Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > James Fenimore Cooper >

Lionel Lincoln oder die Belagerung von Boston

James Fenimore Cooper: Lionel Lincoln oder die Belagerung von Boston - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
authorJames Fenimore Cooper
titleLionel Lincoln oder die Belagerung von Boston
publisherVerlag von S. G. Liesching
printrunZweite Auflage
year1851
translatorEduard Mauch
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150324
modified20170303
projectid025dd028
Schließen

Navigation:

Dreizehntes Kapitel.

Nun laß es wirken: Unglück, du bist jetzt
Im Gang, so nimm den Lauf, der dir gefällt.

Shakspeare.    

 

Die beunruhigende Kunde von dem Einfall drang schnell an den niedrigen Ufern des atlantischen Meeres weiter und wiederhallte an den rauhen Gebirgen westwärts von den Strömen, als wäre sie von einem Wirbelwind umhergetragen worden. Die männliche Bevölkerung zwischen den Wassern der Massachusettsbai und dem klaren Connecticutstrome erhob sich wie Ein Mann und als der Schrei nach Blut weit in's Inland hineintönte, erblickte man bald Thäler und Hügel, Straßen und Fußpfade mit Banden bewaffneter Landleute bedeckt, die voll Eifer nach dem Schauplatze des Kriegs sich drängten. Acht und vierzig Stunden nach dem verhängnißvollen Zusammentreffen bei Lexington zählte man schon mehr als hunderttausend Männer unter den Waffen und beinahe ein Viertel dieser Zahl stand vor den Halbinseln von Boston und Charlestown versammelt. Wer durch Entfernung und Mangel an Kriegsvorrath verhindert war, an dem unmittelbaren Kampfe Theil zu nehmen, wartete in Geduld auf den Augenblick, wo auch sein Eifer auf härtere Proben gestellt werden würde. Kurz die dumpfe Ruhe, in welcher die Kolonien schon ein ganzes Jahr geschlummert, war rauh und plötzlich durch die Ereignisse jenes Tags gebrochen und die Patrioten unter dem Volk erhoben sich mit einem solchen Schrei des Unwillens auf den Lippen, daß die besonders in den südlicheren Provinzen nicht unbedeutende Klasse der Ruhigergesinnten genöthigt war, zu schweigen, bis der erste Ausbruch revolutionärer Wuth Gelegenheit gefunden, unter dem nie ausbleibenden Einfluß der Zeit und des Leidens sich etwas abzukühlen.

Sicher in seiner Stellung und unterstützt von einer stets noch wachsenden Macht, so wie durch die Gegenwart einer furchtbaren Flotte, blickte Gage mit festem Auge und mit der milden Ruhe, welche seinen wohlwollenden Charakter bezeichnte – auf den heranziehenden Sturm. Trotz dem, daß Stellung und Absicht der Amerikaner nicht länger mißverstanden werden konnten, hörte er dennoch nur mit widerstrebendem Ohr auf die rachsüchtigen Einflüsterungen seiner Räthe und suchte eher den Tumult zu besänftigen, als ihn mit einer Macht zu unterdrücken, welche er zwar einen Monat früher der gesammten Kraft der friedlichen Kolonisten gewachsen geglaubt, jetzt aber klugerweise als kaum hinreichend erachtete, um sich selbst innerhalb der Wassergränzen zu behaupten. Proklamationen wurden indessen gegen die Rebellen geschleudert und rasch solche Maßregeln ergriffen, wie sie für unerläßlich angesehen wurden, um die Würde und das Ansehen der Krone aufrecht zu erhalten. Natürlich wurden diese unschädlichen Drohungen mißachtet und all' seine Ermahnungen, zum Gehorsam zurückzukehren, den das Volk noch nie verletzt zu haben behauptete, gingen unter dem Geräusche der Waffen und dem damals populären Geschrei jener Zeit spurlos verloren. Diese Aufforderungen des brittischen Generals, wie viele andere von Seiten der königlichen Statthalter, welche mit Ausnahme der einen Provinz, in der unsere Erzählung spielt, in allen andern noch die Regierung aufrecht erhielten – wurden von dem Volk mit unterwürfigen, aber männlichen Petitionen an den Thron beantwortet, worin der König um Gerechtigkeit angefleht wurde; in lauten Vorstellungen an das Parlament verlangte man die Wiedereinsetzung in jene Rechte und Freiheiten, wie sie Allen denen, welche sich des Schutzes ihrer gemeinsamen Verfassung erfreuten, gesichert seyn sollten. Noch waren die Macht und die Vorrechte des Fürsten tief geachtet und wurden in allen öffentlichen Dokumenten mit der Verehrung erwähnt, welche man der Heiligkeit seines Charakters und seiner Stellung schuldig zu seyn glaubte. Allein über die Minister ergossen die Kolonisten ihren Spott mit aller Bitterkeit, die ihnen so sehr zu Gebot stand, indem sie ihnen Schuld gaben, daß sie jene für den Frieden des Reichs so verderblichen Maßregeln angerathen hätten. So vergingen mehre Wochen nach der Reihe von Scharmützeln, die man die Schlacht von Lexington nannte, weil sie bei dem Weiler jenes Namens ihren Anfang genommen hatten; beide Parthien fuhren fort, sich zu einer zweiten und noch ernstern Entfaltung ihrer Macht mit allem Ernste vorzubereiten.

