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Gutenberg > Ovid >

Liebeskunst

Ovid: Liebeskunst - Kapitel 14
Quellenangabe
typepoem
booktitleOvids Werke, Fünfter Theil
authorOvid
translatorHeinrich Lindemann
firstpub1861
year1861
publisherVerlag von Wilhelm Engelmann
addressLeipzig
titleLiebeskunst
created20040831
sendergerd.bouillon
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Cum tot prodierint pretio leviore colores,
    Quis furor est census corpore ferre suo?
Aeris ecce color, tum cum sine nubibus aether,
    Nec tepidus pluvias concitat Auster aquas!
Ecce tibi similis, qui quondam Phryxon et Hellen
    Diceris Inois eripuisse dolis!
Hic undas imitatur, habet quoque nomen ab undis:
    Crediderim nymphas hac ego veste tegi.
Ille crocum simulat: croceo velatur amictu,
    Roscida luciferos cum dea iungit equos;
Hic Paphias myrtos; hic purpureas amethystos,
    Albentesve rosas, Threiciamve gruem.
Nec glandes, Amarylli, tuae, nec amygdala desunt;
    Et sua velleribus nomina cera dedit.
Quot nova terra parit flores, cum vere tepenti
    Vitis agit gemmas pigraque cedit hiems:
Lana tot aut plures succos bibit. Elige certos:
    Nam non conveniens omnibus omnis erit.
Pulla decent niveas: Briseida pulla decebant;
    Cum rapta est, pulla tum quoque veste fuit.
Alba decent fuscas: albis, Cephei, placebas;
    Sic tibi vestitae pressa Seriphos erat.
Quam paene admonui, ne trux caper iret in alas,
    Neve forent duris aspera crura pilis!
Sed non Caucasea doceo de rupe puellas,
    Quaeque bibant undas, Myse Caice, tuas.
Quid, si praecipiam, ne fuscet inertia dentes,
    Oraque suscepta mane laventur aqua?
Scitis et inducta candorem quaerere cera;
    Sanguine quae vero non rubet, arte rubet.
Arte supercilii confinia nuda repletis,
    Parvaque sinceras velat aluta genas.
Nec pudor est oculos tenui signare favilla,
    Vel prope te nato, lucide Cydne, croco.
Est mihi, quo dixi vestrae medicamina formae,
   



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    Da der Farben so viel vorhanden geringeren Preises,
    Ist's nicht rasend, am Leib Habe zu tragen und Gut?V. 172. Die Verschwendung der Römerinnen in Schmucksachen war ungeheuer. Wie unser Dichter hier sagt auch Propertius:
Frauen gehen einher mit der Habe bekleidet der Enkel.

Und bei Tertullian liest man von einer etwas späteren Zeit: Haus und Hof trägt der zarte Hals umher, die schmächtigen Ohrläppchen wiegen ein Schuldbuch, und die Linke spielt an jedem Finger mit einem vollen Beutel. – Suo hat Heinsius nach drei ungenannten Hdschrften gegeben; die übrigen haben suos, das mindestens eben so gut ist.


