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Lieder aus China

Hans Böhm: Lieder aus China - Kapitel 20
Quellenangabe
authorHans Böhm
titleLieder aus China
publisherGeorg D. W. Callwey
firstpub
illustratorRudolf Großmann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170115
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Li Tai Po, 701-762

Die Flöte von Jade

Zu meiner Flöte von Jade
Sang ich den Menschen ein Lied,
Das fand bei ihnen nicht Gnade.

Hob ich die Flöte zum Himmel,
Den Unsterblichen sang ich mein Lied –
Da drängte sich göttlich Gewimmel.

Da sind in goldenem Glanze
Die Abendwolken erglüht
Von seliger Sohlen Tanze.

Seitdem bin ich hier auch in Gnade,
Wenn den Menschen ich singe mein Lied
Zu meiner Flöte von Jade.

Die beiden Flöten

Durch die Blütenluft;
Durch der Blätter Duft
Trug des Frühlings letzter Abendhauch
Einen Flötenton,
Ferner Flöte Ton
mir zitternd zu.

Weiß nicht, wie es kam –
Einen Zweig ich nahm,
Flöte schnitt ich mir vom Weidenstrauch.
Bebte feucht und bang
Leisen Widerklang
dem fernen Du.

Nacht seitdem um Nacht
Hören halberwacht
Vögel ein Gespräch nach Vogelbrauch;
Zwillingszwitscherlaut
Sucht sich süßvertraut
und immerzu.

Selbstvergessenheit

Trinkend saß ich und sah nicht die Dämmerung kommen,
Bis mir die Blüten
Fallend mein Kleid übersprühten.

Trunken stieg ich zum Strome, der mondlich erglommen:
Fort alle Vögel,
Dann nur und wann noch ein Segel.

Die drei Gesellen

Unter blühenden Bäumen beim Wein allein –
Da blickt überm Berge der Mond herein;
Gleich stellt mein Schatten als Dritter sich ein.

Zwar auf Wein versteht sich der Mond nur schlecht;
Und mein Schatten ist gar ein närrischer Knecht:
Der äfft mich nur nach, wenn er bechert und zecht.

Doch – trinken will ich und fröhlich sein,
Solange der Frühling duftet im Wein;
Drum will ich mir euere Freundschaft leihn!

Da flimmert der Mond zu meinem Lied,
Da verrenkt und zerbricht sich Leib und Glied
Mein Schatten, wie er mich tanzen sieht. –

Das war ein fröhlicher Spaß zu drein!
Da waren wir nüchtern, nun sind wir voll Wein,
Nun geht seines Weges ein jeder allein.

Laßt uns lang unser seltsames lebloses Fest
Erneuen, bis uns zuletzt und zubest
Der Himmelsstrom neben sich wohnen läßt!

Das Lusthaus aus Porzellan

Ein Lusthaus mitten im Teiche
Aus grünem und weißem Porz'lan.
Ein Brücklein aus Jade
Springt zum Gestade
Wie hoch sich krümmender Tiger heran.

Im Lusthaus sind Freunde beisammen,
In lichte Kleider gehüllt.
Sie plaudern und winken,
Sie dichten und trinken,
Vom Wein wird Becher um Becher gefüllt.

Sie streifen aufwärts die Ärmel,
Sie schieben die Mützen zurück.
Und unten im Teiche
Da sieht man das Gleiche
Noch einmal, nur umgekehrt, Stücklein für Stück.

Das Brücklein – ein Halbmond aus Jade.
In lichte Kleider getan
Sie winken und sitzen,
Zu unterst die Mützen,
Im Lusthaus aus grünem und weißem Porz'lan.

Der Berg

Alle Vögel fortgeflogen,
Letzte Wolke weggezogen,
Zwei nur, nimmer sattgesogen,
Sehn sich an – der Berg und ich.

Aufklarender Abend

Im Feld ists frisch, die Regenschauer gingen.
Von Frühlingsfarben schwillts durch Nebelschleier.
Die Fische springen dicht im blauen Weiher,
Die grünen Zweige beugt ein Vogelsingen.

Der Blumen staubige Wangen sind getauft,
Das Berggras liegt wie hingemäht am Boden.
Beim Bambusfluß der letzte Wolkenbrodem
Löst sich im Winde langsam auf.