Lionel war durchaus kein gleichgültiger Zuschauer bei diesen Zurüstungen gewesen. Den Morgen nach der Rückkehr des Detaschements suchte er um ein seinen gerechten Erwartungen entsprechendes Kommando nach. Aber unter vielen Komplimenten über den Muth und die Anhänglichkeit, welche er bei der letzten Gelegenheit bewiesen, gab man dem jungen Manne zu verstehen, daß er der Sache seines Fürsten von weit größerem Nutzen seyn könnte, wenn er seine Zeit dazu benützen wollte, um seinen Einfluß unter den angesehenen Kolonisten zu vergrößern, mit welchen seine Familie theils durch die Bande des Bluts, theils durch lange, vertraute Freundschaft verbunden war. – Es wurde sogar seinem eigenen Urtheil überlassen, ob es nicht zweckmäßig seyn möchte, in einem günstigen Augenblick seine Person, ohne den Schutz der Armee, ganz der Verfolgung dieses lobenswerthen Zweckes zu weihen. In diesen schlau berechneten, zweideutigen Vorschlägen lag so Vieles, was der Selbstliebe des jungen Kriegers schmeichelte und seinen Stolz besänftigte, daß er es zufrieden war, den Lauf der Ereignisse abzuwarten, nachdem er sich noch das sichere Versprechen hatte geben lassen, daß er im Falle fernerer Feindseligkeiten ein passendes Kommando erhalten sollte. Daß ein solches Ereigniß vor der Thüre stand, konnte selbst einem viel weniger scharfen Beobachter als Major Lincoln nicht verborgen bleiben. Gage hatte bereits seine einstweilige Stellung in Charlestown verlassen, um durch Concentrirung seiner Macht vermehrte Sicherheit zu gewinnen. Von den Hügeln der Halbinsel Boston aus erblickte man die Kolonisten festen Muths und als Männer entschlossen, die Armee des Königs zu belagern. Manche der gegenüberliegenden Höhen waren bereits mit hastig aufgeworfenen Erdwerken gekrönt und ein furchtbarer Haufe dieser ungeübten Krieger hatte sich kühn vor den Eingang der Landenge gelegt, und schnitt dadurch jede Verbindung mit dem angränzenden Lande ab, indem sie das kleine Dorf Roxbury dicht vor den Mündungen der brittischen Kanonen mit einer Keckheit besetzten, die weit länger erprobten und an die Gefahren des Kriegs gewöhnten Männern keine Schande gemacht haben würde.