Siehe, die Farbe der Luft, wann ohne Wolken der Himmel,V. 173 f. Die gem. Lsrt ist sine nubibus aer, eine Wiederholung des letzteren Wortes, die Burmann mit Recht widerlich findet. Aber auch seine Verbesserung, die er auf exstat einiger Hdschrften gründet, cum sol sine nubibus exstat, gefällt uns nicht. Wir ziehen das von mehreren Quellen bezeugte aether vor. Im Pent. findet sich in zwei Hdschrft. incitat, in zwei anderen concipit.
    Und der lauliche Süd nicht sie mit Regen erfüllt!
Siehe die Farbe, die ähnlich ist dir, der Phryxus und HelleV. 175 f. S. zu Verw. 7, 1. Gemeint ist folglich die Farbe des Goldes.
    Einst du der Ino List habest, erzählt man, entrückt!
Die ist ähnlich den Wogen und hat von den Wogen den Namen.V. 177. Die Meerfarbe, also bläulichgrün oder wasserblau. Hat auch von den Wogen den Namen, nämlich von dem Griechischen kyma, die Woge, cumatilis. Daß, wie die Ausleger annehmen, auch das Lateinische undulatus gemeint sei, bezweifeln wir, da dieses Wort entweder auf das Gewebe oder auf die Form des Kleides, nicht auf die Farbe geht. – Aus einer Vat. Hdschrft und Exc. Pol. hat Heinsius imitatus als richtiger aufgenommen. Dieses richtiger können wir aber nicht anerkennen, da der Hauptbegriff die Bezeichnung der Farbe, der Name aber nur Nebensache ist.
    Nymphen bedecken sich wohl, mein' ich, mit solchem Gewand.
Die stellt Safran dar; ein safranfarbenes Kleid schmückt,
    Wann sie ihr leuchtend Gespann schirret, die Göttin des Thaus.V. 180. Die Göttin des Thaus, Aurora. Ein Cod. Pal. hat sehr schön lucida rorifluos, Jun. roscida purpureos; dann Reg. movit, Linc. movet.
Purpurnem Amethyst gleicht die, die Paphischer Myrte;V. 181 f. Paphisch heißt die Myrte als der Göttin von Paphos, der Venus, heilig. Die gemeinte Farbe ist also dunkelgrün, sowie die durch das Gefieder des Kranichs bezeichnete aschgrau. In den Sumpfgegenden Thraciens muß es besonders viele Kraniche gegeben haben. Auch Virgil nennt sie die Strymonischen, am Strymon, dem Grenzfluße zwischen Thracien und Makedonien, zu Hause. Übrigens galt der Kranich den Römern, wie noch heutzutage den Polen und Tataren, als Leckerbissen und war im Herbste zur Zugzeit ein Gegenstand der Jagd. – Die weibliche Form purpureas bezeugen Reg., Sarr. und noch zwei andre.
    Weißen Rosen die, Thracischen Kranichen die.
Mandeln gebrechen auch nicht, noch deine Frucht, Amarýllis;V. 183. Mandeln und deine Frucht &c. d. h. die Farbe der Mandeln und der Kastanien. S. oben zu II, 267.
    Seinen Namen auch gab flockiger Wolle das Wachs.V. 184. Auch wachsfarbigen Wollenstoff giebt's.
So viel Blumen die Erde erzeugt, wann Knospen der Weinstock
    Treibt, und des Winters Frost weichet dem sonnigen Lenz:V. 186. Viele Hdschrften fugit für cedit.
So viel oder noch mehr trinkt Farben die Wolle. GewisseV. 187. Gewisse, irgendwelche.
    Wähle denn aus: nicht ist jede für Jede gemacht.V. 188. Gem. Lsrt omnibus unus.
Schwarz steht schneeiger Haut. Schwarz stand der Tochter des Brises;V. 189. Vergl. die Bemerkung oben zu II, 699. – Gem. Lsrt decet und decebat.
    Als sie geraubt ward auch, trug sie ein schwarzes Gewand.V. 190. S. zu Verw. 13, 443. Als sie geraubt ward muß, wenn der Text richtig ist, von der gewaltsamen Behandlung und Fortschleppung bei der Gefangennehmung nach Eroberung der Stadt Lyrnesus verstanden werden, nicht von der halb gewaltsamen Wegführung aus dem Zelte Achills durch die Abgesandten Agamemnons (oben II, 403). Der Dichter will den Eindruck des in passender Kleidung erscheinenden Mädchens auf Achilleus andeuten. Da jedoch Her. III, 16 ein Theil der Hdschrften ebenfalls rapi hat, die vorzüglicheren aber capi geben; so behauptet Heinsius mit großer Wahrscheinlichkeit, daß auch hier capta für rapta zu lesen sei. Doch getrauen wir uns ohne handschrftlichen Anhalt nicht zu ändern.
Weiß steht dunkeler Haut. Weiß, Cepheus' Tochter, gefielst du.V. 191 f. Cepheus', des Äthioperkönigs (daher dunkele Haut) Tochter, Andrómeda, welche von Perseus befreit und geliebt wurde. S. Verw. 4, 670 ff. Mit ihr als Gattin begab er sich zunächst nach Argos, dann nach der Insel Seriphos (s. das. 5, 236–251), während sie ihrer Tracht treu blieb und seine Liebe sich bewahrte.
    So warst an du gethan, als du Seríphus betratst.
Wie fast hätt' ich gewarnt, daß gräulicher Bock in die AchselnV. 193 f. S. oben zu I. 522 und 506. Der gräuliche Bock scheint ein gewöhnlicher Ausdruck für die Sache gewesen zu sein. Wir finden denselben auch bei Catull 69, 5:
Schaden verursacht dir ein übles Gerede, nach welchem
    Unter den Achseln dir soll hausen ein gräulicher Bock.

– Die gemeine Lsrt saepe widerlegt sich durch das ganze Werk von selbst. Paene giebt Cod. Reg. und ein Pal., letzterer nur mit quod für quam, endlich Exc. Pal. mit bene bezeugen es.


