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Lionel Lincoln oder die Belagerung von Boston

James Fenimore Cooper: Lionel Lincoln oder die Belagerung von Boston - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleLionel Lincoln oder die Belagerung von Boston
publisherVerlag von S. G. Liesching
printrunZweite Auflage
year1851
translatorEduard Mauch
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150324
modified20170303
projectid025dd028
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Zweiunddreißigstes Kapitel.

Alter hat trübe Tage
Und Nächte schlafloser Pein!
Du gold'ne Zeit der Jugendblüth',
Nicht wieder kehrst Du ein?

Burns.    

 

Dieser unerwarteten Ankündigung folgte eine Stille, welche dem kalten Schweigen Derer, die rings um sie her schlummerten, vollkommen ähnlich war. Lionel trat erschrocken einen Schritt zurück; dann dem Beispiel des Greises folgend, entblößte er sein Haupt in frommer Ehrfurcht vor seiner Mutter, deren Gestalt in unbestimmten Umrissen, wie die frühesten Erinnerungen der Kindheit oder die unvollkommenen Bilder eines Traumes, vor seiner Einbildungskraft dämmerte. Nachdem er diesen Gefühlen Zeit gelassen, sich etwas zu beruhigen, wandte er sich zu Ralph und sagte:

»Und hierher wollten Sie mich bringen, damit ich endlich das Unglück meiner Familie erfahre?«

Ein Ausdruck der Angst flog über des Andern Züge, während er mit einer bis zur Sanftheit gedämpften Stimme antwortete:

»Ja hier – hier vor Deiner Mutter Grab sollst Du die Geschichte hören!«

»So laß' es hier geschehen!« sprach Lionel weiter, dessen Auge bereits von einem wilden, wirren Feuer leuchtete, welches das Blut im Herzen der ängstlichen Cäcilie erstarren machte, die den Ausdruck seiner Mienen mit tiefer Bekümmerniß bewachte. – »Hier auf dieser geheiligten Stelle will ich hören und gebührende Rache schwören, wenn all' Deine früheren Andeutungen wahr seyn sollten – –«

»Nein, nein, nein – höre nicht – bleibe nicht!« rief Cäcilie und schmiegte sich in unverstellter Angst an seine Seite: – »Lincoln, Du bist auf diese Scene nicht gefaßt!«

»Ich bin auf Alles gefaßt, in einer solchen Sache.«

»Nein, Lionel, Du überschätzest Deine Kräfte! – Denke jetzt allein auf Deine Sicherheit; in einem anderen, glücklicheren Augenblick sollst Du Alles erfahren: – ja – ich – Cäcilie – Deine Braut, Dein Weib, verspreche Dir, Alles soll enthüllt werden – –«

»Du!«

»Es ist die Abkömmlingin der Wittwe John Lechmere's, welche spricht, und Deine Ohren werden die Töne nicht zurückweisen,« sagte Ralph mit einem Lächeln, das wie Spott auf die erregten Gefühle des jungen Mannes einwirkte. – »Geh' – Du taugst besser zu einer Hochzeit, als auf einen Kirchhof!«

»Ich habe gesagt, daß ich auf Alles gefaßt bin,« antwortete Lionel ernst: »hier will ich sitzen auf diesem niedrigen Stein und Alles hören, was Sie vorbringen können und mögen dann auch Legionen der Rebellen sich rings zu meinem Untergange versammeln!«

»Wie! Du wagst dem abgewendeten Blicke eines Wesens zu trotzen, das Deinem Herzen so theuer ist?«

»Allem, Allem will ich trotzen,« rief der aufgeregte Jüngling, »wenn ich es einem so frommen Zwecke opfern soll!«

»Gut geantwortet! und der Lohn ist nahe; – nein, blicke nicht auf die Sirene, Du wirst sonst wieder schwach werden.«

»Mein Weib!« sprach Lionel, und streckte die Hand freundlich nach Cäcilien's zurückbebender Gestalt.

»Deine Mutter!« fiel Ralph dazwischen und deutete mit seiner ausgetrockneten Hand nach dem Grabe.

Lionel sank auf den verwitterten Grabstein, auf den er eben angespielt hatte; den Rock um sich geschlagen, stützte er seinen Arm auf's Knie, während seine Hand das zitternde Kinn faßte als ob er verzweiflungsvoll nur seinem düsteren Vorhaben sich hingeben wolle. Der alte Mann lächelte mit seinem gewöhnlichen geisterhaften Ausdruck, als er diesen Beweis seines Erfolges vor Augen sah und nahm einen ähnlichen Sitz auf der entgegengesetzten Seite des Grabs ein, das der Brennpunkt ihrer gemeinsamen Theilnahme geworden zu seyn schien. Er bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen und schien in eifrigem Nachsinnen damit beschäftigt, seine aufgeregten Gedanken zu sammeln. Während dieser kurzen eindrucksvollen Pause, fühlte Lionel, wie die zitternde Gestalt Cäcilien's an seiner Seite sich herabließ, und ehe sein bejahrter Gefährte zu sprechen begann, blickte er noch einmal in ihr bleiches, unverschleiertes Antlitz, das die Veränderung in seinen eigenen Zügen mit hingebungsvoller, ängstlicher Aufmerksamkeit betrachtete.

