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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 9
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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VIII

            Kamerad, wen fährst du? – »Den Minister.« –
Und darum so barsch, so stolz gethan?
Den hab' ich schon lang auf meinem Register,
Soll auch mit Nächstem sein Ständchen ha'n!

Da stehen die schmucken, stattlichen Thiere
Vielleicht schon viele Stunden lang,
Sie hängen die Köpfe alle viere
Und scharren im Schnee und zerren am Strang.

Den Grobian droben auf hohem Bocke,
Um den thut mir das Warten nicht Leid,
Der sitzt warm in seinem verbrämten Rocke,
Aber die Gäule haben kein Kleid,

Keinen Pelz, in grimmiger Kälte labend,
Und innerlich keinen Branntewein.
Ich sollte nur einmal heute Abend
Einer von denen vier Schimmeln sein!

Ich wollte dich wehren, ich wollte dich lehren,
Herr Exzellenz mit dem Podagra,
Du solltest Gottes Geschöpfe ehren
Und deines Gleichen . . . . Hallelujah!

Dort sitzt er noch bei seinem Herrn Vetter,
Wühlt in Karten und wühlt in Geld,
Und läßt die Thiere in Sturm und Wetter
Frieren, so lang' es Gott gefällt.

Ich rathe dir, laß die Karten ruhen
Und hüte dich fein, Ministerlein,
Du hast es mit vier Hengsten zu thuen,
Bedenk', daß das keine Bürger sein!

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