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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 8
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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VII

          Droben ist Thee, droben ist Ball,
Gesellschaft, Spiel und Tanz.
Ei, über die schmucken Männlein all',
Ueber den Lichterglanz!

Hier unten, wo die Kutschen steh'n,
Harr' ich auch einen Augenblick;
Will nach den hellen Fenstern seh'n
Und lauschen auf die Musik.

Nur dann und wann ein grober Klang
Vom Brummbaß trifft mein Ohr,
An den Gardinen ellenlang
Tauchen Schatten empor.

Drehen sich, bücken sich, schneuzen sich,
Flistern und trippeln, Paar für Paar,
Nippen am Gläschen jüngferlich,
Gähnen und wühlen sich wild im Haar.

Das ist mir auch ein rares Plaisir,
Ganz nach meinem Geschmack;
Nein, da lob' ich mein Solo mir,
Mein Bier und meinen Tabak.

Trät' ich in diesem Rockelor
So plötzlich in den Saal hinein,
In der Hand Laterne, Spieß und Rohr,
Unter die Schatten mitten drein,

Weiße Flocken auf meinem Hut,
Den Bart voll Reif und Frost,
Die braune Wange in frischer Glut,
Die Glieder steif vom Ost:

Sie hielten es für 'nen Mummenschanz,
Mich für ein Gespenst der Nacht,
Und ich wette, der jungen Fante Tanz
Zerstöbe, fürsichtig-sacht.

Es ist in der Welt nach meinem Sinn
Ein närrischer Schabernack . . . .
Ob ich gerad' so ein Mensch wol bin,
Wie das feine, vornehme Pack?

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