»Du weißt bereits, Lionel Lincoln,« begann Ralph, während er langsam seinen Körper in eine aufrechte Stellung emporrichtete, »wie in früheren Jahrhunderten Deine Familie diese Kolonien aufsuchte, um Ruhe für ihre Religion und den Frieden des Gerechten darin zu finden. Und ebenso weißt Du – denn oft verbrachten wir die langen Nachtwachen auf dem Schiff mit den Gesprächen über diese Dinge, während der nie rastende Ocean seine Wasser um uns her rollte – wie der Tod in die ältere Linie Deines Geschlechtes kam, die noch in der Pracht und der Verderbtheit des englischen Hofes lebte, und wie Dein Vater dadurch der Erbe ihrer Reichthümer und Würden wurde.«

»Das Alles ist selbst dem niedrigsten Klatschweibe in der Massachusetts-Bai nicht unbekannt!« fiel Lionel ungeduldig ein.

»Aber dennoch wissen jene wohl nicht, daß die angedeutete Anhäufung von Glücksgütern schon manche Jahre zuvor, ehe sie wirklich Statt fand, durch die Beschlüsse der Vorsehung unvermeidlich festgesetzt war; sie wissen nicht; wie viel größere Geltung der verwaiste Sohn des dürftigen Soldaten gerade durch diese Erwartung sogar in den Augen seiner eigenen Blutsverwandten gewann, und ebensowenig wissen sie, wie die weltlich gesinnte Priscilla Lechmere, Deines Vaters Tante, Himmel und Erde hätte in Bewegung setzen mögen, um diesen Reichthum und diese Ehren, auf welche ein Verwandtschaftsrecht zu besitzen ihr größter Stolz war, ihren eigenen Leibeserben anheimfallen zu sehen.«

»Das war aber unmöglich! Sie war von der weiblichen Linie und hatte keinen Sohn!«

»Nichts scheint Denen unmöglich, an deren Seelenfrieden der Wurm der Ehrsucht nagt: – Du weißt wohl, sie hinterließ eine Enkelin; hatte nicht dieses Kind eine Mutter?«

Lionel fühlte sich schmerzlich überführt von diesem Zusammenhange, als der zitternde Gegenstand jener Bemerkungen – Cäcilie – das Haupt beschämt an seinen Busen sinken ließ, indem sie die Wahrheit der Schilderung, welche das räthselhafte Wesen, das gesprochen, von ihrer verstorbenen Verwandtin entwarf – tief im Innersten fühlte.

»Verhüte Gott,« sprach der alte Mann etwas stolz weiter, »daß ich als Christ und als ehrlicher Mann eine Sylbe aussprechen sollte, um den makellosen Namen eines Wesens zu beflecken, das so frei von jeder Schande ist wie die Frau, von der ich rede. Das süße Kind, das sich an Dich schmiegt, Lionel, ist nicht reiner und unschuldiger, als sie war, die es gebar. Und lange schon, ehe der Ehrgeiz seine Netze um die elende Priscilla ausgespannt hatte, war das Herz ihrer Tochter das Eigenthum des tapferen, edlen Engländers, welchem sie in spätern Jahren vermählt wurde.«

Als Cäcilie dieses besänftigende Lob ihrer wahren Eltern vernahm, hob sie wieder ihr Antlitz nach dem Lichte des Mondes empor und blieb neben Lionel, an dessen Seite sie niedergeknieet war, nicht länger eine beunruhigte, wohl aber eine innig theilnehmende Zuhörerin dessen, was folgte.

»Als die Wünsche meiner unglücklichen Tante nicht erfüllt wurden,« sagte Major Lincoln, »auf welche Art konnte sie auf das Schicksal meines Vaters einwirken?«

»Du sollst es hören. In dem nämlichen Hause lebte ein zweites, sogar schöneres und dem äußeren Schein nach wenigstens eben so reines Wesen, als die Tochter Priscilla's. Sie war die Verwandte, die Pathe und Mündel jenes elenden Weibes. Die Schönheit und die vermeinten Tugenden dieses anscheinenden Engels in Menschengestalt zogen das jugendliche Auge Deines Vaters auf sich und trotz Künsten und Intriguen, und noch ehe der langerwartete Titel und Reichthum ihm zugefallen, waren sie vermählt, und Du, Lionel, wurdest geboren, um später die Gabe des Glücks doppelt willkommen zu machen.«

