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Liebesgeschichten des Orients

Franz Blei: Liebesgeschichten des Orients - Kapitel 17
Quellenangabe
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typenarrative
authorFranz Blei
titleLiebesgeschichten des Orients
publisherPaul Steegemann Verlag
printrunViertes bis achtes Tausend
year1923
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121017
projectid2818492a
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Drei kleine Geschichten / Aus dem Chinesischen

1.

Eine Frau hatte während der Abwesenheit ihres Mannes ein Stelldichein mit ihrem Liebhaber, als sie ihren Mann kommen hörte. Schon steckte sie den Liebhaber in einen Reissack, der in einer Zimmerecke stand. Als nun der Gatte eintrat, merkte er, daß da etwas nicht richtig war und fragte wütend: »Was hast du da in den Sack getan?« Das Weib konnte vor Schrecken keine Antwort geben. Da kam nach einer Pause eine Stimme aus dem Sacke: »Reis.«

2.

Ein schlechter Mensch hatte einen tiefen Haß gegen einen reichen Mann gefaßt und bat einen Zauberer, ihm zu helfen. »Ich kann Geisterkrieger schicken, die ihm heimlich den Hals abschneiden,« sagte der Zauberer. »Ja, aber seine Söhne und Enkel erben,« sagte der andere, »also ist das nichts für mich.« – »Ich kann Feuer vom Himmel holen,« sagte der Zauberer, »und ihm sein Haus und Habe verbrennen.« – »So behält er noch immer Äcker und Felder. Was kannst du noch?« »O,« sagte der Zauberer, wenn dein Haß so tief ist, so hab' ich etwas ganz Kostbares hier,« und gab mit diesen Worten seinem entzückten Klienten ein fest umschnürtes kleines Paket, das, als der Mann es öffnete, eine Schreibfeder enthielt. »Was für eine geheimnisvolle Kraft soll darin sein?« fragte der Mann. – »Ach,« rief der Zauberer, »du weißt sicherlich nicht, wie viele schon durch den Gebrauch dieses kleinen Dinges zugrunde gerichtet worden sind!«

3.

Ein Bräutigam bemerkte tiefe Runzeln im Antlitz seiner Braut und fragte sie nach ihrem Alter. Worauf sie sagte: »So fünf-, sechsundzwanzig.« »Im Ehekontrakt,« sagte er, »steht dein Alter mit achtunddreißig angegeben, aber ich bin sicher, du bist älter, und mir kannst du es schon sagen.« »Also ich bin wirklich fünfundvierzig,« sagte die Braut. Aber der Bräutigam war nicht überzeugt und legte also eine Falle. »Ich muß das Salzfaß zudecken, sonst fressen mir die Ratten das Salz weg,« sagte er. Da rief die Braut: »Ach, Unsinn! Ich lebe hier schon achtundsechzig Jahre und hab nie gehört, daß Ratten Salz fressen.«

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