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Liebesgeschichten des Orients

Franz Blei: Liebesgeschichten des Orients - Kapitel 15
Quellenangabe
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typenarrative
authorFranz Blei
titleLiebesgeschichten des Orients
publisherPaul Steegemann Verlag
printrunViertes bis achtes Tausend
year1923
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Die Frauen / Aus dem Türkischen

Die Frauen von Halep haben ein schönes Antlitz. Sie sind schön wie Halep selber. Die dreieckige Narbe auf ihrer linken Wange gleicht einem Stück Silber auf einem Rosenblatt. Der Glanz ihrer Schönheit ist der Glanz der Welt. Jede ist ein Mond in Halep.

Es gibt so viele Huren in Halep, daß sie die Welt erfüllen könnten. Ein Einwohner Haleps hat sich einen Stoff weben lassen, ganz bedeckt mit den Figuren des Zebb und der weiblichen Scham. Und hat sich darin gekleidet. Unvergleichlich ist die Schamhaftigkeit von Halep.

Die Frauen von Hidjas haben eine häßliche Gestalt: sie schmücken ihre Brust nicht mit Liebhabern. Ihr Leib ist schlaff, ihr Gesicht ist schwärzlich. Bloß die Frauen von Mekka haben etwas Angenehmes. Sie halten auf Scham und Ehre. Es gibt keine Huren in diesem Lande. Wenn eine Hure in Ägypten ganz unerträglich wird, dann schickt man sie nach Mekka in Verbannung. Das ist schade für eine so reine Stadt. Denn diese Ägypterinnen beschmutzen die Stadt.

Die Frauen der arabischen Täler von Mekka bis Bagdad haben ganz wunderbare Gewohnheiten. Sie tätowieren sich blau und glauben dadurch schöner zu sein. Alle haben sie blau tätowierte Lippen.

Wie sie küssen? Ihr Körper gleicht einer Tigerhaut. Von der Stirn bis herunter zur Scham ist alles buntscheckig.

Die Elegantesten lassen sich auf den Bauch ein Kaninchen, auf den Nacken einen Windhund tätowieren, und der Windhund läuft hinter dem Kaninchen her.

Dieser wie eine Schlange oder eine kabbalistische Tafel gefleckte Leib gefällt sehr den Arabern der Täler.

Die Mädchen Abessyniens sind hübsch und schlank. Ihre Manieren sind sehr verführerisch. Es gibt da zwei Sorten von Frauen, die sich vornehmlich durch die Farbe unterscheiden. Die Frauen der gesuchten Sorte haben einen kleinen Körper. Sie sind Jungfrauen jedesmal: man öffnet nicht die Perle ihres Schatzes. Ihre köstliche Sache ist eine errötende Rosenknospe: öffnet sie sich des Nachts, so schließt sie sich wieder des Tags. Diese Frauen nennen sich Töchter von Khatai und haben eine goldkäferfarbige Haut. Auch zwei und drei Kinder machen sie nicht häßlich.

Ein Weiser hat mir gesagt, daß die Gebärmutter dieser Frauen heiß ist wie ein Backofen; und so schließt sich ihre Wunde durch die bloße Kraft dieses Brennens.

Höre, o Joseph von Ägypten unserer Zeit, du, dessen Herz das Herz der Frau verbrennt, die dich verführen will!

Der Gang der Ägypterin ist ein Geschenk des Satans. Da drunten füllen die Huren die Straßen zur Rechten und Linken. Wie schamlos sie sind! Und was für Künste, einen zu fangen! Und welch ein Verlangen voll Brunst!

Einen Feuereimer tragen sie bei sich immer, denn ihr Blut brennt. Flösse der Nil durch jede von ihnen, er könnte das Feuer nicht löschen. Man kauft sie billig für ein Kupferstück, wie es die Dynastie der Geriten bestimmt hat.

Die braven Ägypterinnen sind köstlich! Ah, wenn sie nur nicht die Krankheit hätten! In Ägypten hält man die Krankheit für glückbringend: alle Frauen haben sie.

Ihre Augen schielen ein wenig oder schmachten wollüstig.

So hübsch und mächtig die Frauen da sind, so unfähig sind die Männer. Und die Frauen reiten auf Eseln spazieren.

Wie wohl nenne ich Hanem, diese Schamlose, die in einen köstlichen Tscharaf gekleidet auf einem Esel reitet? Ihre Füße schleifen; man sieht ihre Waden, ja, man sieht alles! Zwei große Fellachen, stark, um Krokodile zu erdrosseln, halten sie an den Knien. So reitet sie über den Platz. Nach rechts und links macht sie den Eselhändlern Zeichen. Und Hadji Yatmaz, der Dummkopf, verliert den Kopf, springt auf einen Esel und reitet ihr nach. Sein unsauberes Fell schleift auf dem Boden, der Speichel steht ihm auf den Lippen. Und zeigt ihm die große Dame die Feige, so ruft er: ›Ja, ja, o Herrin!‹

So fängt sie sich auf ihrem Spazierritt ein paar alte Böcke. Und dann tanzt sie auf arabische Art. Setzt sich einem nach dem andern auf den Schoß. Sie gleicht dem Venusstern, und die Knie ihrer Liebhaber sind die Konstellationen ihres Zodiakus. Und singt Lieder mit wirklichem Feuer.

Unter ihren Liebhabern hat sie Bräuche und Gesten, den ägyptischen Mädchen allein eigentümlich. Sie überschüttet mit ihren Wohltaten Kleine und Große. Und wenn nachher alle müde sind, kommt wohl gerne der Esel an die Reihe.

Noch was sehr Wunderbares machen die Mädchen da drunten: sie legen sich auf den Bauch und stellen auf jede ihrer Hinterbacken eine Tasse; die eine ist gefüllt mit Wasser; und unsere Ägypterinnen bewegen dann ihr Hinterteil so, daß der Inhalt der vollen Tasse in die leere hinübergelangt.

Noch etwas, und das hat mir einer erzählt, der allen Glauben verdient: Es lebte einmal in Ägypten eine, die stickte und sang mit – ihrer Freude! Hat sie vielleicht einen Dichter da hineingesteckt? Oder war etwa die Freude eine Zungenpfeife? Es hat ja die Freude der Frau ihre Zunge, aber kann sie reden? Schreien vielleicht, aber wie kann der Schrei ein Lied werden? Ich habe nie was Ähnliches erzählen hören. Aber: glaube an alles, was man dir über Ägypten erzählt, über die Mutter der Welt! Sie ist die Dirne der Welt.

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