    Euch nicht komme, nicht rauch strotze von Haaren das Bein!
Aber ich spreche ja nicht zu Mädchen von Caucasus' Felsen,V. 195. Mädchen von Caucasus Felsen oder &c. aus den Ländern der höchsten Barbarei, die so roh wären, daß man ihnen die Pflege des Körpers in dieser Beziehung erst noch anempfehlen müßte. – Der Conjunctiv bibant wird nach Heinsius von Cod. Reg. und fünf anderen bezeugt; die übrigen haben den Indicativ, der hier ebenfalls untadelhaft ist. Übrigens wird der Kundige die Übersetzung des Pentameters zu würdigen wissen.
    Oder die Mysiens Strom, wilder Caícus, du tränkst.
Wie, wenn lehren ich wollte, nicht schwarz die Zähne vor Trägheit
    Werden zu lassen und früh aus euch zu spülen den Mund?
Weiß auch euch wißt ihr zu machen mit aufgetragenem Wachse;V. 199 ff. Wie bei den Griechischen Frauen, so war auch bei den Römischen die Sitte des Schminkens allgemein. Becker in seinem Charikles glaubt den Grund dieser Unsitte darin zu finden, daß das Zuhausestecken der Mädchen und Frauen ihnen die natürliche Munterkeit und Frische der Gesichtsfarbe raubte, und daß sie darum bemüht waren, durch erborgtes Roth und Weiß sich ein täuschendes Ansehen zu geben. Wie das Wachs, wahrscheinlich gebleichtes und wer weiß mit welchen andern Substanzen versetztes, dazu verwendet wurde, wissen wir freilich nicht. Die Hdschrften bestätigen aber alle ohne Abweichung die Lsrt cera, und es hieße dem Texte Gewalt anthun, wenn man, wie Micyll, Heinsius und andere Erklärer wollen und wirklich geben, creta läse. Auch läßt sich wohl denken, daß Wachs wegen des Glanzes noch geeigneter war, als Kreide oder Bleiweiß, die sonst zur Auftragung des Weiß gebraucht wurden. Zum Rothschminken wurde besonders fucus (φυκος), eine Flechte, und anchusa, Ochsenzunge, verwendet.
    Die nicht wirkliches Blut röthet, die röthet die Kunst.
Künstlich füllet ihr aus die nackenden Grenzen der Brauen,V. 201–4. Man hielt es für schön, wenn die Augenbrauen nach der Mitte möglichst weit zusammentraten, und setzte dieselben daher in dieser Richtung künstlich, d. h. mit schwarzer Farbe, ja geradezu mit Ruß fort. Ebenso schwärzte man die Augenbrauen selbst. Ferner wurden feine Lederstückchen auf die Augenlider geklebt, und die Wimpern mit fein gestoßener Asche dunkel, oder mit Safran gelb gefärbt. Der beste Safran wuchs an dem Flusse Cydnus in Cilicien.
    Hüllt das natürliche Lid ein in ein niedliches Fell;
Schämt euch zu zeichnen auch nicht mit gestoßener Asche die Augen,
    Oder mit Safran, an dir, schimmernder Cydnus, erzeugt.
Nicht umfänglich, doch groß an Sorgfalt, hab' ich ein Büchlein,V. 205 f. Der Dichter hatte also die Schönheitsmittel schon verfaßt. – Für quo dixi geben zwei Hdschrften qui dicit, einige qui dixit, Ed. pr. seltsam quo duxi.
    Parvus, sed cura grande libellus opus.
Hinc quoque praesidium laesae petitote figurae:
    Non est pro vestris ars mea rebus iners.
Non tamen expositas mensa deprendat amator
    Pyxidas: ars faciem dissimulata iuvat.
Quem non offendat toto faex illita vultu,
    Cum fluit in tepidos pondere lapsa sinus?
Oesypa quid redolent, quamvis mittatur Athenis,
    Demtus ab immundo vellere succus ovis?
Nec coram mistas cervae sumsisse medullas,
    Nec coram dentes defricuisse probem.
Ista dabunt faciem, sed erunt deformia visu.
    Multaque, dum fiunt turpia, facta placent.
Quae nunc nomen habent operosi signa Myronis,
    Pondus iners quondam duraque massa fuit.
Annulus ut fiat, primo colliditur aurum;
    Quas geritis vestes, sordida lana fuit.
Cum fieret, lapis asper erat, nunc nobile signum,
    Nuda Venus madidas exprimit imbre comas.
Tu quoque dum coleris, nos te dormire putemus:
    Aptius a summa conspiciere manu.
Cur mihi nota tuo causa est candoris in ore?
    Claude forem thalami! Quid rude prodis opus?
Multa viros nescire decet: pars maxima rerum
    Offendat, si non interiora tegas.
Aurea quae pendent ornato signa theatro,
    Inspice, quam tenuis bractea ligna tegat.
Sed neque ad illa licet populo, nisi facta, venire:
    Nec nisi summotis forma paranda viris.
At non pectendos coram praebere capillos,
    Ut iaceant fusi per tua terga, veto.
Illo praecipue, ne sis morosa, caveto
    Tempore; nec lapsas saepe resolve comas.
Tuta sit ornatrix. Odi, quae sauciat ora
    Unguibus et rapta brachia figit acu.
   



