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Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters

Franz Dingelstedt: Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters - Kapitel 18
Quellenangabe
typepoem
booktitleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
authorFranz Dingelstedt
year1923
publisherKlinkhardt & Biermann
addressLeipzig
titleLieder eines kosmopolitischen Nachtwächters
pages1-167
created20020609
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1842
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XVII

        Aber nein! Ich ziehe mit leisem Schritt
Vorbei der verfluchten Stätte.
Ich weckte ja sie zum Leiden mit,
Sie droben im Witwen-Bette.

Du armes, junges, süßes Weib,
Zum Schatten umgewandelt,
Seit du den blühenden, schönen Leib
An jenen Todten verhandelt!

Nun hast du dein beneidet' Glück,
Die Titel, die Mittel, die Größen,
Und gäbst es mit tausend Freuden zurück
Für deiner Armuth Blößen;

Für eine Stunde freier Lust
An des verlassenen Buhlen Herzen,
Für ein Kindlein an deiner runden Brust,
Gezeugt und gesäugt in Schmerzen.

Mich friert es, denk' ich an ihren Schlaf,
An die rothen Augenlider,
Die kaum ein schmerzliches Ruhen traf,
An die matt-hinwelkenden Glieder.

Ja, armes Weib, hätt' ich nun mein Horn,
Dir gäb' ich's mit lautem Ergezzen;
Solltest's dem alten Sünder vorn
An die schamlose Stirne sezzen!

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