»Und dann – –«

»Und dann eilte Dein Vater nach dem Lande seiner Vorfahren, um sein Eigenthum anzusprechen und den Weg zu Deiner und seiner geliebten Priscilla Aufnahme zu bahnen – denn damals gab es zwei Priscilla's und nun schlafen beide bei den Todten! Alles, was Leben und Daseyn hat, darf die Ruhe des Grabs ansprechen, nur ich,« fuhr der alte Mann fort und richtete sein hohles Auge mit einem Blicke hoffnungslosen Jammers empor – »ich, der ich Menschenalter vorüberstreichen sah, seit das jugendliche Blut in mir erkaltet ist, der ich Geschlecht nach Geschlecht hingerafft erblickte – ich muß immer noch schmachten in diesem Wohnorte der Menschen! doch es geschieht, um an dem großen Werke zu helfen, das hier beginnt, und nicht eher enden soll, bis erst ein ganzer Welttheil wiedergeboren seyn wird.«

Lionel ließ aus Achtung vor diesem Ausbruche des Gefühls mehr als eine Minute ohne fernere Frage vorübergehen; endlich aber zog er wieder durch eine ungeduldige Gebärde die umherschweifenden Blicke Ralph's auf sich, worauf der alte Mann also fortfuhr:

»Monat nach Monat, zwei lange, ewige Jahre weilte Dein Vater in England, um den Besitz des neuen Eigenthums zu verfechten. Endlich siegt er: eilt hieher, aber – da war kein Weib mehr zu finden; da war keine zärtliche, liebende Priscilla, die gleich der zarten Blume, welche an Deinem Busen ruht, ihm bei seiner Rückkehr den Willkomm zugerufen hätte.«

»Ich weiß,«, sprach Lionel fast athemlos, – »sie war todt.«

»Sie war noch mehr,« erwiederte Ralph in so tiefem Tone, daß es klang, als ob einer aus dem Grabe hervor spräche – »sie war entehrt!«

»Das ist falsch!«

»Es ist wahr; wahr, wie jenes heilige Evangelium, das durch Gottes begeisterte Diener den Menschen mitgetheilt wird.«

»Es ist falsch,« wiederholte Lionel stolz – »schwärzer, als die schwärzesten Gedanken des bösen Geistes der Finsterniß!«

»Ich wiederhole Dir, Du rascher Knabe – es ist wahr! Sie starb bei der Geburt jener Frucht ihrer Schande. Als Priscilla Lechmere Deines Vaters Herz mit der unglückseligen Erzählung durchbohrte, da las er in ihrem triumphirenden Auge den Verrath ihrer Seele und, wie Du, wagte er den Himmel zum Zeugen anzurufen, daß Deine Mutter verleumdet worden! Aber da kam noch eine andere Person, die ihm wohl bekannt war und zwar unter Umständen, welche jeden Gedanken an Betrug verbannten, und diese schwor – ja, nahm den gesegneten Namen Dessen, der in Aller Herzen liest, zum Bürgen ihrer Wahrheit! – Sie bekräftigte jene Unglückskunde.«

»Der schändliche Verführer!« rief Lionel mit wilder Stimme, indem er sich unwillkührlich von Cäcilien abwandte – »lebt er noch? Gib ihn meiner Rache, alter Mann, und ich will Dich noch segnen für diese fluchwürdige Geschichte!«

»Lionel, Lionel,« rief die besänftigende Stimme seiner Braut, »glaubst Du ihm denn?«

»Ihm glauben,« entgegnete Ralph mit furchtbarem, innerlichem Lachen, als ob er schon den bloßen Gedanken der Ungläubigkeit verspotten wollte: »all' das und mehr noch muß er glauben! Noch einmal, schwaches Mädchen, warf Deine Großmutter ihre Netze nach dem mächtigen Baronet, und als er nicht ihr Sohn werden wollte, da verschwor sie sich mit den Geistern der Hölle zu seinem Verderben. Rache trat an die Stelle der Ehrsucht und Deines Gatten Vater war das Opfer!«

»Fahrt fort!« rief Lionel, der unter dem überwältigenden Drange seiner Leidenschaften kaum noch athmete.

»Der Schlag hatte ihn in's Herz getroffen und eine Zeit lang war seine Vernunft von der Schwere dieses Unglücks überwältigt; doch war dieß nur eine Stunde, verglichen mit der Ewigkeit, welche ein Mann zu leben verdammt seyn kann. Sie benützten die augenblickliche Zerrüttung, und als seine irren Gedanken wieder zur Ruhe gewiegt waren, fand er sich selbst als Bewohner eines Tollhauses wieder, wo er zwanzig lange Jahre hindurch mit den entstellten Ebenbildern seines Schöpfers zu einer Heerde gezählt wurde, und dieß Alles bloß durch die Ränke der niederträchtigen Wittwe von John Lechmere.«

»Ist das möglich? Kann es wahr seyn?« rief Lionel, die Hände wild zusammenschlagend und mit einer Heftigkeit aufspringend, durch die er die zarte Gestalt, die noch an seinem Halse hing, wie ein werthloses Spielzeug von seiner Seite stieß. – »Kann das bewiesen werden? Woher weißt Du diese Thatsachen?«

