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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 50
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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II

                      Es stürmt, es stürmt! Hinan den Felsensteig,
Blick' in die Nacht, du Lästerer, und neige
Zur Erde dich, vor Freud' und Schrecken bleich, –
Das ist das Meer! Nun sieh' und beb' und schweige!

Wie weit wirft es die Wellen-Kronen fort,
Wie rüttelt's an der morschen Felsenkammer!
Es ächzt das Schifflein selbst im sich'ren Port
Und hält sich fester an des Ankers Klammer.

Ist's eine Woge, die gen Himmel rennt,
Ist's eine Wolke, die zum Meere regnet?
Du weißt es nicht; es haben ungetrennt
Sich Meer und Himmel brüderlich begegnet.

Zermalmt es nicht, entfesselt' Riesenpaar,
Das Kindlein, das in Euren Armen zittert,
Laßt steh'n die Hütten, die so manches Jahr
In Eu'rem Grimme furchtsam sind verwittert!

Der Leuchtthurm schwankt, die Glocke dröhnt im Thurm,
Die Insel schüttert, – Herr, es geht zu Ende!
Sieh' her, mein Volk, das ist Dein Meer im Sturm,
Nun hebe betend die gebund'nen Hände!

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