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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 57
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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II

        Frei ist die Kunst, allein, fürwahr! nicht frei wie ein Nomadenzelt,
Das man vom Isarstrande flugs hier an der Spree Gestaden stellt;
Sie schießt, ein stolzes Prachtgewächs, aus jeder Scholle nicht hervor
Und ist so gut wie Königthum eine Von-Gottes-Gnaden-Welt.
Soldaten lassen sich zur Noth erziehen und Geheime Räth',
Wenn nur die rechte Meisterhand den gold'nen Puppenfaden hält.
Doch Dichter wuchern nicht empor, wo man verleg'nen Saamen streut,
Zumal wenn er in Sand herab und steinig-harten Pfaden fällt;
Und Maler lieben nicht zu geh'n, wo ihnen rings auf jedem Schritt
Ein kritisch-lautes Köterlein heimtückisch um die Waden bellt;
Und Philosophen denken nicht, wenn das profane Marktgeschrei
Alltäglich um ihr stilles Haus und die verschloß'nen Laden gellt;
Spielleute endlich schweigen bald, wenn Pöbelwahn und Frömmelei
Auf ihre liederreiche Brust schwer wie ein gift'ger Schwaden fällt.
Nein, Rüben und Kadetten zieht, Kartoffeln und Magister groß,
Daß schadlos solche Aernte Euch für Eu'rer Künste Schaden hält!
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