Das Erstaunen in der Armee über diese Zeichen von Geschicklichkeit und Muth bei den bis jetzt verachteten Amerikanern minderte sich wieder in etwas, als sich das Gerücht im Lager verbreitete, daß viele Herrn aus den Provinzen, die in früheren Zeiten mit Auszeichnung unter den Truppen der Krone gedient, die Befehlshaberstellen und die wichtigsten Aemter unter dem Volk eingenommen hätten. Unter anderen hörte Lionel die Namen Ward und Thomas, Männer von großem Talent und nicht unbedeutender Erfahrung in den Waffen. Beide waren von dem Congreß der Kolonie förmlich als Anführer des Heeres angestellt und unter ihren Befehlen wurden regelmäßige Regimenter formirt, welche, mit Ausnahme der beiden unentbehrlichen Erfordernisse – Mannszucht und Waffen – alle nöthigen Eigenschaften von Kriegern besaßen. Lionel hörte den Namen Warren öfter als jeden andern in den Cirkeln des Provinzhauses und zwar mit jener Bitterkeit erwähnen, welche, gerade indem sie den Haß seiner Feinde verrieth, eben dadurch auch ihre Hochachtung an den Tag legte. Dieser Mann, der bis zum letzten Augenblick der Anwesenheit der königlichen Truppen getrotzt, und, umringt von ihren Bajonetten, furchtlos seine Grundsätze behauptet hatte, war nun, wie man hörte, plötzlich aus ihrer Mitte verschwunden, hatte, sein ganzes Glück in den Strudel der Bewegung werfend, Heimath, Eigenthum und ein einträgliches Geschäft verlassen und wie man behauptete, an den letzten Scenen zu Lexington Theil genommen. Der Name aber, der insgeheim den größten Reiz für das Ohr des jungen brittischen Kriegers hatte, war der von Putnam, einem Gutsbesitzer aus der benachbarten Kolonie Connecticut, der, als der Aufruhr zu ihm herüberwirbelte, im buchstäblichen Sinne den Pflug verließ, ein Thier aus seinem Gespann bestieg und nach einem forcirten Marsche von hundert Meilen in kurzer Zeit in den vordersten Reihen seiner Landsleute erschien. Während der Name dieses stattlichen Amerikaners unter den Veteranen, welche Gage's Levers besuchten, von Ohr zu Ohr geflüstert wurde, durchkreuzte eine Fluth zarter, melancholischer Erinnerungen die Seele des Jünglings. Er dachte an die häufige und innige Verbindung, welche Jener, so lange er selbst noch ein Knabe war, mit seinem Vater unterhalten, bevor noch die schwarze Wolke über Sir Lionel's Verstand sich gelagert hatte. In jeder Erzählung von den mörderischen Kämpfen mit den grausamen Bewohnern der Wildnisse, in jeder Schilderung kühn bestandener Gefahren, wodurch diese romantische Kriegführung in den Wäldern sich auszeichnete, selbst in den ungewöhnlichen und furchtbaren Jagden auf die Thiere der Urwälder erschien der Name dieses Mannes von einem ritterlichen Ruhme umstrahlt, der in einem aufgeklärten Zeitalter nicht zu häufig und nie unverdient erlangt wird. Der große Reichthum der Familie Lincoln und die hohen Erwartungen, die man von ihrem Erben hegte, hatten Letzterem einen militärischen Rang erworben, der zu jener Zeit nur selten verliehen ward, wenn man anders diese Auszeichnung nicht durch lange und eifrige Dienste erkauft hatte. So kam es, daß manche seiner Ranggenossen an jenen Abenteuern seines Vaters, in welchen sich der amerikanische ›Löwenherz‹ durch seine Thaten so besonders ausgezeichnet, Theil genommen hatten. Unter diesen ernsten Veteranen, welche ihn am besten kennen mußten, wurde Putnam's Name stets mit hoher, ja romantischer Begeisterung genannt und der merkwürdige Plan, der von den kriechenden Räthen, welche den General-en Chef umringten, ausgeheckt wurde – ihn durch Versprechen von Aemtern und Reichthümern der Sache der Kolonisten zu entfremden, wurde von den früheren Genossen des alten Parteigängers nur mit verächtlicher Ungläubigkeit aufgenommen – einem Gefühle, welches der Erfolg der Unterhandlung später vollkommen rechtfertigte.

Aehnliche Vorschläge wurden noch Mehreren unter den Amerikanern, deren Talente eines Kaufes werth gehalten wurden, gemacht, aber die Grundsätze des Tages hatten bereits so tiefe Wurzeln gefaßt, daß nicht Ein Mann von Bedeutung sich fand, der auf den Antrag eingegangen wäre.