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        Wo die Mittel ich dar euerer Schönheit gelegt.
Da auch holet euch Rath für verblichene Reize; es wird nichtV. 207. Figurae haben nur wenige Quellen erhalten, die meisten geben puellae.
    Unnütz meine Kunst euren Bedürfnissen sein.
Aber es finde der Mann die Büchsen nicht auf dem TischeV. 209 f. Obgleich, wie vorher bemerkt, das Schminken kein Geheimniß war, so soll der Liebhaber doch die Werkstatt der Reize seiner Schönen nicht sehen. Daher räth der Verfasser im Gegentheile dem Liebenden als Recept gegen die Liebe an, die Geliebte zu überraschen, wann sie ihren Apparat aufgestellt habe, Mittel wider die Liebe V. 351. – Andere Lsrt iuvet, Cod. Voss. facit.
    Ausgekramt; dem Gesicht dienet verheimlichte Kunst.
Wen beleidigte nicht ein Gesicht in Schminke getaucht ganz,
    Daß sie durch Schwere entschlüpft fließt in den Busen herab?
Warum Ösypgeruch? Und wird er geschickt von Athen auch,V. 213 f. Das oder der Ösyp (Griechisch oísypos oder oísypon) war ein Öl oder ein Fett, gewonnen aus Schaafwolle, die man frisch mitsammt dem daranklebenden Schmutze von dem Hintertheile der Schaafe nahm und bei gelindem Feuer kochte. Die obenaufschwimmende Fettigkeit wurde abgeschöpft und durch verschiedene Operationen gereinigt, bis sie weiß und durchsichtig war. Das so gewonnene Erzeugniß wurde in zinnernen Büchsen aufbewahrt. Die Römerinnen bezogen es aus Athen, ihrem Paris. Daß es auch so noch seinen Ursprung durch den Geruch verrieth und durch die Vorstellung seines Ursprungs widerlich war, lehrt unsere Stelle und Mittel w. d. L. V. 354 ff. – Ein Theil der Quellen giebt mittantur, auf oesypa bezogen; richtiger andere mittatur, von Cod. Reg. durch imitatur bestätigt, mit der folgenden Apposition zu verbinden. Ebenso verdient die Lsrt immundo den Vorzug vor immundae.
    Saft vom unsauberen Vließ ist es genommen des Schaafs.
Offen auch nicht das bereitete Mark zu nehmen der HirschkuhV. 215. Hirschmark (es mußte aber von einem weiblichen Hirsche sein) diente die Sprödigkeit der Haut zu mildern. Wahrscheinlich war es noch mit andern Substanzen versetzt (bereitet), so daß es der Haut zugleich das Ansehen der Frische verlieh. Doch müssen wir bemerken, daß der Ausdruck nehmen mehr auf einen inneren Gebrauch deutet, vielleicht um üblen Geruch des Athems zu dämpfen oder gar um Mattigkeit in Folge des Beischlafs zu heben.
    Rathe, die Zähne auch euch offen zu putzen ich nicht.
Das giebt Ansehn wohl, doch ist es häßlich zu sehen.V. 217. Für faciem einzeln formam und speciem, Cod. Reg. und einige andere widersinnig curam.
    Vieles, das, wann es geschieht, garstig, gefällt uns geschehn.
Myrons Meistergebilde von jetzt hochrühmlichem NamenV. 219. Myron war einer der größten Griechischen Meister der bildenden Kunst.
    Waren untaugliche Last, starrende Klumpen zuvor.
Daß sich gestalte ein Ring, schlägt erst das Gold man zusammen;V. 221. Einige gute Hdschrften contunditur.
    Euere Kleidung war schmutzige Wolle vorher.
Als sie entstand, war rauhes Gestein, jetzt edeles StandbildV. 223 f. Die berühmte Darstellung der Venus, wie sie dem Meere entsteigt; eine Darstellung, die von vielen Künstlern theils auf der Leinwand (f. zu Liebeserg. I, 14, 33), theils in Stein ausgeführt wurde. Die berühmteste Bildsäule von ihr war die von Praxiteles gearbeitete zu Knidos (nackt), auch eine auf Kos (bekleidet). Daß es deren auch zu Rom gab, unterliegt keinem Zweifel; dennoch ist hier wohl an keine bestimmte zu denken, ebensowenig als Trauererg. II, 527; wogegen die letztere, die Koische, ausdrücklich genannt wird Briefe aus dem Pontus IV, 1, 29, wenn dort nicht das von Apelles gemalte Bild gemeint ist.
    Venus, die nackend entpreßt triefenden Locken die Fluth.
Auch wann dich man schmückt, magst uns für schlafend du gelten;V. 225. Für schlafend gelten, keinem Besucher zugänglich. – Gem. Lsrt Tu faciem cura, dum te cett.
    Erst mit der letzten Hand lasse dich sehen vor uns.V. 226. Aus Cod. Sarr. und einem Pat. hat Heinsius conspiciare gegeben und alle folgenden Herausgeber beibehalten. Wir können aber keinen Grund finden, von der allgemein beglaubigten Lsrt conspiciere abzugehen.
Wozu weiß ich, woher das Weiß in deinem Gesichte?V. 227. Tuo hat Heinsius aus einigen Hdschrften für tui der übrigen gegeben. Dann haben einige Quellen, besonders alte Ausgaben, spendoris für candoris.
