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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 58
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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III

            Ihr habt gepredigt, nun ein Jahr, die neue, treue, freie Zeit;
Wann wird die Mär denn endlich wahr, die neue, treue, freie Zeit?
Der Becker hat und die Gesell'n geknetet und geheizt genug,
Und immer ist das Brot nicht gahr, die neue, treue, freie Zeit.
Ihr saßt schon lange auf dem Ei und gackertet in alle Welt,
Allein noch kroch nicht aus der Aar, die neue, treue, freie Zeit.
Ein stolzes Wort habt Ihr gewagt, nun eilt, daß es zu Ende kommt,
Und macht uns Ander'n offenbar die neue, treue, freie Zeit.
Von ferne klang es – ha, wie schön! – von deutscher Völker Einigkeit,
Man sah sie schon ganz nah' und klar, die neue, treue, freie Zeit;
Hoch schwebte sie am Krönungsfest ob Euerer entzückten Stadt
Und trat zum Huldigungsaltar, die neue, treue, freie Zeit,
Sie streifte im Vorüberweh'n selbst mit des Fittigs gold'nem Saum
Den König und der Nächsten Schaar, die neue, treue, freie Zeit;
Doch als nun eine kecke Faust besitzes-froh ergreifen wollt',
Wie die Gelegenheit bei'm Haar, die neue, treue, freie Zeit,
Da flatterte sie scheu hinweg, und drohend hieß es: Sachte, Freund,
Sonst bringt sie dich noch in Gefahr, die neue, treue, freie Zeit.
Ihr schwieget – und wir – mäuschenstill, und nur zuweilen flistert's noch:
Sie macht sich doch auch gar zu rar, die neue, treue freie Zeit!
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