Während statt energischerer Maaßregeln solche fein ausgesponnene Versuche wiederholt wurden, langten fortwährend Truppen aus England an und vor Ende Mai erschienen mehrere Anführer von Ruf in den Berathungen des Obergenerals, der nun eine disponible Macht von nicht weniger als achttausend Bajonetten beisammen hatte. Mit der Ankunft dieser Verstärkungen begann auch der gesunkene Stolz der Armee sich wieder zu beleben und der Muth der eingebildeten Jugend, die erst kürzlich die lustigen Paraden auf ihrem stolzen Eilande verlassen hatte, empörte sich gegen den Gedanken, daß eine solche Armee in die engen Gränzen der Halbinsel eingesperrt seyn sollte und dieß durch einen Haufen halbbewaffneter Bauern, welche nicht nur aller Kriegskenntniß entbehrten, sondern auch fast von aller Munition entblößt waren. Dieses Gefühl ward noch durch den Spott der Amerikaner selbst vergrößert, die jetzt das Blatt umwandten, indem sie unter anderen Stichreden dem General Bourgoyne den Namen ›Ellbogen-Raum‹ gaben, weil Dieser, einer der ersten Führer der Armee, unklugerweise mit seiner Absicht geprahlt hatte, unmittelbar nach seiner Ankunft auf dem Kriegsschauplatze mit seinen Gefährten alsbald die Gränzen des Heeres ausdehnen zu wollen. Die äußere Gestaltung der Dinge im britischen Lager begann übrigens jetzt anzuzeigen, daß die Führer ernstlich den Plan hegten, ihre Besitzungen auszudehnen, und Aller Augen waren nach den Höhen von Charlestown, als nach demjenigen Punkte gerichtet, der höchst wahrscheinlich zuerst besetzt werden würde.

Was die Lokalität betrifft, so konnte keine militärische Position glücklicher gelegen seyn, um sich gegenseitig zu unterstützen, die Linien des Feindes auszudehnen und dadurch zu schwächen, als die beiden sich gegenüberliegenden Halbinseln, deren schon so oft Erwähnung geschah. Die Entfernung zwischen beiden betrug blos sechshundert Ruthen und die tiefen, schiffbaren Gewässer, von welchen sie fast rings umgeben waren, machten es dem königlichen Generale leicht, zu allen Zeiten selbst die schwersten Kriegsschiffe zur Vertheidigung eines der beiden Plätze aufzubieten. Diese Vortheile vor Augen, hörte das Heer mit frohem Muthe Befehle ergehen, welche, wie man wohl ahnte, eine herannahende Bewegung nach den Küsten gegenüber bezweckten.

Acht Wochen waren nun seit dem Beginne der Feindseligkeiten verflossen und der Krieg hatte sich bis jetzt auf die obigen Vorkehrungen beschränkt, mit Ausnahme von einem oder zwei hitzigen Scharmützeln, welche zwischen den Fouragierern der Armee und einigen kleinen Abtheilungen der Amerikaner auf den Inseln des Hafens geliefert worden waren und wobei die Letzteren ihren neulich erst erlangten Ruf des Muthes wacker behauptet hatten.