    Was zeigst roh du das Werk? Schließe die Thür des Gemachs.V. 228. Fores für forem, gewöhnliche Variante. Für quid einige quae (eine quod), ferner Reg. cogis für prodis.
Vieles ja darf nicht wissen der Mann, da euere Dinge
    Meist anstößig, wofern nicht ihr das Innre verhüllt.V. 230. Offendat bezeugt Reg. mit mehreren anderen; offendet giebt Ed. pr. nebst drei Hdschrften; gem. Lsrt offendit.
Siehe die goldenen Bilder, die schweben im prächt'gen Theater;V. 231 f. Unter den hier bezeichneten Bildern stellen wir uns Schnitzbilder vor, und zwar kleinere, welche vielleicht auf vorspringenden Fußgestellen (Consolen) an den Tragsäulen sowohl als an den Brüstungen standen, daher schweben. Fußgestelle anzunehmen ist jedoch nicht nothwendig, sie können auch auf andere Weise befestigt gewesen sein, so daß sie noch eigentlicher zu schweben schienen. Im Theater des Scaurus sollen dergleichen 3000 sich befunden haben. – Für das räthselhafte pendent vermuthet Burmann splendent. Sodann will Heinsius, weil Cod. Farn. ligat für tegat giebt und tegas eben erst vorhergegangen sei, linat lesen. Da jedoch eine Vergleichung Statt findet, muß es erst recht tegat heißen.
    Schaue, wie dünnes Blech da nur bekleidet das Holz!
Gleichwie diesen das Volk nicht nahn darf, ehe sie fertig,
    Darf sich auch schmücken das Weib nur nach Entfernung des Manns.
Doch nicht wehr' ich das Haar vor dem Manne zum Kämmen zu bieten,V. 235. Zu bieten, nämlich der Dienerin.
    Daß es dir walle zerstreut über den Rücken hinab.V. 236. Für tua will Heinsius durchaus sua, als Variante in Cod. Francof. bemerkt, geschrieben haben. Dann ist gem. Lsrt colla. Endlich hat Heinsius aus einer einzigen seiner Hdschrften vetem aufgebracht, das wir daher als unecht wieder beseitigt haben.
Hüte zu der Zeit ja vor Allem dich, daß du nicht mürrisch
    Seist, und reiße nicht ein oft das geordnete Haar.V. 238. Das gefallene Haar der Urschrift können wir nicht anders verstehen, als das Haar in dem Zustande, wo es herabgefallen, also noch nicht in irgend einer Form aufgesetzt, aber doch schon gekämmt, abgetheilt, überhaupt theilweise geordnet ist. Die Lsrt nexas, worin Heinsius pexas vermuthet, wäre freilich für uns verständlicher und verdankt diesem Umstande wahrscheinlich ihre Entstehung.
Sicher sei die Zofe. Verhaßt ist mir, die mit den NägelnV. 239 f. Die mit den Nägeln &c, die Schöne, welche der Dienerin das Gesicht zerkratzt &c. Vergl. Liebeserg. I, 14, 16 ff. n A. – Rapta bedeutet entweder, wie in der ang. Stelle direpta, die sie aus dem Haare herausreißt oder der Sclavin entreißt, oder überhaupt im Zorn hastig ergreift; daher wir es durch zornig ausgedrückt haben.
    Kratzt ins Gesicht und den Arm zornig mit Nadeln zersticht.
Devovet et dominae tangit caput illa, simulque
    Plorat ad invisas sanguinolenta comas.
Quae male crinita est, custodem in limine ponat,
    Orneturve Bonae semper in aede Deae.
Dictus eram cuidam subito venisse puellae:
    Turbida perversas induit illa comas.
Hostibus eveniat tam foedi causa pudoris,
    Inque nurus Parthas dedecus illud eat.
Turpe pecus mutilum, turpis sine gramine campus,
    Et sine fronde frutex, et sine crine caput.
Non mihi venistis, Semele Ledeve, docendae;
    Perque fretum falso, Sidoni, vecta bove;
Aut Helene, quam non stulte, Menelae, reposcis,
    Tu quoque non stulte, Troie raptor, habes.
Turba docenda venit, pulcrae turpesque puellae:
    Pluraque sunt semper deteriora bonis.
Formosae minus artis opem praeceptaque curant:
    Est illis sua dos, forma sine arte potens.
Cum mare compositum est, securus navita cessat;
    Cum tumet, auxiliis assidet ille suis.
Rara tamen mendo facies caret: occule mendas,
    Quamque potes, vitium corporis abde tui.
Si brevis es, sedeas, ne stans videare sedere;
    Inque tuo iaceas quantulacumque toro.
Hic quoque ne possit fieri mensura cubantis,
    Iniecta lateant fac tibi veste pedes.
Quae nimium gracilis, pleno velamina filo
    Sumat; et ex humeris laxus amictus eat.
Pallida purpureis tingat sua corpora virgis;
    Nigrior, ad Pharii confuge piscis opem.
Pes malus in nivea semper celetur aluta,
    Arida nec vinclis crura resolve suis.
Conveniunt tenues scapulis analectrides altis;
    Inflatum circa fascia pectus eat.
Exiguo signet gestu, quodcumque loquetur,
    Cui digiti pingues et scaber unguis erunt.
   



