus gespaltenen jungen Bäumen umgeben, an denen die Rinde gelassen worden war. Ein Gewinde von Blättern und Blumen hing um die Spitzen der schlanken Pfosten – und die Blumen waren frisch.

So kann ich, ob der Schatten nun meiner Einbildung entstammt oder nicht, jedenfalls auf die bedeutsame Tatsache eines unvergessenen Grabes hinweisen. Wenn ich euch noch außerdem sage, daß Jim mit seinen eigenen Händen an dieser schlichten Umzäunung gearbeitet hatte, so werdet ihr sofort den Unterschied, die besondere Note der Geschichte merken. In seiner Hingabe an das liebevolle Andenken eines andern menschlichen Wesens liegt etwas von seinem ausgeprägten Ernst. Er hatte ein Gewissen, und es war ein romantisches Gewissen. Während ihres ganzen Lebens hatte die Frau des unnennbaren Cornelius keinen andern Gefährten, Vertrauten und Freund gehabt als ihre Tochter. Wie das arme Weib dazu gekommen war, den fürchterlichen malakkischen Portugiesen zu heiraten – nach der Trennung von dem Vater ihrer Tochter – und wie diese Trennung zustande gekommen war, ob durch Tod, der manchmal barmherzig sein kann, oder durch den unbarmherzigen Zwang des Herkommens, ist mir ein Geheimnis geblieben. Nach dem Wenigen zu schließen, das Stein (der so viele Geschichten wußte) mir zu verstehen gab, war sie keine gewöhnliche Frau gewesen. Ihr eigener Vater war ein Weißer, ein hoher Beamter, einer jener glänzend begabten Männer, die nicht geistlos mit einem Erfolg Wucher treiben und deren Laufbahn so oft mitten im Aufstieg abgeschnitten wird. Ich nehme an, auch sie muß der rettenden Geistlosigkeit ermangelt haben – und ihre Laufbahn endete in Patusan. Unser allgemeines Schicksal... denn wo ist der Mensch – ich meine: der wahre, empfindende Mensch, der sich nicht entsänne, mitten in der Fülle des Besitzes von jemand oder etwas, das ihm teuerer war als das Leben, verlassen worden zu sein?... unser allgemeines Schicksal verfolgt die Frauen mit besonderer Grausamkeit. Es straft nicht wie ein Gebieter, sondern verhängt bleibende Qualen, als hätte es einen geheimen, unstillbaren Haß zu kühlen. Man sollte meinen, daß es die ihm auf Erden zuerteilte Herrschergewalt am meisten gegen jene Wesen braucht, die sich am ehesten über die Fesseln der irdischen Vorsicht zu erheben vermögen; denn nur die Frauen können zuweilen ein Etwas in ihre Liebe legen, eben greifbar genug, um Schrecken, einen überirdischen Hauch zu vermitteln. Ich frage mich oft, wie ihnen die Welt erscheinen mag – ob in der Gestalt und Verfassung, die wir kennen, ob mit der Luft, die wir atmen! Manchmal meine ich, sie müsse ihnen als ein Höhenreich jenseits aller Vernunft erscheinen, erfüllt von den Wallungen ihrer gefühlsdurstigen Seelen, erhellt von dem Glanz aller möglichen Gefahren und Entsagungen. Ich fürchte indessen, es gibt nur sehr wenig wirkliche Frauen in der Welt, obgleich ich mir natürlich über die Menge der Menschen und über die zahlenmäßige Gleichheit der Geschlechter im klaren bin. Doch bin ich sicher, daß die Mutter ebensosehr wahrhaft Frau war, wie es die Tochter zu sein schien. Ich muß mir immer wieder das Bild dieser beiden Frauen vergegenwärtigen. Zuerst das junge Weib und das Kind, dann die alte Frau und das junge Mädchen, dazu das ewige Gleichmaß und den raschen Flug der Zeit, die unübersteigbare Schranke der Wälder, die Verlassenheit und den Aufruhr um diese beiden einsamen Leben; und jedes Wort, das sie wechselten, schwer von trübem Sinn. Geständnisse müssen gemacht worden sein, nicht so sehr über Tatsachen, als über innerste