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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 53
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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V

            Umsonst! Es nimmt das reine Element
Den Leib nicht auf, der sich mit Schuld beladen,
Das Mal, das mir aus Stirn und Achseln brennt,
Wäscht keine ab der kosenden Najaden.

Zu ihrem Sklaven prägte mich die Welt,
Ich naschte von der Frucht der Hesperiden,
Nun scheucht mich's fort, wo's eben noch mich hält,
Selbst Meer und Eiland geben keinen Frieden.

Gern hätt' ich meinen Stab hier eingepflanzt,
Zu sehen, ob der dürre grünt' und trüge,
Im rothen Wasser lustig mitgetanzt
Und mich zur Ruh' gesetzt und zur Genüge.

Es soll nicht sein, die Welle stößt mich aus,
Der Felsen will den Gleitenden nicht tragen, –
So leb' denn wol, du räuch'rig Fischerhaus,
Das mich geborgen hat in stillen Tagen!

Leb' wol, der Helga grün-roth-weißes Land,
Gott schütze dich, und englische Gesetze!
Daß nie der Seehund mang'le deinem Strand,
Nie Schell- und Stockfisch deiner Söhne Netze!

Reich' mir noch eins den Mund zum Kusse her,
Schön' Aennchen, morgen küßt er andere Jungen;
Dann denk' an mich, wenn nicht das weite Meer,
Das rächende, zur Heimkehr mich verschlungen!

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