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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 56
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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Sechste Stazion

I

            Nach Mekka zieht der Araber auf stolperndem Kameele,
Und so der Dichter nach Berlin auf holperndem Gasele.
Berlin ist Deutschlands Orient, und wenn ihm Palmen mangeln,
So sagt doch Niemand in der Welt, daß Sand und Staub ihm fehle;
Berlin ist Deutschlands Minaret, und statt der Muezzin schreien
Sich tausend Journalisten wund die wol-geschmierte Kehle.
Dann sinken im Gebete hin die Gläubigen und Frommen,
Ein Pietisten-Derwisch tanzt, kasteiend Leib und Seele;
Im Fusel-Opium berauscht sich offen auf der Gasse
Herr Nante mit dem ganzen Schwarm, der immer kreuzfidele.
Verschnitt'ne schleichen auch umher, triefäugige Eunuchen,
Und suchen, wo noch Männer sind, nach Hader und Krakeele.
Und daß das Gleichniß fertig sei, befiehlt zulegt der Mufti:
Ich will an meinem Throne seh'n die deutschen Prachtjuwele;
Es werde Frühling in der Mark, und eilig laßt mir kommen
Herrn Bülbül-Rückert, Wolgebor'n, des Ostens Philomele!
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