Am Ufer des Jo-yeh

Im Wasser des Jo-yeh Mädchen im Nachen, Lotus pflückend das Ufer entlang,
Ein jedes flüstert mit einem Freunde, durch Blüten tönt ihres Lachens Klang.

Gepuderte Wangen glühn in der Sonne, glühn in der tiefen spiegelnden Flut;
Vom Winde umhascht ihre duftenden Röckchen fliehn hoch in die Lüfte voll Übermut.

Doch wer sind die heiteren Jünglinge drüben, die rüstigen Reiter am Ufer und Holz?
Sie sprengen heran, zu dreien, zu fünfen, durchs Weidengezweige schimmern sie stolz.
Ihre Rotschimmel wiehern und schlagen die Hufe tief in fallende Blätter und Klee.
Die Reiter blicken, sie stocken und staunen, sie schwinden – im Herzen ein zärtliches Weh.

Vergebliches Harren

Weiß kriecht der Nebel aufwärts die Terrassen,
Den Seidenschuh durchdringt ihrs ungewohnt.
Sie läßt den Vorhang fallen; durch die blassen
Kristalle starrt sie auf des Herbstes Mond.

In der Herberge

Vor meinem Lager weißer Schein –
Deckt Frühreif so den Boden zu?
Auf seh ich, seh in Mond hinein,
Seh niederwärts – – o Heimat du!

Das Bergkloster

Mit dem Band des Pilgers steig ich aus der Ebne Staub empor,
Wandle stillen Gangs am grünen Berg entlang zum Tempeltor.
Goldne Richtschnur wird mich leiten bis zur geistlichen Empfängnis;
Heilger Nachen wird mich tragen durch den Strom von Wahn und Bängnis.

An der Pforte Bäume ragen auf zum schlanken Säulenwalde,
In das Flußtal nieder blicken Blumen von der Frühlingshalde.
Hoch steht die Pagode überm Mond, der dort dem See enttaucht;
Weit verschwimmt das Kloster, von des Stromes Nebeln weiß umraucht.

Feuerglut der Abendröte bricht aus den drei Himmeln her.
See- und Stromesrauschen eint der Glocken Klang zu einem Meer.
Feierlich die Lotosblätter tragen ihre Taukristalle;
Rühren keinen Zweig die Fichten rund in dunkler Waldeshalle.

Vögel schweigen wie zu lauschen; hier wohnt Buddhas Wort und Wille.
Skorpion und der Orion hüten hoch die heilge Stille.
O mein Lied, o könntst du tönen, wie des Stromes Rauschen tönt,
Zauberstark, wie Po-yas Weise durch die Herzen einst gedröhnt!

Das Lied vom Gram

Der Herr des Hauses hat Wein, hat Wein;
Doch eh die Becher ihr füllen laßt,
Hört mich erst singen das Lied vom Gram.
Wenns über mich kommt, wenn der Gram mich faßt,
Wenn mein Sang verstummt, wenn mein Lachen vergeh,
Da weiß kein Mensch, da weiß ich allein,
Was dann mir durch die Seele geht.
Weh, ach weh! Weh, ach weh!

Du, Herr, du hast viel köstlichen Wein;
Ich hab mein langes Lautenspiel.
Weintrinken und Singen, das ist ein Paar,
Das sich immer vertrug, das sich immer gefiel.
Wer kennt nicht die Stunde, alt oder jung,
Da gab er tausend Unzen drein
Für einen Becher, für einen Trunk.
Weh, ach weh! Weh, ach weh!

Wohl steht ewig des Himmels Thron,
Wohl steht die Erde lange noch fest;
Doch wir – wie lang ists, daß man uns
An Gold und Jade sich freuen läßt?
Und hoffst du hoch, sinds hundert Jahr.
Wir leben und müssen wieder davon;
Dies nur ist uns gewiß und wahr.
Weh, ach weh! Weh, ach weh!

Hört ihr ihn unten im Mondenschein,
Den Affen, der da kauernd huckt?
Hört ihr, wie er weint und heult,
Einsam zwischen Gräber geduckt?
Und nun ist die Stunde, nun bringt den Krug,
Die Becher füllt mit Wein, mit Wein,
Nun laßt sie uns leeren mit einem Zug.
Weh, ach weh! Weh, ach weh!

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