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Liebesgeschichten des Orients

Franz Blei: Liebesgeschichten des Orients - Kapitel 21
Quellenangabe
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typenarrative
authorFranz Blei
titleLiebesgeschichten des Orients
publisherPaul Steegemann Verlag
printrunViertes bis achtes Tausend
year1923
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121017
projectid2818492a
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Ben Beschir und Tschunder / Aus dem Persischen

In einer Stadt war ein Jüngling namens Beschir, der einen vertrauten Umgang mit einer Frau namens Tschunder pflog. Nach einigen Tagen wurde ihr Geheimnis bekannt. Tschunder wurde von ihrem Manne nach einem anderen Ort gebracht, und Beschir beklagte diese Trennung Tag wie Nacht. Eines Tages sagte er zu einem Araber, mit dem er lange schon bekannt war: »Ich möchte Tschunder wohl besuchen, aber komm du mit mir.« Der Araber willigte ein. Und sie machten sich zusammen auf den Weg. Als sie bei Tschunders Wohnung ankamen, ruhten sie unter einem Baume aus; Beschir schickte den Araber hin, der nach ihrem Hause ging und Grüße von ihrem Freunde überbrachte. Tschunder sagte ihm: »Zu Nacht will ich unter jenem Baume sein.«

In der Nacht nun ging Tschunder zu dieser Stelle, wo Beschir sie an seine Brust drückte. Beschir fragte, ob sie die ganze Nacht bei ihm bleiben würde. Sie antwortete: »Nein, wenn anders nicht der Araber einen Auftrag übernehme, in welchem Falle sie wohl bleiben könnte.« Der Araber fragte, was er tun solle, und Tschunder sagte: »Zieh mein Kleid an, geh in mein Haus, und setze dich an den Herdplatz. Wenn mein Mann mit einem Becher Milch kommt und dir zu trinken gibt, so nimm den Becher, und enthülle auch nicht dein Antlitz; hierauf wird er den Becher neben dich hinsetzen und weggehen; nachher trinke die Milch.«

Der Araber war es einverstanden und tat wie ihm geheißen. Als Tschunders Mann mit dem Becher Milch kam, konnte alles, was er sagte, den Araber nicht bewegen, zu trinken oder den Mund aufzutun oder ihm auch nur den Becher aus der Hand zu nehmen. Der Mann geriet in Wut, fing an, ihn mit der Peitsche zu hauen und sagte: »Obgleich ich dir so viele Nachsicht bezeige, willst du doch nicht deine Lippen öffnen und auf meine Worte Antwort geben?«

Und er peitschte den Araber dergestalt, daß dessen Rücken ganz rot und blau wurde. Als Tschunders Mann wegging, weinte und lachte der Araber zugleich.

In diesem Augenblick kam Tschunders Mutter und sagte: »Ich ermahne dich beständig, warum willst du deinen Mann dir nicht zum Freunde machen? Wenn du dich nach Beschir sehnst, so wirst du das Antlitz deines Mannes nicht wieder sehen.«

Die Mutter ging weg und sagte zu Tschunders Schwester: »Geh und setze dich zu ihr und frage sie, warum sie sich nicht mit ihrem Manne vertragen will.«

Tschunders Schwester ging also zu dem Araber, der bei dem Anblick ihres schönen Gesichtes vergaß, was er von den Prügeln ausgestanden hatte; und wie er seinen Kopf aus dem Leinentuch herausstreckte, sagte er: »Ach, liebe Frau, Eure Schwester ist diese Nacht zu Beschir gegangen und hat mich hergeschickt, ihren Platz auszufüllen. Seht nur, was für Prügel ich ihretwegen erlitten habe.« Und bei diesen Worten entblößte er seinen Leib und zeigte der Schwester Dinge, die ihr gar wohl gefielen. Und der Araber sagte weiter: »Bleibet bei mir diese Nacht, sonst werden ich und deine Schwester Schimpf erleiden.«

Tschunders Schwester lachte und blieb bei dem Araber die ganze Nacht. Als der Morgen graute, begab sich der Araber zu Tschunder, die ihn fragte, wie er die Nacht verbracht habe. Er erzählte ihr alle Umstände in Hinsicht ihres Mannes und zeigte ihr seinen Rücken. Tschunder schämte sich vor sich selber, wußte aber nicht, wie angenehm er sich die Nacht über mit ihrer Schwester vergnügt hatte, und auf gleiche Weise wie sie mit ihrem Beschir.

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