Gefühleüber Reue, Furcht –, Warnungen dazu, ohne Zweifel: Warnungen, die die Jüngere nicht völlig verstand, bis die Ältere tot war und Jim daherkam. Dann, bin ich überzeugt, verstand sie viel – nicht allesvor allem die Furcht, scheint es. Jim nannte sie mit einem Wort, das etwas Kostbares, einen kostbaren Edelstein bezeichnetJuwel. Hübschnicht wahr? Doch bei ihm war nichts verwunderlich. Er war seinem Glück ebensosehr gewachsen, wie eralles in allem – seinem Unglück gewachsen gewesen sein muß. Er nannte sie Juwel; und er sagte es, wie er Anna gesagt haben würde, in einem ehelichen, häuslichen, friedvollen Ton. Ich hörte den Namen zum erstenmal zehn Minuten nach meiner Ankunft in seinem Hof, als er die Treppe hinaufstürzte, nachdem er mir bei der Begrüßung beinahe den Arm ausgerissen hatte, und an der Tür unter dem schweren Dachvorsprung einen übermütigen, knabenhaften Lärm schlug. Juwel! Hallo! Juwel! Rasch! Ein Freund ist da... Und plötzlich beugte er sich in der dunklen Veranda zu mir vor und stammelte: Wissen Siedies Sie verstehen schonSie glauben nicht, wieviel ich ihr verdankekurzum, es ist genau so, als ob ich... Sein hastiges, ängstliches Geflüster wurde durch das Auftauchen einer weißen Gestalt im Hause und einen leisen Ausruf der Überraschung unterbrochen, und ein kindliches, doch energisches kleines Gesicht mit feinen Zügen und einem tiefen, aufmerksamen Blick guckte aus dem Düster drinnen heraus wie ein Vogel aus seinem Nest. Der Name fiel mir natürlich auf; doch brachte ich ihn erst später mit einem eigentümlichen Gerücht in Verbindung, das mir auf meiner Reise, an einem kleinen Küstenplatz, etwa zweihundertdreißig Meilen südlich vom Patusan-Fluß, zu Ohren gekommen war. Steins Schoner, in dem ich meine Fahrt machte, hatte dort angelegt, um irgendwelche Produkte einzunehmen; und als ich an Land ging, fand ich zu meinem großen Erstaunen, daß sich der klägliche Ort eines bevollmächtigten Hilfsresidenten dritter Klasse rühmen konnte, eines beleibten, schmierigen, blinzelnden Mischlings mit aufgeworfenen, glänzenden Lippen. In fand ihn in widerlich aufgeknöpftem Hausanzug in einem Rohrliegestuhl, mit einem großen grünen Blatt auf seinem dampfenden Kopf und einem ebensolchen, das ihm als Fächer diente, in der Hand... Auf dem Weg nach Patusan? So, so. Steins Handelsgesellschaft. Er wußte schon. Hatte Konzession. Ging ihn nichts an. Es ließe sich jetzt dort aushalten, bemerkte er nachlässig und näselte weiter: »Irgendein hergelaufener Weißer soll sich dort eingeschlichen haben... He? Was? Freund von Ihnen? So!... Dann ist es also wahr, daß einer von diesen vordamte... – Was treibt er da? Hat sich eingeschlichen, der Lumpenkerl. He? Ich wußte es nicht gewiß. PatusanGurgelabschneidergeht uns nichts an. Er hielt inne und stöhnte. Puh! Allmächtiger! Die Hitze! Die Hitze! Nun, es kann doch was Wahres an der Geschichte sein und... Er schloß eines seiner widerwärtigen glasigen Augen (das Augenlid zitterte beständig), während er mich mit dem andern fürchterlich anstierte. Sehen Sie«, sagte er geheimnisvoll, wennverstehen Sie?wenn er wirklich etwas ergattert hat, was Wert hat – nicht so ein Stück grünes Glasauf das Ihr so aus seidSie verstehen?Ich bin ein Regierungsbeamter, sagen Sie dem Schurken... He? Was? Freund von Ihnen? ... Er schaukelte sich ruhig weiter in seinem Stuhl.... So sagten Sie; gut, gut. Freut mich, Ihnen den Wink geben zu können. Ich vermute, Sie wollen da auch etwas holen! Unterbrechen Sie mich nicht. Sagen Sie ihm also, daß ich von der Sache