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Liebesgeschichten des Orients

Franz Blei: Liebesgeschichten des Orients - Kapitel 25
Quellenangabe
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typenarrative
authorFranz Blei
titleLiebesgeschichten des Orients
publisherPaul Steegemann Verlag
printrunViertes bis achtes Tausend
year1923
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121017
projectid2818492a
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Der Kaufmann und seine Frau / Aus dem Persischen

In einer gewissen Stadt war ein reicher Kaufmann, der eine hübsche und lüsterne Frau hatte. Einstmals reiste dieser Kaufmann nach einem anderen Land, um da einen Handel zu besorgen. Während seiner Abwesenheit besuchte die Frau fremde Gesellschaften und Männer und sang da und tanzte und trieb die Liebe mit vielen, denn in ihr brannte das Feuer mächtig. Nachdem der Kaufmann einige Zeit in der Fremde gewesen, kam er wieder heim in seine Stadt, und da es Nacht war, konnte er nicht in sein Haus kommen. Also nahm er Wohnung an einem anderen Ort, und nachdem er eine Kupplerin hatte rufen lassen, sprach er zu ihr: »Bring mir doch für diese Nacht ein hübsches gefälliges Weib, mit dem ich mir die Zeit vertreiben kann.«

Es fügte sich, daß die Kupplerin zu der Frau des Kaufmanns ging und sagte: »Ein reicher Mann ist aus Balsora gekommen und möchte ein Frauenzimmer für die Nacht; steht auf und geht zu ihm.«

Die Frau putzte sich mit Juwelen und schönen Stoffen, ging zu ihm und erkannte ihren Mann. Sogleich fing sie an zu schreien:

»Oh, ihr Nachbarn, hört meine Beschwerde! Sechs Jahre sind verflossen, seitdem dieser mein Gatte in die Fremde ging; ich habe jeden Tag und jede Nacht auf ihn gewartet; nun ist er zurückgekommen und hat an diesem Ort seine Wohnung genommen, ohne an mich zu denken. Und hat nach einem Weibe verlangt für seine Lust. Man hat mich aber davon benachrichtigt, und ich bin gekommen. Wollt ihr in dieser Sache Recht ergehen lassen, so ist es gut, sonst will ich zum Kadi gehen und mich von meinem Mann scheiden lassen.«

Die Nachbarn liefen zusammen und stifteten Frieden zwischen dem Kaufmann und seiner Frau.

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