Das ruhige, aber melancholische Lächeln, das gewöhnlich die bleichen Züge des alten Mannes erhellte, wenn er auf sein eigenes Daseyn anspielte, wurde noch einmal sichtbar, während er antwortete:

»Wenig nur bleibt verborgen vor jenem Wissen, das sich durch die Länge der Tage erwirbt; überdieß – besitze ich nicht, um Alles dieses zu erfahren, geheime Mittel, welche Dir unbekannt sind? Erinnere Dich dessen, was ich bei unsern häufigen Zusammenkünften Dir enthüllt habe; rufe Dir die Scenen am Sterbebette der Priscilla Lechmere zurück und frage Dich selbst, ob Du Wahrheit bei Deinem betagten Freunde findest?«

»Gib mir Alles! entziehe mir nicht ein Wort von Deiner Fluchgeschichte – gib mir Alles – oder nimm jede Sylbe zurück, die Du gesprochen.«

»Du sollst Alles haben, was Du verlangst. Alles, Lionel Lincoln, und noch mehr sogar,« erwiederte Ralph, der in der Stimme und in seiner ganzen Weise die höchste Kraft der Feierlichkeit und der Ueberredung aufbot, – »vorausgesetzt, daß Du ewigen Haß schwören willst dem Lande und den Gesetzen, durch welche ein harmloser unschuldiger Mann den Thieren des Feldes gleichgestellt werden kann, bis er endlich in der Bitterkeit seiner Leiden selbst zur Raserei gegen seinen Schöpfer getrieben wird.«

»Mehr als das – zehntausend Mal mehr als das will ich schwören; – verbinden will ich mich mit dieser Empörung – –«

»Lionel, Lionel – was willst Du thun?« unterbrach ihn die tiefbetrübte Cäcilie.

Aber ihre Stimme ward durch lautes, heftiges Geschrei übertönt, das aus dem Dorfe sogar mitten durch das Gesumme der Schwelgenden hindurchdrang und augenblicklich von einem Trampeln von Fußtritten begleitet wurde, als ob mehrere hundert Menschen in unüberlegter Hast auf dem gefrornen Boden hineilten. Ralph, der eben so schnell als die furchtsame Braut diese Töne vernahm, schlich von dem Grabe weg und näherte sich der Landstraße, wohin seine beiden Gefährten ihm langsam nachfolgten; Lionel, gänzlich gleichgültig gegen den Weg, den sie einschlugen, Cäcilie, am ganzen Körper zitternd aus Besorgniß für die Sicherheit Dessen, der seine eigene Gefahr so wenig beachtete.

»Sie sind aus und glauben einen Feind zu finden,« fing der alte Mann wieder an und erhob seine Hand mit einer Gebärde, welche Aufmerksamkeit gebot; »aber er hat geschworen, zu ihren Fahnen zu stoßen, und freudig werden sie einen seines Namens und Geschlechts in ihrer Mitte aufnehmen!«

»Nein, – nein, er hat sich zu keiner Unehre verbunden,« rief Cäcilie. – »Flieh', Lincoln, so lange Du frei bist und laß mich allein den Verfolgern begegnen – sie werden meine Schwäche achten.«

Glücklicherweise weckte diese Anspielung auf sich selbst Lincoln aus der dumpfen Betäubung, welche seine Geisteskräfte übermannt hatte. Ihre leichte Gestalt mit seinen Armen umfassend, wandte er sich rasch von der Stelle und rief, während er sie vorwärts drängte:

»Alter Mann, wenn erst diese kostbare Bürde in Sicherheit seyn wird, dann soll sich die Wahrheit oder Falschheit Deiner Geschichte erweisen.«

Doch Ralph, dem, von keiner Last beschwert, sein eiserner Körperbau, der den Verheerungen der Zeit zu spotten schien, eine große Ueberlegenheit im Weiterschreiten gegenüber dem gehinderten Gange des Andern gab – eilte rasch voraus, indem er mit der Hand winkte, als wollte er seine Absicht anzeigen, sie auf ihrer Flucht zu begleiten, während er den Weg nach den naheliegenden Felsen einschlug.

Das Geräusch der Verfolger wurde bald vernehmlich und in den Zwischenräumen der fernen Kanonade war das Rufen und Befehlen Derer, welche die Jagd leiteten, deutlich zu vernehmen. Trotz des starken Arms ihres Führers, fühlte Cäcilie bald, daß ihre zarte Gestalt nicht länger im Stande war, die zu ihrer Sicherheit nöthigen Anstrengungen zu ertragen. Sie hatten einen anderen Weg betreten, der nicht weit von dem ersten entfernt lag, als sie stille stand und mit Widerstreben ihre Unfähigkeit, weiter zu gehen, erklärte.