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    Jene verwünscht das Haupt der Herrin, sowie sie es anrührt,
    Bei dem verhaßten Haar jammernd und triefend von Blut.
Wache sich stell' an die Thür und laß' in der gütigen Göttin
    Tempel sich machen das Haar Eine, die übel behaart.V. 244. In der Gütigen Göttin Tempel, wo Männer keinen Zutritt hatten, soll doch wohl, da dies schwerlich im eigentlichen Sinne genommen werden kann, nur heißen. in einer Abgeschiedenheit, wie im Tempel der gemeinten Göttin. Ihr Name, welcher Fauna Fatua gewesen sein soll. wurde nie genannt; sie hieß eben nur die Gütige oder Gute Göttin, Bona dea.
Einem Mädchen einmal war plötzlich gemeldet ich worden;
    In der Verwirrung verkehrt setzte die Haare sie auf.
Feinde betreffe das Loos, so schmählich sich schämen zu müssen;V. 247 f. Ich gönne das meinem ärgsten Feinde nicht, sagt der christliche Deutsche, um etwas recht Schlimmes auszudrücken; der heidnische Römer dagegen sagte in demselben Falle das wiederfahre dem Feinde. Die gefürchtetsten Feinde der Römer aber waren damals die Parther. S. oben I, 177 ff. n. Anmerkungen.
    Und derartiger Schimpf fall' auf die Parthischen Fraun!
Häßlich ist kahles Vieh, das Feld auch ohne Begrasung,V. 249 f. Vergl. Verw. 13, 847 ff. Kahles Vieh braucht man keineswegs von haarlosem, wie Heinsius erklärt, zu verstehen, sondern kann, wie gewöhnlich, ohne Hörner heißen; diese gehören aber zur natürlichen Zierde, wie beim Menschen, besonders aber beim Weibe das Haar. – Auf das Zeugniß einer einzigen Quelle, des ersten Cod. Pat., hat Heinsius turpe est sine gr. campus aufgenommen, während alle übrigen turpis sine cett. geben, das wir daher wieder hergestellt haben, so tadellos auch jene Lsrt wäre.
    Unbelaubt das Gesträuch, ohne Behaarung der Kopf.
Nicht die Sidonierin, die der fälschliche Stier durch die Fluth trug,V. 251 ff. Jene berühmten Frauen, wie die Sidonierin &c., bedurften bei ihrer hohen natürlichen Schönheit meiner Belehrung freilich nicht und sind nicht bei mir in die Schule gegangen. Die Sidonierin, die &c., Europa. S. Verw. 2, 839 ff. Leda, Semele, Hélena s. in unsrem Index z. d. Verw. Troischer Räuber, Paris. – Eine Hdschrft giebt die Form Troie, eine pastor, eine victor, worin Heinsius vector vermuthet hat.
    Leda und Sémele nicht kamen zu lernen zu mir.
Hélena nicht, die wieder verlangt nicht dumm Meneláus,
    Aber auch du nicht dumm, Troischer Räuber, behältst.
Lehre verlangt nur die Menge, so schöne wie häßliche Mädchen;
    Und des Garstigen giebt's Mehr als des Guten doch stets.V. 256. Für pluraque hat ein Theil der Quellen widersinnig pulchraque; eine plurima.
Minder um Hülfe der Kunst und Lehren bekümmern sich Schöne;V. 257. Die meisten Hdschrften geben quaerunt, das vielleicht ursprünglich, mindestens eben so gut ist.
    Schönheit ist ihr Theil, mächtig auch ohne die Kunst.V. 258. Für potens andere Lsrt decens, in einigen placens, in einer patens, welche letztere beide auf potens führen.
Wann beruhigt das Meer, dann sorglos feiert der Schiffer;V. 259. Nicht wenige Quellen haben transit für cessat. Soll man auxilia sua dazu denken?
    Schäumt es, so wendet er auf sämmtliche Mittel der Kunst.
Selten jedoch ist frei ein Gesicht von Makeln: verbirg sie,
    Und verstecke des Leibs Fehler, soviel du vermagst.
Sitze, wenn klein du bist; sonst scheinst du stehend zu sitzen;
    Strecke auf deinem Pfühl aus dich, so lange du bist.V. 264. Während man auf der mit Polstern (Pfühl) belegten Bank gewöhnlich lehnte, soll die Kurze sich ganz legen.
Und damit man auch hier im Liegen dich messen nicht könne,
    Sorge, daß unter dem Kleid bleiben die Füße versteckt.
Eine, die gar zu schlank, muß Hüllen von dickerem Faden
    Nehmen, ihr hänge das Kleid schlaff von der Schulter herab.
Bist du blaß, so färbe den Leib mit purpurnen Streifen;V. 269. Färbe den Leib (das Gesicht, vielleicht auch andre bloße Theile) mit purpurnen Streifen, d. h. Strichen, die man mit einem Pinsel oder auch mit den Fingern zog. – Andere Lsrt tangat, die Heinsius vorziehen will; mit Unrecht, da tingat nicht blos die Anwendung sondern zugleich die hervorgebrachte Wirkung ausdrückt. Daß virgis Erklärungen veranlaßt, ist leicht zu denken, und so findet sich dafür guttis und sucis.
    Schwarz, so suche dafür Hülfe beim Pharischen Fisch.V. 270. Pharisch, von Pharos (s. zu Verw. 15, 287), daher = Ägyptisch. Gemeint ist das Krokodill, dessen Unrath zu dem hier angegebenen Zwecke gebraucht worden sein soll.
Einen übelen Fuß birg immer in schneeigem Leder,V. 271. Einen übelen, d. h. häßlichen Fuß birg' immer, auch zu Hause (denn in der Regel ging man zu Hause die Füße nackt in den Sohlen und legte vollere Fußbekleidung nur beim Ausgehen an), in schneeigem Leder, in weißlederner Fußbekleidung, wobei es unentschieden bleibt, ob eine Art Socken oder Strümpfe gemeint ist, von denen die Sohlen noch getrennt zu denken sind, oder ganze bis an die Waden reichende Schnürstiefel zu verstehen sind. Denn die Arten der Fußbekleidung waren ebenso mannigfaltig, als unsere Kenntniß davon mangelhaft. Das Riemenwerk (die Banden) der Socken oder Stiefeletten ging ein Stück an den Beinen hinauf und deckte diese insoweit, daß deren Dürre nicht so leicht wahrgenommen werden konnte. Diesen Banden entnahm man das Bein aber sonst nicht nur, wie gesagt, zu Hause, sondern regelmäßig auch wenn man sich auswärts zur Mahlzeit lagerte. Auch da soll es vermutlich die Dürrbeinige nicht thun. – Suis bezeugen Exc. Jureti und mehrere andere Quellen gegen tuis der übrigen.
    Und den Banden entnimm nimmer ein mageres Bein.
Dünne Wattirungen sind bei Schultererhöhungen passend;V. 273. Schwerlich giebt es eine andere Stelle in der ganzen alten Literatur, wo die Hdschrften eine solche Zahl ungeheuerliche Wörter darbieten, als hier. Es sind deren ein gutes halbes Schock, eins abenteuerlicher als das andere. Um nur einige anzuführen, erwähnen wir analentrides in Sarr., analedides in Neap., amaletides in Comm., dann analatrides, analantrides, analentrides, anacledides, anasecrides, analemptrides, anchiletrides cett.. Im Reg. steht analecptrides, und am Rande analectrides, in Exc. Jur. und einigen anderen analectides, in fünf anderen analectrides. So zweifellos nun auch der Sinn des fraglichen Wortes aus dem Zusammenhange sich ergiebt, so unergründlich ist das Wort selbst. Scaliger wollte omaletides (ομαλήτιδες von ομαλός) Ausgleichungen, Turnebus ometides (von ωμος) etwa Schulterstückchen, beides seltsame Bildungen. Micyll billigte nach Coelius Rhodiginus analectides mit dessen Erklärung (von αναλέγειν, ανάλεκτος, aufgelesen, also eigentlich Aufleslinge, aufgelesene, einzelne Stückchen) kleine Kissen von Zeug zum Unterlegen und Ausstopfen, Stopfflecke. Heinsius entscheidet sich für analectrides (zwar von demselben Stamm, aber zunächst von λέκτρον) unter Vergleichung von ομολεκτρίδες; und läugnen läßt sich nicht, daß die Lesarten mehr auf diese Form als auf jene führen. Auffallend bleibt es immer, daß Sache und Wort weder bei einem Römischen noch bei einem Griechischen Schriftsteller vorkommt.
    Um die strotzende Brust schlinge ein Band sich herum.V. 274. Um die allzu üppige, ins Widerliche gehende Fülle des Busens, die den Römischen Frauen noch heutiges Tages nicht selten eigen sein soll, zu beschränken. Ein solches Band wurde über der Tunica angelegt und hieß mit dem eigentlichen Namen strophium oder mamillare, bei Dichtern aber auch fascia; und Becker ist in Irrthum, wenn er Gall. III, 141 behauptet, fasciae wären blos angelegt worden, um die Brust in ihrem Wachsthume zu beschränken. Zu letzterem Zwecke mag allerdings die fascia vorzugsweise gedient haben nach Martial XIV, 134
Fascia, crescentes dominae compesce papillas,
    Ut sit quod capiat nostra tegatque manus.

