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Liebesgeschichten des Orients

Franz Blei: Liebesgeschichten des Orients - Kapitel 22
Quellenangabe
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typenarrative
authorFranz Blei
titleLiebesgeschichten des Orients
publisherPaul Steegemann Verlag
printrunViertes bis achtes Tausend
year1923
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121017
projectid2818492a
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Die Hetären / Aus dem Sanskrit

Die Hetären verhüllen die Gegend ihrer Scham, nur um das Verlangen der Männer zu steigern, nicht aber aus Schamhaftigkeit. Sie legen prächtige Gewänder an, um das Volk der Verliebten an sich zu ziehen, nicht aber, weil es so Sitte ist.

Fleischbrühe trinken sie, um stark zu sein für die Männer, nicht aber wegen des natürlichen Verlangens danach. Lieben sie die Malerei und die andern Künste, so um ihren Eifer zu zeigen, nicht um sich daran zu erfreuen.

Die Röte der Leidenschaft ist auf ihren Lippen, nicht in ihrem Herzen. Geradheit ist in ihren Armen, nicht in ihrer Natur. Wogend sind ihre lockenden Brüste, nicht aber sie selber in dem Leben, das die Guten mit Freuden begrüßen.

Schwere und Richtung zeigen sie in ihrer wie ein Hügel gewölbten Scham, nicht gegen die Edelgeborenen, deren Vermögen sie genommen haben. Trägheit ist in ihrem Gang, nicht aber in ihren Bemühungen, die Männer zu prellen. Der Trank des Rausches ist auf ihren Lippen zu finden, nicht aber im Lustgenuß mit einem rechten Manne.

Die Hetären sind voller Gier sogar nach den Knaben, tun ungestüm erregt gegen den Greis, haben einen heißen Blick sogar für Entmannte und sind voll Begierde selbst nach einem Kranken.

Es decken sie die Tropfen des Schweißes und ihr Herz wird doch nicht feucht in Zärtlichkeit. Sie zeigen ein Zittern und sind doch hart wie der Kern des Diamantsteines.

Sie schwenken lüderlich die Gegend ihrer Scham und sind unedel. Künstlich ist die Farbe ihrer Augen. Geschickt sind sie, einem alle Glieder ihres Leibes zu überlassen und überlassen einem das Band ihres Herzens nie.

Obwohl nicht aus edlem Geschlecht, kennen sie doch den Schmerz von den Zähnen der Hurenritter. Obwohl sie Lampen der Liebe sind, so brennen sie doch kein zierliches Öl.

Wie der Berg Meru sind die Berghänge ihrer Hinterbacken von tausend erbärmlichen Männern besucht. Wie kluge Fürsten vermeiden sie sorgfältig die Verbindung mit Geldlosen.

Bienen und Huren küssen die Blütendolde und den vortrefflichen Mann, nachdem sie ihn lange an sich gezogen haben. Beide sind geschickt, ihn leer zu saugen.

Von den Männern immer geliebt, reizend durch ihre künstliche Leidenschaft, auf die Scham und den Hintern geschlagen sind die Elefanten und die Huren.

Die vom Schicksal Geschlagenen, die ihre Neigung den Huren geben, fliegen hinaus, beide Hände nach vorne gestreckt.

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