»So wollen wir hier unsere Verfolger erwarten,« sprach Lionel mit erzwungener Ruhe, – »aber die Rebellen mögen sich vorsehen, daß sie nicht ihren leichten Vortheil mißbrauchen!«

Die Worte waren kaum gesprochen, als ein Karren, von einem doppelten Gespann Ochsen gezogen, nahe bei ihnen um eine Ecke der Straße bog und der Führer desselben nur wenige Schritte von der Stelle, wo sie standen, hervortrat. Der Mann schien schon sehr weit in Jahren vorgerückt, schwang aber immer noch seinen langen Stachelstock mit einer Geschicklichkeit, die er sich durch die Uebung von mehr als einem halben Jahrhundert erworben hatte. Der Anblick dieses einzelnen, von unmittelbarer Hülfe entfernten Mannes ließ in Lionel einen verzweifelten Gedanken der Selbsterhaltung aufkommen. Er verließ seine erschöpfte Gefährtin und trat mit so stolzer Miene auf den Fremden zu, daß er Jeden dadurch beunruhigt haben würde, der auch nur den leisesten Grund zur Furcht gehabt hätte.

»Wohin geht Ihr mit diesem Karren?« fragte der junge Mann mit ernstem Tone.

»Nach dem Punkt,« war die Antwort. »Ja, ja – Alt und Jung, Groß und Klein – Mensch und Vieh – vierräderige und zweiräderige Wagen – Alles geht heute nach dem Punkt, wie Ihr Euch denken könnt, Freund! Ei,« fuhr er fort, indem er das eine Ende seines Stocks auf den Boden stemmte, während er ihn mit beiden Händen erfaßte und sich darauf stützte, – »ich war dreiundachtzig am letzten vierzehnten März und hoffe, so Gott will, wenn mein nächster Geburtstag kommt, wird kein Rothrock mehr in der Stadt Boston zurück seyn. Meiner Meinung nach, Freund, haben sie den Platz lange genug gehalten und wohl ist's jetzt Zeit, ihn zu räumen. Meine Buben befinden sich im Lager und sind nun auch eine Zeit lang Soldaten – die alte Frau war seit Sonnenuntergang geschäftig wie eine Biene und half mir aufladen, was Ihr da vor Euch seht, und ich führ's nun hinüber nach Dorchester und nicht einen Heller soll es je den Kongreß kosten!«

»Und Ihr geht mit Euern Heubündeln nach der Dorchester Landenge?« sagte Lionel und betrachtete ihn und sein vorüberziehendes Gespann, noch unschlüssig, ob er gegen einen schwachen Mann Gewalt gebrauchen sollte.

»Wie? Ihr müßt sprechen wie ein Soldat, so wie im Anfang, denn ich bin ein wenig taub,« antwortete der Bauer. »Ja, ja, sie verschonten mich bei der Aushebung, denn sie sagten, ich habe genug gethan; aber ich behaupte, ein Mann hat nie genug gethan für sein Vaterland, so lange noch etwas zu thun übrig ist. Man sagt mir, sie führen Faschinen, wie sie's nennen, und gepreßtes Heu hinüber zu ihren Schanzen. Da das Heu besser als alles Andere in meinen Kram paßt, so hab' ich einen tüchtigen Haufen hier zusammengemacht, und wenn das nicht reicht, ei, so laßt Washington nur kommen; er ist willkommen in Scheunen, in Schobern und überall, wo er nur einkehren mag!«

»Während Ihr so freigebig gegen den Kongreß seyd, könntet Ihr nicht einer unglücklichen Frau helfen, die so ziemlich Euren eigenen Weg zurücklegen sollte, aber zu schwach zum Gehen ist?«

»Von ganzem Herzen,« sagte der Andere und drehte sich nach allen Seiten, um die Person zu suchen, welcher er beistehen sollte, – »ich hoffe, sie ist bei der Hand, denn die Nacht verstreicht, und ich möchte nicht, daß die Engländer eine Kugel nach unserm Volk auf den Dorchesterhügeln abfeuerten, ehe dieses Heu dort hingeschafft ist, um sie vor dem Feind zu schützen.«

»Sie soll Euch nicht einen Augenblick aufhalten,« antwortete Lionel, sprang nach der Stelle, wo Cäcilie halb hinter dem Zaun verborgen stand und führte sie nach dem rohen Fuhrwerk: – »Ihr sollt für Euern Dienst reichlich belohnt werden.«

»Belohnt! Vielleicht ist sie das Weib oder die Tochter eines Soldaten, in welchem Fall sie statt eines Karrens mit doppeltem Gespann in ihrer Kutsche mit Vieren fahren sollte.«

»Ja, ja – Ihr habt Recht, sie ist beides – das Weib sowohl wie die Tochter eines Soldaten.«

»Oh! Gott segne sie! Ich wette, der alte Put hatte doch gewiß Recht, wenn er sagte, die Weiber allein schon würden die beiden Regimenter zurückschlagen, welche, wie die stolzen Parlamentsherrn prahlten, von Hampshire bis Georgia unaufgehalten durch die Kolonien marschiren könnten – Nun gut, Freunde, sitzt ihr endlich?«

