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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 69
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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III

            So ströme denn in vollem Maaß
Hernieder, Du Maienregen,
Ersehntes, köstliches, tröstliches Naß,
Befrnchtender Erden-Segen!

Lang konnte der Himmel bang und schwer
Die lindernde Thräne nicht finden,
Seine Wimper, die Wolken, drückten sehr
Und zuckten, gejagt von den Winden.

Ihm lag es wie vergangene Lust,
Wie Ahnung künftiger Schmerzen,
Bergeschwer auf der schwülen Brust,
Auf dem bebenden Götter-Herzen.

Nun brechen und gießen allzumal
Die Schleusen, die Ströme, die Quellen;
Durch zerrissene Schleier blinkt ein Strahl,
Das neue Blau zu erhellen.

. . . . . . . . .
Wann hast Du zuletzt Dich ausgeweint,
Mein Herz, in Klang und Klage,
Und wann, mein armes Herz, erscheint
Dein Neulicht fröhlicher Tage?!
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