Mit der Ankunft der Regimenter aus England war die Fröhlichkeit noch einmal in die Stadt eingekehrt, obgleich diejenigen unter den Einwohnern, welche gegen ihre Neigung zu bleiben genöthigt waren, fortwährend jene kalte Zurückhaltung beobachteten, wodurch auch wirklich alle Versuche der Offiziere, sie zu ihren Festlichkeiten beizuziehen, vereitelt wurden. Wohl gab es einige Wenige unter den Kolonisten, die sich durch Ehrenstellen und Vortheile hatten bestechen lassen und der Sache ihres Landes untreu geworden waren; mehrere unter ihnen hatten zum Lohne bereits Aemter erhalten, welche ihnen Zutritt zu dem Ohre des Statthalters gestatteten, und so glaubte man diesen unter dem ungebührlichen, unheilvollen Einflusse so verderblicher Rathgeber, die seinen Sinn vergifteten und ihn zu Handlungen der Ungerechtigkeit und Härte antrieben, welche sein unbefangenes Gefühl, wie seine gewöhnliche Denkweise, zu anderen Zeiten gleich sehr verdammt haben würde. Wenige Tage nach der Affaire bei Lexington hatte ein Meeting von Seiten der Einwohner stattgefunden und es war ein feierlicher Vertrag zwischen ihnen und dem Statthalter aufgesetzt worden, wonach Diejenigen, welche ihre Waffen ausliefern wollten, den Platz verlassen konnten, während den Zurückbleibenden angemessener Schutz in ihren Wohnungen versprochen wurde. Die Waffen wurden ausgeliefert, aber jener Theil des Vertrags, der von der Entfernung der Einwohner handelte, wurde unter nichtigen und ungenügenden Vorwänden gebrochen. Dieß und verschiedene andere Ursachen, die mit dem Kriegszustande zusammenhiengen, erbitterten die Gefühle des Volks und gaben neuen Anlaß zu Klagen, während auf der andern Seite bei allen Denen, welche gedrungen waren, ihre Gesinnungen gegen ein Volk zu ändern, das sie doch nie lieben konnten, an die Stelle der Verachtung sehr schnell ein förmlicher Haß getreten war. So herrschte Groll und Mißtrauen, mit aller Heftigkeit persönlichen Rachegefühls, in dem Platze selbst und verstärkte noch mehr den Wunsch der Truppen, ihre Gränzen auszudehnen. Trotz dieser ungünstigen Vorzeichen über den Charakter des Kampfes ließ sich Gage durch seine natürliche Gutmüthigkeit und vielleicht durch den Wunsch, einige seiner eigenen Leute aus den Händen der Kolonisten zu befreien, zu einem Austausche der Gefangenen verleiten und begründete dadurch sogleich zum Beginne einen Vorgang, der den gegenwärtigen Kampf von einer gewöhnlichen Empörung deutlich unterschied. Es wurde zu diesem Zweck in dem Dorfe Charlestown, das damals von keinem der beiden Theile besetzt war, eine Versammlung gehalten. An der Spitze der amerikanischen Deputation erschien Warren und der alte schon oben erwähnte Parteigänger der Wildniß, der vermöge einer glücklichen, obwohl nicht ungewöhnlichen Vereinigung von Gaben eben so rasch und kräftig in Thaten der Milde, wie in denen der Kühnheit war. An dieser Zusammenkunft nahmen mehrere von den Veteranen der königlichen Armee Antheil und setzten über die Meerenge, um eine letzte, freundliche Unterredung mit ihrem alten Kameraden zu halten, der sie zwar mit der Freimütigkeit eines Kriegers empfing, aber ihre Versuche, ihn von den Fahnen, die er sich erwählt, zu verlocken, mit eben so anspruchsloser als unbeugsamer Festigkeit zurückwies.

Während diese Ereignisse auf dem großen Schauplatze des Kampfes Statt hatten, wurde das Geräusch der Zurüstungen in der ganzen Ausdehnung der Kolonien vernommen. An verschiedenen Plätzen wurden leichtere Akte der Feindseligkeiten begangen, da die Amerikaner nicht länger auf den Angriff der Britten warteten, sondern überall, wo sie deren habhaft werden konnten, Kriegsvorräthe friedlich oder mit Gewalt, wie es sich traf, aufzufangen begannen. Die Concentrirung des Haupttheils der Truppen in Boston hatte übrigens den übrigen Kolonien vergleichungsweise nur wenig zu thun übrig gelassen; während sie noch dem Namen nach unter der Herrschaft der Krone verblieben, waren sie gleichwohl darauf bedacht, kein Mittel, das in ihrer Macht stand, zu vernachläßigen, um auch ihre Rechte für den äußersten Fall sicher zu stellen.

Zu Philadelphia erließ ›der Congreß der Deputirten aus den vereinigten Kolonien‹ – der Körper, der die großen Bewegungen eines Volkes lenkte, das nun erst als eine abgesonderte Nation zu handeln begann – seine Manifeste, worin er seine Grundsätze meisterhaft vertheidigte und fortfuhr, eine Armee zu organisiren, die, soweit die Umstände es erlaubten, zum Schutze derselben hinreichen sollte. Männer, im Dienste des Königs in den Waffen erzogen, waren eingeladen, sich um ihre Fahnen zu reihen und die übrigen vakanten Stellen füllte man mit den Namen jugendlicher, kühner Abenteurer aus, welche ihr Leben für eine Sache zu wagen entschlossen waren, wo selbst der Erfolg so wenig persönliche Vortheile versprach. An die Spitze dieser Liste ungeübter Krieger stellte der Kongreß Einen aus seiner eigenen Mitte, einen Mann, der sich bereits durch seine Thaten im Feld ausgezeichnet hatte und der seitdem seinem Vaterlande den Ruhm eines unbefleckten Namens vererbt hat.Washington. A. d. U.

 

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.