»Ganz gut,« entgegnete Lionel, der unter den Heubündeln für sich und Cäcilien Sitze hergerichtet und während des Gesprächs seine Braut auf ihren Platz gehoben hatte, »wir wollen Euch nicht länger aufhalten.«

Der Kärrner, Eigenthümer von nicht weniger als hundert Morgen guten Landes in der Nachbarschaft, zeigte sich bereit und den Stock in der Luft schwingend, gab er seinem Gespann die gehörige Richtung und fuhr an. Während dieser eiligen Scene hatte sich Ralph in dem Schatten des Zauns verborgen gehalten. Als der Karren fortfuhr, winkte er mit der Hand und glitt über die Straße, worauf er bald in der nebligen Ferne, in der sein grauer Anzug bis zur Unkenntlichkeit verschwamm, sich wie ein Luftgespenst vor ihren Augen verlor.

In der Zwischenzeit waren die Verfolger nicht müßig gewesen. Stimmen ließen sich in verschiedenen Richtungen hören und dunkle Gestalten wurden gesehen, die, von dem trügerischen Lichte begünstigt, über die Felder hinrannten. Um die Verlegenheit ihrer Lage noch zu vermehren, fand Lionel, als es zu spät war, daß die Straße nach Dorchester gerade durch das Dorf Cambridge führte. Als er bemerkte, daß sie sich dem Orte näherten, hätte er gerne den Karren verlassen, wenn der Versuch mitten unter den aufgestörten Soldatenhaufen, die nun auf allen Seiten um sie herumflogen, nicht zu gefährlich gewesen wäre. In dieser Lage konnte er nichts Besseres thun, als sich regungslos und schweigend zu verhalten und Cäcilien, wie sich selbst, so gut als möglich unter den Heubündeln zu verstecken. Gegen alle gerechten Erwartungen, wie der ungeduldige Patriotismus des alten Landmanns sie rege gemacht hatte, lenkte dieser, statt seinen Weg ohne Aufenthalt durch den Ort fortzusetzen, sein Vieh etwas von der geraden Straße ab und hielt vor dem nämlichen Wirthshause, wo Cäcilie vor noch nicht langer Zeit an der Seite ihres Führers vom Schlachtfelde her eingesprochen hatte.

Vor dem Hause herrschte noch dieselbe geräuschvolle und gedankenlose Schwelgerei wie zuvor. Die Ankunft eines solchen Fuhrwerks zog alsbald einen Haufen von Müßiggängern nach dem Platze und die beiden Liebenden, die mit nicht geringer Angst ihren Platz auf dem Wagen behaupteten, wurden nun gezwungene Zuhörer der nun beginnenden Unterhaltung.

»Was, Alter, immer noch munter für das Beste des Kongresses,« rief ein Mann, der sich mit einem Krug in der Hand näherte; »kommt, netzt die Kehle, mein ehrwürdiger Vater der Freiheit, denn Ihr seyd doch zu alt, um ihr Sohn zu heißen!«

»Ja, ja,« antwortete der erfreute Landmann, »ich bin Vater und Sohn zugleich! Ich habe vier Buben im Lager und sieben Enkel dazu, und das wären eilf gute Drücker in einer Familie, wenn nur fünf gute Flinten so viele Schlösser hätten – aber die Jüngsten haben eine Entenflinte aufgetrieben und einen Doppelläufer zu zwei, wer's gerade ist; und Aaron, der Bursche, führt, denk' ich, eine so gute Reiterpistole, wie nur je eine in der Bai zu finden war. Aber was ihr heut für eine unruhige Nacht habt! Da wird ja des bloßen Knalls wegen mehr Pulver verschwendet, als man brauchte, um den alten Bunker wieder zu erkämpfen, und das in einer Entfernung, daß man das Weiße im Auge sehen könnte!«

»So geht's im Krieg, alter Mann, wir müssen die Regulären abhalten, daß sie nicht nach Dorchester hinüber sehen.«

»Wenn sie's auch thäten, sie könnten doch nicht weit sehen bei Nacht. Aber jetzt sagt einmal, ich bin ein alter Mann und hab' auch mein Gran Neugierde im Leib; mein Weib sagt, Howe werfe seine Leichname zu Euch heraus – doch, so schlecht er auch ist, wie ich wohl weiß, so halte ich doch dieses Eine für eine gottlose Lüge.«

»O, 's ist so wahr wie das Evangelium.«

»Wahrhaftig? ei, wer ist jetzt noch im Stand, die Grausamkeit eines so gottlosen Geistes zu schätzen?« rief der würdige Mann kopfschüttelnd, »– ich hätte jede Schlechtigkeit von ihm geglaubt, nur diese nicht! Da die Lebenden in der Stadt selten werden, bedient er sich gar noch, wie ich glaube, seiner eigenen Erschlagenen?«

»Freilich,« antwortete der Soldat und winkte seinen Kameraden,Es ist hier im Original ein Wortspiel, das sich im Deutschen nicht geben ließ. Carcass heißt ›Leuchtkugel‹ und ›Leichnam.‹ Der Bauer hatte statt der ersten Bedeutung die zweite genommen, und durch dieses Mißverständniß den Spott des Soldaten hervorgerufen. A. d. U. – »Breed's Hill hat ihm Vorrath geliefert für den ganzen Winter.«

