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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 26
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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IV

                Schlenderte eines Tags verlassen
Umher in der Eschenheimer Gassen,
Und trat in einen Hof, darinnen stand
Ein Oesterreicher, Musket' in der Hand.

Seh' mir die Treppen, Höfe, Gänge,
Der bestäubten Fenster Menge
Recht neugierig und theilnehmend an,
Just wie nur ein Fremder gaffen kann.

Kommt aus dem Haus mit leisen, raschen
Schritten ein Mann mit Akten in den Taschen,
Den frag' ich mit einem Gruße frank und frei:
Was das für ein großes Hans hier sei?

Das Männlein blinzt durch seine Brille
Mich an und hustet nach langer Stille:
Ihnen das zu sagen, bin ich nicht kompetent;
Sprach's, ging, machte sein Kompliment.

Nun hab' ich' s gewußt, woran ich gewesen,
Der Oesterreicher aber, ohne viel' Federlesen,
Kommt auf mich zu und fragt mich grob,
Was ich hier in dem Hause zu suchen hob'?

Gott sei Dank, hier hab' ich nichts zu suchen,
Da fing der Holter an zu fluchen;
Dann gehn's Ihrer Wege als guter Christ,
Seh'n ja, daß hier nichts zu finden ist!

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