Kenntnis bekommen, meiner Regierung aber keinen Bericht erstattet habe. Noch nicht. Verstanden? Wozu einen Bericht? Eh? Sagen Sie ihm, daß er zu mir kommen soll, wenn sie ihn lebendig aus dem Lande herauslassen. Er täte gut, auf seiner Hut zu sein. Eh? Ich verspreche, keine Fragen an ihn zu stellen. Ganz im Vertrauen – Sie verstehen. Sie sollen auch was von mir haben. Kleine Kommission für die Mühe. Unterbrechen Sie nicht. Ich bin ein Regierungsbeamter und mache keinen Bericht. Das ist Geschäft. Sie verstehen. Ich kenne ein paar gute Leute, die alles kaufen, was der Mühe wert ist, und ihm mehr Geld geben können, als der Bursche in seinem Leben gesehen hat. Ich kenne seinesgleichen. Er blickte mich unverwandt mit beiden offenen Augen an, während ich vollkommen verdutzt dastand und mich fragte, ob er verrückt oder betrunken sei. Er schwitzte, schnaufte, stöhnte leise und kratzte sich mit solch unerschütterlicher Ruhe, daß ich den Anblick nicht lange genug ertrug, um das Rätsel lösen zu können. Am folgenden Tag, da ich zufällig mit den Leuten des kleinen, eingeborenen Hofstaats am Platze sprach, erfuhr ich, daß eine Geschichte von einem geheimnisvollen Weißen in Patusan die Küste entlangwanderte, der in den Besitz eines seltenen Edelsteinsnämlich eines Smaragds von enormer Größe und unschätzbarem Wertgelangt war. Der Weiße hatte ihn, sagte man mir, teils durch Ausübung seiner wunderbaren Kraft und teils durch List von dem Herrscher eines fernen Landes, aus dem er gleich nachher geflohen war, erbeutet und war in äußerster Bedrängnis nach Patusan gekommen, wo er die Leute durch seine furchtbare Wildheit, die anscheinend nichts zu zähmen vermochte, in Schrecken hielt. Die meisten meiner Gewährsmänner waren der Meinung, daß der Stein wahrscheinlichwie der berühmte Stein des Sultans von Succadana, der in alten Zeiten Krieg und unsägliches Mißgeschick über das Land heraufbeschwor – Unglück brachte. Vielleicht war es sogar der nämliche Steines ließ sich nicht sagen. In der Tat ist die Geschichte eines fabelhaft großen Smaragds so alt wie die Ankunft der ersten Weißen im Archipel; und der Glaube daran ist so beharrlich, daß noch vor weniger als vierzig Jahren von Holland aus eine amtliche Untersuchung stattgefunden hat, was daran Wahres sei. Solch ein Edelsteinerklärte mir ein Alter, von dem ich den größten Teil dieses Jim-Mythus hörteeine Art Schreiber des jämmerlichen kleinen Rajah am Platze – solch ein Edelstein, sagte er und richtete seine armen halbblinden Augen auf mich (er saß aus Ehrfurcht auf dem Fußboden der Kajüte), wird am besten verwahrt, indem man ihn an dem Leibe einer Frau verbirgt. Doch nicht jede Frau ist gleich gut dazu. Sie muß jung sein – er seufzte tief – und unempfindlich gegen die Verführungen der Liebe. Er schüttelte zweiflerisch den Kopf. Doch schiene es eine solche Frau tatsächlich zu geben. Man habe ihm von einem großgewachsenen Mädchen erzählt, das der weiße Mann mit großer Achtung und Sorgfalt behandle und die niemals ohne Begleitung aus dem Hause gehe. Man sagt, der Weiße könne täglich in ihrer Begleitung gesehen werden; sie gingen offen Seite an Seite, wobei er ihren Arm unter dem seinen hielt – an seine Seite gedrückt – so – in einer höchst ungewöhnlichen Art. Dies könnte eine Lüge sein, räumte er ein, denn es wäre in der Tat etwas, was jemand nicht leicht täte: doch könne andererseits kein Zweifel darüber herrschen, daß sie des weißen Mannes Edelstein auf ihrer Brust verborgen trage.

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