»Es ist schrecklich, schrecklich! ein Mitgeschöpf durch die Luft fliegen zu sehen, nachdem der Geist vorangeeilt ist zum ewigen Gericht! Krieg ist ein schrecklicher Beruf; aber dann wieder – was ist ein Mensch ohne Freiheit!«

»Hört, Alter, da Ihr gerade vom Fliegen sprecht, habt Ihr Nichts von zwei Männern und einem Weib gesehen, die die Straße hinaufflohen, als Ihr hereinkamt?«

»Wie! was! – ich bin ein wenig harthörig – Weiber auch! schießen sie ihre Jesabels in unser Lager? Es gibt doch keine Ruchlosigkeit, die des Königs Minister sich nicht erlaubten, um unsere schwache Natur zu überlisten.«

»Saht Ihr nicht zwei Männer und ein Weib davon rennen, als Ihr die Straße herabkamt?« schrie der Bursche ihm in's Ohr.

»Zwei! sagtet Ihr, zwei?« fragte der Bauer und drehte den Kopf in einer Stellung angestrengter Aufmerksamkeit ein wenig auf die Seite.

»Ja, zwei Männer.«

»Nein, zwei sah ich nicht. Sie rannten aus der Stadt, sagtet Ihr?«

»Ja, rannten, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre.«

»Nein, ihrer zwei habe ich nicht gesehen und überhaupt Niemand, der davon rannte, – es ist ein gewisses Zeichen von Schuld, wenn man davon läuft – ist eine Belohnung ausgesetzt?« fragte der alte Mann, indem er plötzlich sich selbst unterbrach und wieder mit seinen eigenen Gedanken verkehrte.

»Noch nicht – sie sind kaum erst entwischt.«

»Der sicherste Weg, einen Dieb zu fangen, ist, wenn man eine tüchtige Belohnung bietet – nein – ich sah jene beiden Männer nicht – Ihr seyd gewiß, es waren zwei?«

»Fahrt zu mit Eurem Karren! vorwärts, vorwärts,« rief ein berittener Offizier vom Generalstab, der in diesem Augenblick durch die Straße sprengte und all die schlummernden Gedanken der Eile wieder erweckte, welche dem alten Pächter schon geraume Zeit aus dem Gedächtnisse entschwunden waren. Er schwang noch einmal seinen Stock, setzte sein Gespann in Bewegung und wünschte den Lärmenden gute Nacht, während er wegfuhr. Doch schien er immer noch zweifelhaft, ob er umkehren oder seinen Weg fortsetzen sollte, denn noch lange, als er schon den Ort verlassen und über den Charles hinausgekommen war, machte er plötzlich Halt, und zuletzt stand er sogar ganz still mit seinem Karren, kletterte auf das Heu hinauf und nahm dort seinen Sitz so, daß er mit einem Auge sein Vieh übersehen und mit dem andern seine Gefährten beobachten konnte. Diese Untersuchung dauerte eine weitere Stunde, während welcher kein Theil eine Sylbe sprach, worauf endlich der Kärrner, überzeugt, wie es schien, daß sein Verdacht ungerecht war – seine frühere Stelle wieder einnahm. Vielleicht trug die Schwierigkeit des Wegs dazu bei, seine Zweifel zu zerstreuen, denn indem sie weiter fuhren, stießen sie fast alle Augenblicke auf zurückkehrende Karren, welche die ungetheilte Aufmerksamkeit des Führers auf sein eigenes Gespann dringend nöthig machten.

Alle düsteren Gedanken waren durch die fortwährende Aufregung der vorhergehenden Scenen endlich aus Lionel's Seele verscheucht worden, und er fühlte sich nun frei von jeder unmittelbaren Besorgniß. Er flüsterte seine beruhigenden Hoffnungen auf ein endliches Entkommen Cäcilien zu, und während er sie in seinen Rock einhüllte, um sie vor der Nachtluft zu beschützen, fühlte er bald zu seiner Freude an ihrem sanften Athemholen, daß sie, von Ermüdung überwältigt, an seiner Brust eingeschlummert war.

Mitternacht war lange vorüber, als sie der Höhen jenseits der Dorchester-Landenge ansichtig wurden. Cäcilie erwachte und Lionel besann sich schon auf einen annehmbaren Grund, um den Karren zu verlassen, ohne den Verdacht ihres Führers wieder auf's Neue anzuregen. Endlich traf er eine günstige Stelle, wo sie allein waren und die Beschaffenheit des Bodens für seine Absicht passend schien. Lionel war auf dem Punkte, zu sprechen, als das Vieh still stand und Ralph plötzlich vor ihnen auf der Straße erschien.