Fascia, halte zurück die wachsenden Warzen der Herrin,
    Auf daß unsere Hand fassen und decken sie kann,

wenn nicht etwa gar wachsend (crescentes) uneigentlich so viel als schwellend (bei Catull luctantes) heißt. Daß die fascia aber auch überhaupt zu der gemeinten Beschränkung diente, lehrt unsere Stelle, wo an einen noch wachsenden Busen nicht zu denken ist, ebenso unwiderleglich als Mittel w. d. L. V. 337. Wenn übrigens das eigentliche mamillare nach Martial XIV. 66

Taurino poteras pectus constringere tergo;
    Nam pellis mammas non capit ista tuas.

Mit Stierhaut wohl konntest die Brust zusammen du schnüren.
    Deine Brüste ja faßt nicht so ein Leder wie dies.

von Leder war, so war die fascia wahrscheinlich nur von Wolle und wesentlich nicht verschieden von den wollenen Binden, mit welchen man die Beine umwand (oben zu I, 506).

V. 274. So vorzüglich die Lsrt inflatum für den Sinn ist, so ist sie doch schwerlich echt; nur der andere Cod. Reg. hat sie; die übrigen Quellen alle geben angustum, gewiß keine Verderbniß von inflatum. Sollte angustum ein zu schmaler Busen heißen, der durch die Binde breiter werden sollte?
Mit nur geringer Geberde begleite, was immer sie spreche,V. 275. Loquetur wird gegen loquatur von Reg. bezeugt, auch von einem Vat. durch loqueris nach vorausgegangenem signes bestätigt. Übrigens will Heinsius, da zwei Hdschrften signi geben, signa und loqueris, Burmann ferner, weil loquatur gleich wieder folge, iocatur oder iocetur lesen; Beides ohne Grund. Die Wiederkehr von loqui hat hier durchaus nichts Anstößiges.
    Deren Finger zu fett sind und die Nägel zu rauh.V. 276. Aus der Erklärung Heinsiussens, daß erunt in einer gewissen Hdschrft richtig sei, ergiebt sich, daß die gemeine und wahrscheinlich echte Lsrt erit ist.
Cui gravis oris odor, numquam ieiuna loquatur
    Et semper spatio distet ab ore viri.
Si niger aut ingens aut non erit ordine natus
    Dens tibi, ridendo maxima damna feres.
Quis credat? discunt etiam ridere puellae,
    Quaeritur atque illis hac quoque parte decor.
Sint modici rictus parvaeque utrimque lacunae,
    Et summos dentes ima labella tegant.
Nec sua perpetuo contendant ilia risu,
    Sed leve nescio quid femineumque sonet.
Est quae perverso distorqueat ora cachinno;
    Cum risu laeta est altera, flere putes.
Illa sonat raucum quiddam atque inamabile ridet,
    Ut rudit ad scabram turpis asella molam.
Quo non ars penetrat? discunt lacrimare decenter,
    Quoque volunt plorant tempore quoque modo.
Quid, cum legitima fraudatur litera voce,
    Blaesaque fit iusso lingua coacta sono?
In vitio decor est, quaedam male reddere verba:
    Discunt posse minus, quam potuere, loqui.
Omnibus his, quoniam prosunt, impendite curam.
    Discite femineo corpora ferre gradu.
Est et in incessu pars non temnenda decoris:
    Allicit ignotos ille fugatque viros.
Haec movet arte latus tunicisque fluentibus auras
    Excipit, extentos fertque superba pedes.
Illa velut coniux Umbri rubicunda mariti
    Ambulat, ingentes varica fertque gradus.
Sed sit, ut in multis, modus hic quoque: rusticus alter
    Motus in incessu, mollior alter erit.
Pars humeri tamen ima tui, pars summa lacerti
    Nuda sit, a laeva conspicienda manu.
Hoc vos praecipue, niveae, decet. Hoc ubi vidi,
    Oscula ferre humero, qua patet, usque libet.
Monstra maris Sirenes erant, quae voce canora
    Quamlibet admissas detinuere rates.
   