»Macht Platz, Freund, für die Ochsen da,« sagte der Bauer, »das Vieh läuft nicht, wenn ein Mensch davor steht!«

»Steigt ab,« sprach Ralph, indem er seine Worte mit einer weit ausgeholten Schwenkung des Arms gegen das Feld unterstützte.

Lionel gehorchte rasch, und als mittlerweile der Kärrner ebenfalls abgestiegen war, stand die ganze Gruppe auf der Straße beisammen.

»Ihr habt uns einen größern Dienst geleistet, als Ihr wißt,« sagte Lionel zu dem Landmann. »Hier sind fünf Guineen.«

»Wofür? – etwa weil Ihr einige Meilen auf einem Heuhaufen gefahren seyd? – nein, nein, Gefälligkeit ist kein so käuflicher Artikel in der Bai, daß man dafür zu zahlen brauchte! Aber, Freund, für diese schwierigen Zeiten scheint das Geld sehr im Ueberfluß bei Euch vorhanden!«

»Dann tausend Mal Dank – ich kann Euch nicht mehr bieten.«

Lionel hatte kaum gesprochen, als er, einer ungeduldigen Gebärde Ralph's gehorchend, Cäcilie über den Zaun hob, worauf alle drei in einem Augenblick vor den Augen des erstaunten Pächters verschwunden waren.

»Hollah, Freund!« rief der würdige Verfechter seines Vaterlandes, während er so schnell, als das Alter ihm erlauben wollte, hinter ihnen her eilte: – »waret ihr euer drei, als ich euch aufnahm?«

Die Flüchtlinge hörten zwar den Ruf des einfältigen, geschwätzigen Alten; aber wie man leicht denken kann, hielten sie nicht für klug, anzuhalten und den fraglichen Punkt näher zu erläutern. Sie waren noch nicht weit gegangen, als ihnen der wüthende Ruf: »Habt Acht auf den Karren da!« und das Rasseln von Rädern verkündete, daß ihr Verfolger durch die Ankunft leerer Wagen zu seiner Pflicht zurückgerufen worden, und ehe die Entfernung die Töne unverständlich machte, hörten sie noch die geräuschvolle Auseinandersetzung, welche ihr früherer Gefährte den Andern über den ganzen Hergang der Sache gab. Sie wurden jedoch nicht verfolgt, da die Fuhrleute wichtigere Gegenstände vor Augen hatten, als die Entdeckung von Dieben und selbst das Einstecken einer Belohnung gewesen wäre.

Ralph führte seine Genossen nach einer kurzen Erklärung auf einem weiten Umwege an das Ufer der Bai. Hier fanden sie, unter dem Rohr einer seichten Bucht versteckt, ein kleines Boot, welches Lionel als das kleine Fahrzeug erkannte, in dem Job Pray seinem gewöhnlichen Gewerbe eines Fischers nachzuhängen pflegte. Er trat ohne Verzug ein, ergriff die beiden Ruder und durch die wachsende Fluth begünstigt, steuerte er ruhig gegen die fernen Kirchthürme von Boston zu.

Die weichenden Schatten der Nacht kämpften gerade mit dem vorrückenden Tag, als ein gewaltiger Blitzstrahl den nebeligen Horizont erhellte und der Donner der Kanonen, der gegen die Frühe hin aufgehört hatte, von Neuem die Stille des Morgens unterbrach. Dießmal aber kamen die Töne vom Wasser her; eine Wolke erhob sich über dem rauchenden Hafen und verkündete, daß die Schiffe abermals in den Kampf verwickelt waren. Diese plötzliche Kanonade veranlaßte Lionel, mit seinem Boote zwischen die Inseln zu steuern, denn das Kastell und die südlichen Batterien der Stadt vereinigten sich alle, um ihre Wuth über die Arbeiter auszugießen, welche immer noch die Höhen von Dorchester einnahmen. Als das kleine Fahrzeug an einer schlanken Fregatte vorüberglitt, erblickte Cäcilie den Jüngling, welcher ihr erster Führer bei den Wanderungen dieser Nacht gewesen war, wie er auf dem Verdecke stand und sich die Augen vor Verwunderung rieb, als er nach den Hügeln hinstarrte, deren Besitz nach seiner Prophezeiung zu so blutigen Resultaten führen sollte. Kurz, Lionel sah, während er an den Rudern arbeitete, die Eröffnungsscene von Breeds auf's Neue vor seinen Augen sich entwickeln; auch dießmal folgte wieder Batterie auf Batterie, und Schiffe auf Schiffe richteten ihre Kanonen auf die hartnäckigen Landleute, die durch ihre kühne Unternehmung eine abermalige Krise herbeigeführt hatten. Das Boot blieb in der Aufregung und dem Lärm des Augenblicks unbemerkt und die Morgennebel hatten sich noch nicht zerstreut, als es an der Werfte von Boston vorüberschoß und in den engen Eingang nach dem Stadtdock einbiegend, nahe am Waarenhaus das Land berührte, wo es so oft in friedlicheren Zeiten von seinem einfältigen Herrn angelegt worden war.

 

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