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    Der aus dem Munde es riecht, die hüte sich nüchtern zu sprechen
    Und steh' immer ein Stück ab vom Gesichte des Manns.
Wenn die Zähne dir schwarz, zu groß sind, oder nicht richtig
    Stehen; so wirst du viel Schaden durch Lachen dir thun.
Ja – wer sollte es glauben? – es lernen auch Lachen die Mädchen;
    Und hierinnen auch sucht man für die Schönheit Gewinn.
Mäßig nur öffnet den Mund, daß kleine Grübchen entstehen;V. 283. Vermutlich nur um seine unnöthige Änderung sint parvae utrimque zu rechtfertigen, sollen blos die meisten Hdschrften mit Ed. pr. parvaeque utrimque haben; welche aber nicht so haben oder seine Lsrt begründen, sagt er nicht.
    Und das Zahnfleisch sei stets von den Lippen bedeckt.
Spannet den Leib auch nicht in unaufhörlichem Lachen;
    Sanft nur, ich weiß nicht wie, klinge und weiblich der Ton.V. 286. Ohne Umstände schreibt Heinsius sonent, obgleich er angiebt, daß die Hdschrften sonet haben. Wolle man sonet lesen, so müsse es, behauptet er, im vorhergehenden Verse auch contenderit oder contendat ut heißen. In seinem Eifer zu ändern hat er nicht gesehen, daß entweder risus oder leve nescio quid femineumque das Subject ist.
Manche verziehn das Gesicht beim Lachen wol bis zur Verzerrung;
    Andere weinen, so scheint's, sind sie im Lachen vergnügt.V. 288. Cod. Reg. hat für laeta usa oder lata, usa auch noch zwei andere, und einer lusa, noch zwei andere risuque usa. Hierin vermuthet Heinsius Cum risu effusa est, oder weil das eine zu gewöhnliche Construction ist, gleich In risum effusa est!
Heiser erschallt bei Andern und gar unlieblich das Lachen,V. 289. Ohne die mindeste Spur einer Verschiedenheit der Hdschrften bei dem Worte ridet hat Heinsius wieder ganz willkürlich stridet eingeschwärzt. Der Dichter führt die verschiedenen Arten des Lachens an, wodurch der Schönheit Eintrag geschieht. Manche, hat er im Vorhergehenden gesagt, verzerrt das Gesicht, eine Andere scheint zu weinen. Jene, d. h. wieder eine Andere, fährt er jetzt fort, stößt beim Lachen einen gewissen heiseren Ton aus und lacht daher unliebenswürdig. Hieraus ergiebt sich auch, daß das unbestimmte quiddam vielmehr zu raucum als zu inamabile gehört. Heinsius hat nämlich auch hier, hier jedoch nicht ohne die Autorität mehrerer Hdschrften, für raucum quiddam atque inamabile raucum quiddamque inamabile gegeben.
    Wie bei der Mühle Geknarr häßlicher Esel Geschrei.V. 290. Das Beiwort scabra soll blos malen, das häßliche Thier in seinem niedrigen Dienste darstellen, daher wir uns auch kein Gewissen daraus gemacht haben, die auf den Anblick des Mühlsteins bezügliche Vorstellung mit einer andern gewiß nicht minder passenden zu vertauschen.
Alles durchdringt die Kunst. Anmuthig auch lernen sie weinen;
    Wann sie nur wollen und wie, sind sie zu heulen bereit.
Ja, Buchstaben beraubt man sogar des gehörigen Lautes,
    Nöthigt zu stammeln die Zung' in dem befohlenen Wort.
Anmuth liegt in dem Fehler, ein Wort schlecht wiederzugeben;V. 295. Zwei gute Hdschrften geben male verba recidere quaedam, eine als Variante quaedam rescindere verba ohne male.
    Minder zu sprechen verstehn lernet man, als man verstand.V. 296. Dies nebst dem Vorhergehenden scheint sich auf eine gemüthliche Umgangssprache im Volksdialecte zu beziehen.
Auf dies Alles verwendet – es nützt euch – sorgliche Pflege,V. 297. A. L. quando für quoniam.
    Eueren Körper auch lernt tragen mit weiblichem Halt.V. 298. Soviel wir uns entsinnen, ist dies der erste Fall, daß im Pentameter ein neuer Punct beginnt.
Nicht der mindeste Theil der Anmuth liegt auch im Gange.
    Männer, euch unbekannt, lockt er und scheucht er hinweg.V. 300. Ein großer Theil der Quellen, auch Reg., giebt alligat, schon an sich unpassend, noch mehr aber rücksichtlich des Gegensatzes fugat.
Kunstreich wendet sich diese und fängt mit dem flatternden Kleide
    Auf die Luft; und gestreckt trägt sie die Füße voll Stolz.V. 302. Viele Hdschrften geben accipit, worin das Absichtliche minder hervortritt. Übrigens sagte man auch concipere in demselben Sinne. Extentos haben wir auf die Autorität des Reg. gegeben für extensos der übrigen. Diese Schwankung ist fast regelmäßig in den Hdschrften.
Gleich des Umbrischen Manns rothbäckigem EhegemahleV. 303 f. Die Umbrer waren ein besonders kräftiger Volksstamm Italiens. – Witzig ist in einer Patav. Hdschrft. catonis für mariti.
    Schreitet Jene und macht mächtige Schritte gespreizt.
Aber es sei auch hier, wie überall, Maaß. Es erscheinet
    Diese Bewegung im Gang bäuerisch, jene geziert.V. 306. Auffallender Weise finden wir in allen Ausgaben nach motus interpungirt, als ob der Zusatz in incessu blos zum Folgenden gehörte. Wahrscheinlich liegt die Schuld an uns, daß wir dies nicht einsehen, und bitten wir Kundigere um Belehrung.
Aber der untere Theil der Schulter, der ob're des ArmesV. 307 f. S. zu Verw. 3, 480, wo man statt vorn in der Mitte lese nicht vorn in der Mitte. Es fand in Bezug auf den linken Arm gerade das Gegentheil von der Tracht unserer Frauen in den höheren Ständen Statt. die Schulter war bedeckt, der Arm bloß.
    Bis an die linke Hand zeige dem Auge sich bloß.
Das steht euch vorzüglich, ihr Weißen. So oft ich das sehe,
    Habe die Schulter, soweit möglich, zu küssen ich Lust.
Wunder des Meers, die Sirenen vermochten mit reizender StimmeV. 311 f. Ein neues Mittel Männer zu gewinnen. S. zu Verw. 5, 561. Sisyphus Sprößling, Odysseus oder Ulyß. S. zu Verw. 11, 313. Wenn es sonderbar, fast lächerlich klingt die Leute waren mit Wachs verstopft anstatt ihre Ohren, so ist diese Kürze des Ausdrucks nicht die Schuld des Übersetzers; es heißt so in der Urschrift. Übrigens giebt dieser Zusatz den Grund an, warum der Gesang blos auf ihn, nicht auch auf seine Gefährten gewirkt habe. – Quamlibet giebt Cod. Reg., die übrigen unpassend quaslibet.
    Aufzuhalten im Lauf selber das rascheste Schiff.
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